Freies Geld ist unpolitisch
Es ist schlichtweg als ein „Wunderwerk der Gegenaufklärung“ anzusehen, dass es gelungen ist, den Menschen mehrheitlich glaubhaft zu machen, Geld würde vom Staat und somit per Gesetz in die Welt kommen. Das staatliche Bildungssystem lässt an der Stelle keine Zweifel aufkommen.
Nicht die eigene Urteilskraft wird gestärkt und gefördert, sondern Zielsetzung ist es, den Menschen die aktuellen Strukturen von klein auf anzutrainieren.
Die Medien helfen dabei, diese Glaubenssätze zu manifestieren, und publizieren die Mär von der wohlmeinenden Zentralbank als Währungshüter – propagandistisch gesehen ein geniales Wort. Nur leider wurde nicht einmal die Deutsche Bundesbank diesem Ruf gerecht. Auch die D-Mark hat in ihrer Ära von 1948 bis 2001 über 75 Prozent ihres Tauschwertes, gerechnet in Konsumgüterpreisen, verloren. Die Berechnungsmethoden sind statistisch zweifelhaft und werden von staats- und zentralbanknahen Institutionen errechnet, aber das sei nur nebenbei bemerkt.
Die Deutsche Bundesbank hat das Geld seinerzeit deutlich weniger dynamisch verschlechtert, als es die Europäische Zentralbank heute vollzieht. Die EZB ist mittlerweile für sogenannte monetäre und mandatsferne Staatsfinanzierung vereinnahmt und konterkariert so ihr Mandat der Geldwertstabilität. Diese Institutionen können noch so gut geführt sein, früher oder später geraten sie in die falschen Hände. Wir sind Zeuge dieser schleichend daherkommenden Entwicklung.
Carl Mengers Meisterwerk
Zentralbanken und die Geldentstehung per Gesetz sind historisch gesehen jedoch nicht der Normalzustand. Der Blick in die Archive und Geschichtsbücher wirkt an der Stelle nicht nur sehr erhellend, sondern auch ernüchternd. Denn die Menschen haben sich gewaltig die Butter vom Brot nehmen lassen.
Blicken wir in das als Gründungsdokument der Österreichischen Schule der Nationalökonomie angesehene Standardwerk von Carl Menger. Auch wenn es durchaus auch Ursprünge der Österreichischen Schule in Deutschland gibt, so ging dennoch Carl Menger als ihr Urvater in die Geschichtsbücher ein. Sein Werk „Grundsätze der Volkswirtschaftslehre“ war im Jahr 1871 die Basis für all das, was die geistigen Schüler und Nachfahren danach entwickelten.
In Bezug auf die Geldentstehung schreibt Menger die folgenden Zeilen (…), die ich mir erlaube, hier aufgrund ihrer enormen Bedeutung als kleine Essenz darzulegen:
„Das Geld ist keine staatliche Erfindung, nicht das Produkt eines legislativen Aktes, und die Sanktion desselben seitens der staatlichen Autorität ist demnach dem Begriffe des Geldes überhaupt fremd. Auch die Existenz bestimmter Waren als Geld hat sich naturgemäß aus den ökonomischen Verhältnissen herausgebildet, ohne dass die staatliche Einflussnahme hierbei erforderlich gewesen wäre.“

Geldentstehung durch menschliches Handeln und Gewohnheit
Menger schreibt weiter, dass Geld historisch gesehen durch „Gewohnheit“ beziehungsweise durch menschliches Handeln und menschliche Interaktion/Kooperation entstanden sei. Die Menschen haben das Gut als Geld angesehen, das ihnen ideal für die Tauschgeschäfte diente. Man spricht auch oft von dem Gut mit der höchsten Marktgängigkeit oder Tauschfähigkeit. Die absatzfähigsten und nicht verderblichen Güter waren oft Gold und Silber in den verschiedenen Formen.
Wann immer also die Menschen die freie Wahl und absolute Konsumentensouveränität hatten, haben sie in den meisten Perioden Gold und Silber als besonders dienlich entdeckt (entdeckt im Sinne des zugrunde liegenden Entdeckungsverfahrens). Deutschland konnte nach der Karolingischen Münzreform Ende des achten Jahrhunderts bis zum Jahr 1871 auf ungefähr 1000 Jahre Bimetallismus zurückblicken, also darauf, dass Gold und Silber parallel als Geld beziehungsweise Tauschgut angesehen wurden.
Der Bimetallismus wurde 1871 mit der Reichsgründung und im Zuge der allgemeinen Zentralisierung per Gesetz und nicht deshalb, weil die Menschen diesen Akt als nützlich ansahen, abgeschafft. Auch in den USA endete die Ära des Bimetallismus in dieser Zeit. In den USA waren die Kollateralschäden enorm, und einige Farmer verloren ihre Existenzgrundlage, weil sie sich nicht mehr in der Lage sahen, ihren plötzlich in Gold denominierten Kreditverpflichtungen nachzukommen. Per Gesetz wurden einige Menschen zulasten anderer bevorzugt. So auch heute, wenn Menschen kaum Notiz von der schleichenden Enteignung durch Geldverschlechterung nehmen oder gutgläubig übermäßig Nominalwertguthaben (Kontoguthaben, Festgeld, Sparbücher usw.) halten.
Geld als Graswurzelelement ohne Top-down-Struktur
So wie sich bestimmte Produkte auf Basis einer möglichst absoluten Konsumentensouveränität deshalb am Markt durchsetzen, weil die Menschen dieses Produkt mehrheitlich nachfragen, so sollte diese Wahl- und Innovationsmöglichkeit auch beim Geld als Tauschgut Nummer eins gegeben sein. Die Menschen müssen von der Sinnhaftigkeit des Gutes (oder des Geldes) überzeugt sein.
Die Menschen stimmen folglich jeden Tag durch ihr Nachfrageverhalten darüber ab, welche Güter eine Existenzberechtigung haben und welche nicht. Im Rahmen einer konkurrenzwirtschaftlichen Ordnung setzen sich auch Innovationen durch, und die Menschheit entwickelt sich weiter. Aber eben nicht per Gesetz, sondern im Rahmen der täglichen Verwendung und auf Basis eines Entdeckungsverfahrens. Demokratischer, zukunftsträchtiger, fortschrittlicher und menschlicher geht es nicht.
Die zentralistische Denkstruktur ist leider tief im Weltbild und in den Glaubenssätzen der Menschen verankert. Bildungssystem und Medien haben die Menschen von den graswurzelbasierten historischen Elementen der Geldentstehung intellektuell abgeschnitten. Schriften von Carl Menger oder Ludwig von Mises waren beispielsweise nicht Teil der Vorlesungen in meinem Studium. Das Thema Geldtheorie wurde tendenziös und ohne kritische Betrachtung abgearbeitet. So ist es nicht verwunderlich, dass die Entwicklungen so gekommen sind, wie sie sich aktuell darstellen.
Geld sollte neutral, unpolitisch und frei von Interessen Dritter sein. Bitcoin erfüllt nach heutigen Maßstäben diese Bedingungen, zumindest wenn man selbst über die Zugangsschlüssel verfügt, die Coins selbst verwahrt und sich nicht einem Drittparteienrisiko aussetzt. Auch Gold und Silber werden in der sicheren Verwahrung (wie sicher eine Drittverwahrung auch sein mag) ebenfalls den notwendigen Attributen gerecht.
Die staatlichen Geldeinheiten (Euro, US-Dollar, Britisches Pfund usw.) erfüllen die Bedingungen für gutes Geld in keiner Weise, sind politisch komplett vereinnahmt und werden z. B. im Rahmen der Bailout-Politik für die Interessen der Finanzoligarchie eingespannt.
Hätten die Menschen die Wahl und wären sie mehrheitlich informiert, würden Euro, US-Dollar und Co. schrittweise von den Menschen durch Nichtverwendung aussortiert. Der Wettbewerb um das beste Geld ist zwar zum Teil gegeben, aber eben nur für die gut informierten Menschen. Bei den genannten staatlichen Einheiten handelt es sich um ein staatliches Zwangsmonopol. Der Zwangsmonopolist stellt sich nicht dem Wettbewerb, sondern setzt im Gegenteil sein Produkt (Geld) unter Zwang und Gewaltandrohung durch. Dies geschieht beispielsweise dadurch, dass die Menschen ihre Steuerlast ausschließlich mit dem staatlichen Geld bedienen können. Kommen die Menschen den Zahlungsaufforderungen nicht nach, drohen ihnen Zwang und Gewalt in Form einer Gefängnisstrafe oder Ähnlichem.
Gutes Geld verwenden die Menschen ebenso aus freien Stücken, wie sie andere zufriedenstellende Produkte nutzen. An der Stelle ist kein Zwang erforderlich. Die besten Güter, Waren, Produkte und Dienstleistungen setzen sich auf Basis eines dynamischen konkurrenzwirtschaftlichen Entdeckungsverfahrens durch.
Attribute für gutes Geld
Wichtig für zukünftige Kaufkraft und die Akzeptanz als absatzfähiges Tauschgut ist ein absolutes Knappheitsversprechen und die Notwendigkeit, dass das betreffende potenzielle Gut (Geld) über eine hohe Wahrscheinlichkeit der zukünftigen Nachfrage verfügt.
Die Kaufkraft des Geldes als Tauschgut steht und fällt mit der relativen Knappheit, die sich aus Angebot und Nachfrage ergibt. Nur wenn die Geldeinheit Akzeptanz unter den Menschen findet und in der Gesamtquantität knapp oder konstant gehalten wird, lässt sich auch eine stabile Tauschrelation im Vergleich zu anderen Gütern gewährleisten.
Auf diese Weise profitieren die Geldhalter auch von den für moderne Industrienationen üblichen Produktivitätsfortschritten. Diese beinhalten durch effizientere Fertigungsmethoden und IT-Innovationen eine schrittweise Ausweitung der Summe an Gütern, Waren und Dienstleistungen. Vereinfacht gesprochen: Bei konstanter Geldmenge sinken die Preise, weil sich eine gestiegene Gütermenge auf eine gleich gebliebene oder nur langsam wachsende Geldmenge verteilt. Die Menschen profitieren auf diese Weise im Rahmen einer Art Produktivitätsdividende.
Gutes Geld sollte zwingend frei von Interessen Dritter und folglich komplett losgelöst von politischen Zielsetzungen einzelner Menschen und Gruppen sein. Eine politische oder geschäftliche Vereinnahmung einiger weniger Menschen sollte es nicht geben, auch wenn die Vereinnahmung heute auf der Tagesordnung steht.
Eine konkurrenzwirtschaftliche, nicht zentralistische Geldordnung wirkt disziplinierend und verschafft den Menschen im Rahmen einer absoluten Konsumentensouveränität eine Wahlmöglichkeit, wenn ein Geldanbieter das Geld verschlechtert. In dem heutigen zwangsmonopolistischen Geldsystem sind insbesondere nicht optimal informierte Menschen der fortlaufenden Geldverschlechterung nahezu schutzlos ausgeliefert. Sie werden durch Inflation und die daraus resultierende Kaufkraftminderung monetär zur Ader gelassen. Wohlstand und Privateigentum sind in der Tendenz rückläufig, Eigentumsrechte jeglicher Art werden im Zeichen der überbordenden Kollektivverschuldung gefährdet.
Dieser Beitrag stammt aus dem Buch „Neues Geld für eine freie Welt. Warum das Geldsystem kein Herrschaftsinstrument sein darf” von Benjamin Mudlack, das in der Edition Sandwirt erschienen ist und das Sie überall im Buchhandel und hier im Shop des Sandwirts kaufen können.




