Jakob Fugger und Elon Musk

Am 30. Dezember 1525 starb Jakob Fugger. Zu dieser Zeit galt er als der wohlhabendste Mensch der Welt. Versetzen wir uns nach Augsburg im frühen 16. Jahrhundert: Enge Gassen, geschäftiges Treiben und mitten darin ein bis dahin unerhörtes Projekt. Jakob Fugger, genannt „der Reiche“, schreitet durch die neu eröffnete Fuggerei. Hundertfünfzig schlichte, weiße Häuser mit kleinen Gärten, jede Wohnung mit eigener Tür und Brunnen. Im Zentrum eine Kirche.

Hier wohnen die Ärmsten der Stadt: Witwen, Kranke, Ausgestoßene, gescheiterte Handwerker. Menschen, die andernorts bestenfalls Almosen, meist aber Verachtung erhielten. In der Fuggerei zahlen sie einen symbolischen Rheinpfennig im Jahr. Im Gegenzug verpflichten sie sich zu einem geordneten Leben: Arbeit, Frömmigkeit, tägliches Gebet. Keine Bürokratie, keine Beamten, keine ideologischen Belehrungen, sondern Verantwortung und Würde. Wie schön wäre das im Jahr 2025?

Die Herrengasse in der Fuggerei, Augsburg 1899.

Fugger selbst galt nicht als entrückter Oligarch oder selbstverliebter Magnat. Zeitzeugen berichten, dass er Türen klopfte, nach dem Befinden fragte, Brot verteilte. Er war kein kalter Rechner, sondern ein Patriarch im besten Sinne: wohlhabend und zutiefst seiner Gemeinschaft verpflichtet. Nicht weil er es musste, sondern weil er es konnte – und vor allem, weil er es wollte. Die Menschen achteten ihn über alle Maße. Wenn er erschien, jubelten sie, küssten seine Hände. „Unser Fugger“, nannten sie ihn.

Das ist keine kitschige Legende aus dem Stadtmarketing Augsburgs, sondern gut belegte Geschichte. Fugger baute nicht aus Imagegründen, sondern aus Überzeugung. Sein Credo war ebenso schlicht wie revolutionär: Reichtum muss fließen, damit Freiheit wachsen kann. Wer Wohlstand hortet, verkrustet; wer ihn investiert, stiftet Zukunft. Fugger rettete Arme nicht, um sie abhängig zu machen, sondern um sie in die Lage zu versetzen, selbst wieder produktiv zu werden. Dass die Fuggerei bis heute existiert – das älteste Sozialwohnungsprojekt der Welt –, ist der nachhaltigste Beweis für diesen freiheitlichen Ansatz.

Fugger starb als Volksheld

Jakob Fugger wurde nicht mit dem berühmten goldenen Löffel geboren. 1459 als Sohn eines Tuchhändlers in Augsburg zur Welt gekommen, verlor er früh den Vater und übernahm mit 14 Jahren Verantwortung. Er erwies sich als kluger Kopf und mutiger Unternehmer. Fugger diversifizierte früh, investierte in den Bergbau, erschloss Kupfer in Tirol und Silber in Sachsen, brach Monopole und zwang selbst die Osmanen in den Wettbewerb. Er dachte global, handelte entschlossen und ging Risiken ein.

1508 finanzierte er mit 100.000 Gulden die Kaiserkrönung in Rom – und verlangte Zinsen. Ein Skandal für manche, ein Meilenstein der modernen Wirtschaft für andere. Fugger verstand: Macht ohne Kapital ist hohl, Kapital ohne Vertrag wertlos. Sein Netzwerk reichte von Indien bis China, von Venedig bis Antwerpen. Fugger & Co. handelte mit Gewürzen, Seide und Metallen; finanzierte Kaiser, Päpste und Kriege – stets mit eigenem Risiko. Kein Staatsdirigismus, keine Rettungsschirme, kein „too big to fail“. Reiner Kapitalismus: Wer liefert, gewinnt. Wer scheitert, zahlt.

Tausende Arbeitsplätze entstanden in Minen, Werkstätten und auf Schiffen. Fugger schuf Wohlstand, den die Menschen unmittelbar spürten. Neben der Fuggerei stiftete er Kirchen, förderte Bildung, baute Paläste – nicht als Selbstzweck, sondern als Ausdruck einer Ordnung, in der Leistung und Verantwortung zusammengehören. Armut wurde bekämpft, ohne den Menschen ihre Eigenständigkeit zu nehmen. Kein Wunder, dass das Volk ihn verehrte. Lieder, Festzüge, Denkmäler – selbst der Papst nannte ihn einen „christlichen Kaufmann“. Fugger starb als Volksheld, geehrt wie kaum ein Politiker je geehrt wurde.

Fünfhundert Jahre später erleben wir ein erstaunliches Gegenbild. Der reichste Mann unserer Zeit heißt Elon Musk und wird vor allem von links, woke und grün gehasst. Dabei ist die Parallele offensichtlich. Auch Musk begann nicht als Prinz. 1971 in Südafrika geboren, schwierige Familienverhältnisse, erste Programmiererfolge mit zwölf. Emigration, Risiko, Scheitern und Neubeginn. Zip2, PayPal, dann alles auf eine Karte: Tesla. 2008 stand das Unternehmen kurz vor dem Aus. Musk setzte sein gesamtes Vermögen ein.

Von Woke, Links und Grün gehasst 

SpaceX galt zu dieser Zeit als wahnwitzige Idee: Raketen, die nicht explodieren, sondern landen. Wiederverwendbarkeit statt Verbrennung. Heute rettet SpaceX die NASA, senkt Startkosten radikal und macht das All zugänglich. Starlink versorgt abgelegene Regionen, Katastrophengebiete und Kriegszonen mit Internet. Dazu Neuralink, xAI, die Boring Company – ein permanenter Angriff auf Monopole und staatliche Trägheit. Musk ringt mit Regulierungen, Behörden und Ideologen. Es ist ein Freiheitskampf im 21. Jahrhundert.

Die Bilanz ist beeindruckend: Millionen Elektroautos, Milliarden autonomer Kilometer, massive CO-Einsparungen. Er erschuf Hunderttausende Arbeitsplätze und einen freien Informationsaustausch durch das soziale Medium X. Gerade Letzteres passt vielen Linken, Grünen und Woken gar nicht, weil ihre Informationshoheit immer weiter in sich zusammenfällt.

Dennoch – oder gerade deshalb – erntet Musk Hass. Boykotte, Diffamierungen und Strafzahlungen. Er sei ein „Faschist“, „Rassist“, eine „Gefahr für die Demokratie“. Warum? Weil Musk nicht umverteilt, sondern schafft. Weil er nicht dem Staat dient, sondern dem Markt. Und weil er sich nicht einmal einer für ihn genehmen Regierung unterwirft. Deshalb hat er sich auch von Donald Trump – zumindest was ein Engagement in dessen Administration angeht – distanziert.

Der Unterschied ist die gewandelte Gesellschaft 

Jakob Fugger und Elon Musk sind keine Heiligen. Sie sind Zwillinge der Freiheit. Beide riskierten alles, beide schufen Werte, beide verbesserten das Leben von Millionen – jedoch ohne Zwang, ohne moralischen Dirigismus. Fugger gab Wohnungen und Arbeit, Musk gibt Mobilität, Kommunikation und Zukunft.

Der Unterschied liegt nicht bei ihnen, sondern bei der gewandelten Gesellschaft. Fugger wurde gefeiert, weil man Leistung bewunderte. Musk wird gehasst, weil Neid zur Tugend erhoben wurde. Die heutigen Woken, Grünen und Linken predigen Gleichheit und meinen Gleichmacherei. Ihr Ideal ist der betreute Mensch im staatsfinanzierten Mittelmaß. Freiheit gilt als Zumutung, Risiko als Sünde und der Staat als einzig moralische Instanz.

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