Konkurrenz belebt das Geschäft

Wir schreiben den 01.01.2019. Ein Datum, das eine kleine Community, die meistens eher belächelt wird, komplett auf links drehen sollte. Gemeint ist die toxische Welt des Wrestlings. Toxisch deshalb, weil es keine Internet-Gemeinschaft gibt, die untereinander so verfeindet ist wie diese. Vergessen Sie die Fußball-, Fantasy- oder Fahrradfahrer-Bubble! Wenn Sie einen Blick in die Hölle werfen wollen, dann verbringen Sie mal 24 Stunden in der Wrestling-Bubble! 

Ausgangspunkt dafür war das eben angesprochene Datum. An diesem Tag wurde nämlich in Florida durch den Milliardär Tony Khan eine neue Wrestling Liga, die AEW, gegründet. Gut, das klingt jetzt im ersten Moment nicht wirklich aufregend. Doch glauben Sie mir als jahrzehntelangem Wrestlingfan: Diese Gründung war ein Segen. Warum? Tauchen wir also ein in eine faszinierende Welt. Die Welt der Showkämpfe.

Aufstieg und Fall der WCW

In den 90ern gab es zwei große Ligen in den USA, die durch mitreißende Shows und Aktionen um die Gunst der Zuschauer buhlten. Die WCW und die WWF, die später in WWE umbenannt werden sollte. Die WCW hatte Altstars wie Hulk Hogan, Sting, Ric Flair und den Macho Man Randy Savage in ihren Reihen. Während die WWF mit Leuten wie Dwayne „The Rock“ Johnson, Triple H, Steve Austin und dem Undertaker gegen die Konkurrenz antrat. Die WCW wurde damals von dem Milliardär Ted Turner finanziert und auf seinem eigenen Fernsehsender „TNT“ ausgestrahlt. Die WWF wurde von Vince McMahon geführt. 

Mitte der 90er gewann die WCW, auch durch das Geld von Ted Turner, langsam die Oberhand in diesem mit wirklich harten Bandagen geführten Konkurrenzkampf: Eine ganze Zeitlang verriet die WCW in ihren Shows die Ergebnisse der Kämpfe aus den WWF-Shows, bevor diese ausgestrahlt wurde. 

Doch die WWF schlug Ende der 90er zurück. Hauptsächlich durch den Aufbau junger Talente, wie etwa den späteren Hollywoodstar Dwayne Johnson und die sogenannte Attitude Era, die durch waghalsige Aktionen und teilweise sehr intensive Kämpfe (siehe The Undertaker vs. Mankind beim King of the Ring 1998) geprägt war. Die überalterte und finanziell angeschlagene WCW konnte da nicht mehr mithalten und wurde im Jahr 2001 überraschend von der WWF geschluckt. 

Der Monopolist

Fortan war die WWE, wie sie ab 2002 hieß, der Monopolist auf dem Wrestlingmarkt. Zwar waren die Shows und die neuen Stars wie John Cena, Randy Orton oder Brock Lesnar noch durchaus interessant, doch schon damals war abzusehen, dass sich die WWE keine große Mühe mehr geben musste. Es gab ja niemanden mehr, der sie zwang, spektakuläre Shows zu inszenieren. 

Im Hintergrund gründeten sich kleinere Ligen wie TNA oder ROH, die mehr Wert auf klassisches Wrestling legten, während die WWE traditionell mehr Wert auf Drama und Comedy legte. Mitte der 10er Jahre war dann aber leider nicht mehr abzustreiten, dass die WWE langweilig geworden war. Die neuen Stars wie Roman Reigns konnten nicht mehr begeistern, die Shows wirkten austauschbar und waren zu allem Überfluss auch noch voll mit schlechter Comedy. 

Auf die Fans hörte die WWE schon längst nicht mehr. Warum auch? So war es kein Wunder, dass eben diese Fans mehr und mehr verprellt wurden und die Zuschauerzahlen signifikant sanken. Ganz so, wie die Wählerzahlen bei den ehemaligen Volksparteien SPD und CDU auf dem Höhepunkt der Merkel-Jahre.

Auftritt der AEW

Doch 2019 war es soweit: Die AEW wurde gegründet. Besonders daran war, dass einerseits durch Tony Khans Milliarden genügend Geld vorhanden war, und dass andererseits die AEW mit den ehemaligen WWE-, ROH- und NJPW-Stars Kenny Omega, Adam Page, Chris Jericho und Cody Rhodes durchaus Star-Power vorweisen konnte. 

Der Einstand glückte. Bis 2021 wuchs die Liga stetig und konnte der träge wirkenden WWE die Stirn bieten. Allerdings konnte sich diese ab 2021 wieder aufrappeln. Die Shows wurden wieder ausgefallener: Es wurde wieder mehr auf jüngere Stars gesetzt und auch das Storytelling wurde deutlich verbessert. Bis etwa Ende 2024 konnte die WWE so den neuen Konkurrenten enteilen. 

Erst seit ca. anderthalb Jahren ist die AEW wieder am Drücker, da sie nun ihrerseits am Storytelling und am Aufbau neuer Stars arbeiten musste. Aber, so ist das in einem gesunden Konkurrenzkampf: Jeder Akteur muss alles geben, um erfolgreich zu sein. 

Wrestling

Und wie steht es nun in Deutschland mit den eben erwähnten ehemaligen Volksparteien CDU und SPD? Haben die beiden Parteien endlich die Zeichen der Zeit erkannt?

Auf sie mit Gebrüll!

Naja, nicht so ganz. Man ist wie so oft gerade in Schockstarre. Das Verwaltungsgericht in Köln hat den gut 1100-seitigen Verfassungsschutzbericht der ehemaligen Innenministerin Faeser als nicht ausreichend bezeichnet, um die AfD verfassungsrechtlich als „gesichert extremistische Bestrebungen“ hochzustufen. 

Das Urteil hat es durchaus in sich, da man trotz nachrichtendienstlichen Möglichkeiten wenig gegen die AfD in der Hand hat. Damit ist wohl auch ein Verbotsverfahren fürs Erste vom Tisch. Es wäre ohnehin ein kühnes Unterfangen geworden. Die Hürden dafür liegen nämlich relativ hoch. Doch, was macht man nun mit dem „Schmuddelkind“ der deutschen Politik? 

Seit Jahren ringen nun Politiker und Journalisten um den „richtigen Umgang“ mit der Partei. Wobei man kontroverse Debatten, die ja eigentlich die Essenz der Demokratie sind, versucht zu umschiffen. Nein, kein harter Konkurrenzkampf mit harten Bandagen. Deshalb wundert es auch nicht, dass bisher so ziemlich alle Maßnahmen gegen die AfD ins Leere gelaufen sind. Vor allem die als Fundamentalopposition getarnte „Brandmauer“ gegen alles, was die Rechtspartei sagt oder macht, hat dazu geführt, dass die Partei in allen Ostdeutschen Bundesländern inzwischen laut Umfragen zur alleinigen Volkspartei aufgestiegen ist. Toll gemacht!

Macht bessere Politik!

Allerdings hat die Brandmauer inzwischen ein paar Risse und Löcher bekommen. Und das nicht nur durch die CDU, die letztes Jahr im Bundestag bei einer Abstimmung über die Migrationspolitik die Stimmen der AfD zumindest in Kauf genommen hat. Nein, auch die Grünen stimmten inzwischen in Straßburg gemeinsam mit der AfD gegen das Mercosur-Abkommen. 

Aber nicht nur das, auch Die Linke stimmten in Thüringen gemeinsam mit der AfD ab. Hintergrund war ein Antrag der Linken über die Sportstättenförderung. Auch jetzt im Irankrieg klingen die Kommentare der Links- und Rechtsausleger erstaunlich deckungsgleich. Da schließt sich das Hufeisen. Noch lustiger wird es, wenn man die Tweets von Alice Weidel und Anna Lena Baerbock zum Irankrieg vergleicht. 

Ok, das klingt jetzt auch nicht unbedingt nach dem Konkurrenzkampf, den sich die Wähler wünschen. Aber zumindest ist die Politikblase in den sozialen Medien noch einigermaßen toxisch. Zwar ist diese Bubble lange nicht so toxisch wie die Wrestling-Gemeinschaft (man redet ab und an mit anstatt übereinander), aber immerhin ein Anfang. 

Vielleicht sollten wir einfach die nächsten Großveranstaltungen der AEW und WWE genießen (AEW Revolution und WWE Wrestlemania) und uns daran erinnern, dass die Zuschauer die wahren Gewinner des Konkurrenzkampfes im Wrestling sind. Ob die Bürger hierzulande auch noch durch einen echten Konkurrenzkampf in der Politik zum Gewinner werden, bleibt indes abzuwarten. Zu gönnen wäre es ihnen.

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Der nächste Gang …

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