Die Federal Reserve-Verschwörung
Um die Gründung der amerikanischen Notenbank und ihre Anteilseigner ranken sich jede Menge Mythen und Erzählungen. Der britische Ökonom und Historiker Antony C. Sutton (1925–2002) veröffentlichte im Jahr 1995 sein Werk „The Federal Reserve Conspiracy“ und brachte ein wenig mehr Licht in die Dunkelheit der FED-Gründung. Axel B. C. Krauss übersetzte das Werk im Jahr 2019 unter dem Titel „Die Federal Reserve-Verschwörung“ in die deutsche Sprache.
Obwohl Antony C. Sutton die Vorgänge gut belegen kann, werden die dargelegten Fakten von der Öffentlichkeit sehr deutlich ignoriert. Zu fest etabliert ist das bestehende Weltbild in den Köpfen der Menschen und zu weit haben die Menschen sich von den An- und Einsichten der Gründerväter der Vereinigten Staaten von Amerika entfernt. Ob in den USA, Europa oder generell auf der Welt: Die öffentliche Meinung ist ganz offensichtlich der Auffassung, es mit einer Zentralbank zu tun zu haben, die der Bevölkerung dient und ihr Tun und Handeln am Wohl der Menschen ausrichtet. Allerdings geht es den handelnden Akteuren stets um Anreizstrukturen und um die Interessen, die sich im Hintergrund formieren.
Die Zeit der dominierenden Industriekartelle
Im ersten Kapitel schreibt Sutton über die Bank der Banker. Er geht darauf ein, dass die Einflussnahme der Regierung (US-Präsident, Kongress etc.) auf die Politik der Zentralbank sehr gering ist. Vermutlich sind die Menschen sich mehrheitlich dieser Tatsache nicht bewusst. Der Kongress trat im Jahr 1913 sämtliche monetäre Macht an die FED ab und diese wiederum befindet sich im Privatbesitz. Die privaten Anteilseigner bestimmen die Richtung, und zwar in sämtlichen Punkten. Es handelt sich um ein uneingeschränktes Geldmonopol. Die Eigentümergruppe hat kraft Gesetzes aus dem Jahre 1913 potenziell die Macht, Geld per Buchungssatz zu schaffen. Diese Vorgänge habe ich bereits in Kapitel III zur Bankenentstehung und Geldschöpfung thematisiert. Was viele Menschen vermutlich anders beurteilen, ist die Tatsache, dass Unternehmen und auch Finanzinstitutionen für sich selbst über keinerlei Macht verfügen können. Es wird zwangsläufig die Macht der Politik (oder die Macht anderer Herrscher) benötigt, um überhaupt ein Geldmonopol errichten und am Leben halten zu können.
Sutton beschreibt die Vorgänge sehr detailliert. Er zitiert aus Briefwechseln und benennt die treibenden Kräfte des Geldkartells. Ein Geldmonopol definiert er als ein Werkzeug zur Akkumulation von Macht und materiellen Werten durch die Elite, die das Geldmonopol beherrscht. Mit der Lizenz zum Gelddrucken können sie alles kaufen. Es handelt sich um ein elitistisches politisches Werkzeug. Ein Mittel, um die Zielsetzung der totalen Macht zu erreichen.
In Kapitel 7 wird es spannend und Sutton kommt zur Gründungsgeschichte. Sie beginnt, die Vorläufer ausgenommen, im Jahre 1910 auf einer Insel, die den Namen Jekyll Island trägt. Die FED wurde auf Jekyll Island kreiert. Daher ist auch oft – in Anspielung auf den bekannten Literatur- und Filmstoff von „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ (der allerdings mit der Insel in keinem Zusammenhang steht) – von der Kreatur – oder dem Monster – von Jekyll Island die Rede. Die Notwendigkeit einer zentralen Geldbehörde wurde mit der vorangegangenen sogenannten Finanzpanik aus dem Jahre 1907 begründet. Jahre später wurde nachgewiesen, dass diese Krise von den besagten Wall-Street-Kräften bzw. der Finanzelite hervorgerufen wurde.
Es war die Zeit der dominierenden Industriekartelle, und die Eigentümer akkumulierten durch ihre durchdringenden Marktanteile gewaltige Werte. Im Öl-Sektor war zum Beispiel Rockefeller der zentrale Spieler, im Finanzsektor dominierte das Haus J. P. Morgan, und das Eisenbahnnetz wurde maßgeblich von Harriman bestimmt.
Das Spiel der Tarnung, Täuschung und Irreführung
Neben der Finanzpanik von 1907 war es auch ein deutscher Bankier, der sehr energisch für eine Kopie der Deutschen Reichsbank in den Vereinigten Staaten die Werbetrommel rührte: Paul Moritz Warburg vom gleichnamigen und bis heute bestehenden Bankhaus Warburg. Die Panik von 1907 wurde ohne Zweifel als Argumentationsverstärker genutzt, um die Notwendigkeit einer zentralen Geldplanstelle herauszustellen. Wie so oft handelte es sich um wirkmächtige Propaganda.
Von 1900 bis 1920 wurde das Geldkartell vom Finanzhaus J. P. Morgan kontrolliert – bis 1913 von J. P. Morgan und im Anschluss an sein Ableben von J. P. Morgan Junior. Dieser Sonderinteressengruppe gehörten noch zahlreiche andere Partner an. U. a. sind mit Rockefeller, Harriman und Kuhn und Loeb bekannte Namen vertreten.
Besonders perfide ist, dass J. P. Morgan öffentlich gegen die Gründung der zentralen Geldbehörde opponierte, hinter den Kulissen er und sein Haus jedoch maßgeblich die Entwicklungen vorantrieben. Aber das Spiel der Tarnung, Täuschung und Irreführung ist für jeden wachsamen Beobachter ein normaler Vorgang im politischen Zirkus – damals wie heute.
Über die Jahrzehnte nach 1913 konnte das private Geldmonopol seine Position halten und sogar deutlich stärken. Aus einem Bericht von Mitarbeitern des Kongresses im Jahre 1976 ist folgende Schlussfolgerung überliefert:
„Kurz gefasst sind die Direktoren der Federal Reserve offensichtlich Repräsentanten einer kleinen elitären Gruppe, die einen großen Teil des Wirtschaftslebens dieses Landes dominiert.“
Die Entwicklungen müssen sich abgespielt haben wie in einem Kriminalroman. Leider war es aber keine Fiktion, sondern Realität. Zur Veranschaulichung der Vorgänge sind viele Zitate, Briefwechsel und Aussagen dokumentiert worden. Der US-amerikanische Jurist Louis Brandeis (1856–1941), der von 1916 bis 1939 der erste jüdische Richter am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten war, beschrieb den Prozess der Geldkartellbildung wie folgt:
„Die Entwicklung unserer Finanzoligarchie, … mit der die Geschichte des politischen Depotismus uns vertraut gemacht hat – ist eine Usurpation, gefolgt von gradueller Vereinnahmung statt gewaltsamer Akte; und durch subtile und oftmals lange geheim gehaltene Konzentration.
Es waren Prozesse wie diese, durch die Caesar Augustus Meister von Rom wurde. Die Väter unserer Verfassung hatten ähnliche Gefahren für unsere politische Freiheit im Hinterkopf, als sie sorgfältig für die Trennung von Regierungsbefugnissen sorgten.“
Monströse Intrige
J. P. Morgan beherrschte das Spiel der subtilen und graduellen Vereinnahmung offenbar perfekt. Der Morgan-Komplex dominierte zu Zeiten der FED-Gründung wesentliche Teile der Wall Street-Banken. Partner von Morgan wählten die Direktoren großer Finanzinstitutionen aus, und im Gegenzug für die Privilegien dieses Postens war die Loyalität gegenüber dem Haus Morgan gesichert. Die Finanzinstitutionen übten signifikanten Einfluss auf Industrie- und Eisenbahnkartelle aus. Die Machtposition konzentrierte sich folglich nicht nur auf den Finanzsektor und relevante Teile der Politik, sondern umfasste sämtliche relevante Branchen.
Eine weitere Aussage von Edward Mandell House (1858–1938), dem amerikanischen Diplomaten, Politiker und wichtigsten außenpolitischen Berater von Präsident Woodrow Wilson (Amtszeit 1913–1921), allgemein bekannt als „Colonel House“, zum Geldkartell gibt tiefe Einblicke in die Geschehnisse.
Er berief sich auf eine Unterredung mit dem späteren US-Präsidenten Woodrow Wilson:
„Ich denke, dass Woodrow Wilsons Bemerkung, das Geldkartell sei eines der schädlichsten von allen, überaus richtig ist … wenige Individuen und ihre Satelliten kontrollieren die führenden Banken und Kartellunternehmen in Amerika … sie kontrollieren außerdem die führenden Unternehmen …“
Es gab prominente Kritiker. So auch der Vater des weltberühmten Fliegers Charles Lindbergh, der Abgeordnete Charles August Lindbergh (1859–1924). Er führte zu den Plänen vor ihrer Ausführung folgende Punkte aus:
„Der Aldrich Banking Plan und Currency Plan ist eine monströse Intrige, sämtliche Finanzen des Landes, öffentlich wie privat, unter EINE Kontrolle zu stellen. Er würde eine große, zentrale Verbindung mit fünfzehn Zwergen erschaffen, um alle Bundesstaaten einzuschließen – er nähme niemanden als Mitglied auf außer Banken und Kartellfirmen und würde die kleineren darunter ausschließen. Der Rest der Welt wäre nicht nur davon ausgeschlossen, Aktien zu erwerben, sondern, wegen der Natur der Verbindungen, ihrer Macht und Beziehungen zum Handel, wäre diese auch fähig, die Bedingungen zu diktieren, unter denen Geschäfte ablaufen sollten. Mit dieser Macht, konzentriert in großen City Banks, die wiederum von den Kartellen und Geldmächten kontrolliert werden, stünden sowohl Politik als auch Geschäftsleben des Landes unter ihrem Diktat.“
Energische Proteste durchaus prominenter Personen der damaligen Zeit vermochten die Entwicklungen nicht aufzuhalten. Wichtig ist aber, dass der Widerspruch dokumentiert worden ist. So haben wir heute die Möglichkeit, besser zu verstehen, was sich zu jener Zeit zugetragen hat.
1910: Finanzelite trifft sich auf Jekyll Island
Die Umsetzungspläne für ein Zentralbanksystem für die USA wurden im Jahr 1910 konspirativ vorangetrieben. Unter dem Strich ist die Schaffung eines derartigen Systems nichts anderes als die Umsetzung der nahezu idealen, durch Inflation herbeigeführten Bewirtschaftung der Menschen. Genauer gesagt wird die Bewirtschaftung der Menschen durch die geldpolitisch induzierte Herbeiführung von Boom- und Bust-Zyklen erwirkt. Eine Zentralbank wie die FED ist somit nichts anderes als die institutionalisierte Manifestation des Cantillon-Effekts.
Vertreter des Geldadels trafen sich auf einer einsamen Insel in einem exklusiven Clubhaus: „The Club House“, auch bekannt als „The Club of Millionaires.“ Es war der vermutlich exklusivste Club der Vereinigten Staaten von Amerika. Astor, Vanderbuilt, Morgan, Rockefeller und Baker sind nur als einige wenige Beispiele für Mitglieder dieses Clubs zu nennen.
Laut der Überlieferung trafen sich namentlich die nachfolgenden sechs Personen auf Jekyll Island:
- Senator Nelson Aldrich, Schwiegervater von John D. Rockefeller Junior
- Bankier Paul Moritz Warburg von der Hamburger Bank M. M. Warburg und Anteilseigner von Kuhn & Loeb aus den USA
- Henry P. Davison, Partner bei J. P. Morgan und Vorsitzender der Banker‘s Trust Company
- Benjamin Strong, Vizepräsident des Banker‘s Trust
- Frank Vanderlip, Vorsitzender der National City Bank
- Charles D. Norton, Präsident der First National Bank
Die Interessen des Standard-Oil-Imperiums von Rockefeller wurden auf Jekyll Island von Nelson Aldrich vertreten. Paul Moritz Warburg war ein Entsandter von Kuhn & Loeb. Die Herren Strong, Vanderlip und Norton waren der J. P. Morgan-Gruppe zuzurechnen.
Nach dem Ableben des Eisenbahnmoguls Edward Henry Harriman (184 – 1909) wurden die Interessen Harrimans im Guaranty Trust von der Morgan-Gruppe übernommen.
Geheime Expedition
Frank Vanderlip schrieb als Vorsitzender der National City Bank wie folgt in seinem Buch „From Farm Boy to Financier“:
„Ungeachtet meiner Ansichten bezüglich des Wertes größerer Öffentlichkeit für die Gesellschaft, was die Angelegenheit von Firmen betrifft, gab es gegen Ende des Jahres 1910 einen Anlass, als ich so geheimniskrämerisch, ja sogar so verstohlen wie jeder Verschwörer war.
Niemand von uns, der daran teilnahm, sah uns als Verschwörer. Im Gegenteil, wir waren der Ansicht, patriotische Arbeit zu leisten. Wir halfen, einen Mechanismus zu planen, der die Schwächen unseres Bankensystems korrigiert, wie sie sich unter den Belastungen und Spannungen der Panik von 1907 zeigten.
Ich denk nicht, dass ich übertreibe, wenn ich von unserer geheimen Expedition nach Jekyll Island als desjenigen Anlasses spreche, bei dem das konzipiert wurde, was schließlich das Federal Reserve System werden sollte.“
Vanderlip war auch der Auffassung, dass der Federal Reserve Act keine Chance gehabt hätte, wenn die Öffentlichkeit über den Vorgang informiert gewesen wäre. Dieser Punkt ist auch recht klar nachzuvollziehen: Wenn die Menschen verstanden hätten, dass es darum ging, einer kleinen einflussreichen Gruppe das Monopol über die Geldversorgung zu übertragen, hätte es sicher eine gewaltige Opposition gegen die Bemühungen gegeben. Wenn die Menschen verstanden hätten, dass diese gewaltige Papierfabrik zum Austausch von Werten (Gold, Silber, Unternehmensanteile, Immobilien usw.) dienen sollte, hätte es Aufruhre gegeben.
Zu heutigen Zeiten ist die FED sicher weniger eine Papierfabrik, heute ist sie eine technokratische Institution, die damit befasst ist, Werte per Buchungssatz und durch Geldschöpfung aus dem Nichts in Bezug auf die Eigentumsrechte umzuwidmen.
Dieser Beitrag stammt aus dem Buch „Neues Geld für eine freie Welt. Warum das Geldsystem kein Herrschaftsinstrument sein darf” von Benjamin Mudlack, das in der Edition Sandwirt erschienen ist und das Sie überall im Buchhandel und hier im Shop des Sandwirts kaufen können.


