Verbraucht Rindfleisch wirklich viele Ressourcen? 

Sie haben es sicher schon einmal gehört: Fleischproduktion verbrauche riesige Landflächen und etliche Liter Wasser. Aber stimmt das wirklich? 

Wasserverbrauch

In Bezug auf Fleischproduktion ist häufig die Rede von einem hohen Wasserverbrauch. Aber was bedeutet Wasserverbrauch überhaupt? 

Man muss zwischen sogenanntem grünem, blauem und grauem Wasser unterscheiden. Sogenanntes grünes Wasser ist jenes Wasser, das in der Umgebung bereits gegeben ist. Bei einer Weidehaltung gehört dazu das Wasser im Gras, in Mikroorganismen und im Boden. Auch Regen oder Schnee gehören dazu. Dieses Wasser wird vom Boden absorbiert und durch sogenannte Transpiration erneut in die Atmosphäre abgegeben. Das grüne Wasser ist also vollkommen unabhängig davon, ob eine Kuh auf der Weide steht, im Ökosystem gegeben. Das grüne Wasser macht ungefähr 94 Prozent des sogenannten „Wasserverbrauchs“ bei der Rinderhaltung aus. Der Großteil davon steht im Zusammenhang mit dem Gras, das die Weiderinder verzehren. 

Beim blauen Wasser handelt es sich um jenes Wasser, das die Tiere beispielsweise trinken und womit Pflanzen bewässert werden. Nur ein Prozent des sogenannten Wasserverbrauchs bei der Rinderhaltung geht auf blaues Wasser zurück. Rinder urinieren, defäkieren und atmen wiederum, wodurch das Wasser erneut in die Atmosphäre und die Umwelt abgegeben wird. Grünes und blaues Wasser sind also weder verschmutzt noch verschwunden, sondern Teil des natürlichen Wasserzyklus.  

Dasjenige, was die meisten Menschen tatsächlich im Alltag meinen, wenn sie von „Wasserverbrauch“ sprechen, ist das sogenannte graue Wasser. Hierbei handelt es sich um Wasser, das potenziell kontaminiert ist. Nur drei Prozent des sogenannten Wasserverbrauchs belaufen sich auf graues Wasser. Je industrialisierter die Landwirtschaft, desto höher der Verbrauch an blauem und grauem Wasser und desto geringer die Nutzung von sogenanntem grünem Wasser. 

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Futterverbrauch

Ein anderes Narrativ, das einem medial immer wieder begegnet, ist jenes des hohen Ressourcenverbrauchs. Es heißt, Rindfleischproduktion zerstöre den Regenwald, weil das Soja für Tierfutter genutzt werde. Es heißt auch, es müssten etliche Kilogramm Pflanzennahrung verfüttert werden, um ein Kilogramm Rindfleisch zu produzieren. Teilweise werden Zahlen dahingehend zitiert, dass 36 Prozent der Pflanzennahrung an Tiere verfüttert werde. 

Zunächst einmal werden Weiderinder in Europa nicht mit Soja aus Brasilien gefüttert. Welche Art Fleisch der Endkonsument kauft, kann er frei entscheiden. 

Noch viel wichtiger ist, dass diese erwähnten 36 Prozent nicht einfach für den Mensch verzehrbar sind. Rinder können, anders als Menschen, Zellulose verdauen und diese in hochwertige Proteine und Fette umwandeln. Der Mensch steht nicht in Nahrungskonkurrenz zu Rindern. Im Gegenteil können Rinder Nährstoffe verwerten, die der Mensch nicht verwerten kann. Das absolute Nahrungsangebot wird dadurch für den Menschen nicht kleiner, sondern faktisch größer. 

Nur 14 Prozent der an Tiere verfütterten Trockenmasse wäre für den Menschen essbar. Bei der Rinderhaltung sind es sogar nur vier bis fünf Prozent. Wenn das Rind auf der Weide steht, sind es glatt null Prozent. Denn Gras und Heu sind für Menschen nicht essbar. 

Der geringe Prozentsatz, der essbar ist, liefert wiederum keine vergleichbaren Nährstoffe für Menschen. Während beispielsweise Mais für Menschen ziemlich kalorien- und auch nährstoffarm ist, ist Rindfleisch sehr nährstoffreich: Protein, Eisen, Zink, Taurin, Carnosin, Carnitin, B-Vitamine aller Art und mehr. Die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch benötigt ungefähr 2,8 Kilogramm pflanzliche, vom Menschen theoretisch verzehrbare Nahrung. Wenn man beispielsweise Mais mit Rindfleisch vergleicht, ist die Kalorienmenge jedoch vergleichbar. Und in Bezug auf die Mikronährstoffmenge sind sie nicht vergleichbar. Zum Beispiel müsste man zehn Kilogramm Mais essen, um auf eine vergleichbare Menge an Zink zu gelangen wie bei einem Kilogramm Rindfleisch. Oder vier Kilogramm Mais in Bezug auf Eisen, sechs Kilogramm Mais in Bezug auf Protein. 

Darüber hinaus ist Mais erheblich schwerer verdaulich und die darin enthaltenen Nährstoffe sind für den menschlichen Organismus auch nicht gleichermaßen bioverfügbar wie beispielsweise ein großer Teil des in Rindfleisch enthaltenen Eisens. Der Vitamin-B12-Bedarf ist mit Mais praktisch nicht abdeckbar, dasselbe gilt für eine optimale Carnitinzufuhr. 

Carnitin ist ein Nährstoff, der eine essenzielle Rolle im Energiemetabolismus spielt. In Pflanzen sind nur verschwindend geringe bis gar keine Mengen an Carnitin enthalten. Der Körper kann zwar selbst Carnitin bilden, jedoch nicht in optimalen Mengen. Ein geringer Carnitinspiegel im Blut ist mit Depressionen assoziiert. 

Flächenverbrauch 

Ein drittes gängiges Narrativ ist die Aussage, Rindfleischproduktion sei von der Flächennutzung her ineffizient. Es sei sinnvoller, stattdessen Pflanzen anzubauen. 

Solche Narrative unterschlagen gänzlich die Komplexität der Landwirtschaft. Es ist nicht nach Belieben alles überall anbaubar. Auf welche Weise landwirtschaftliche Flächen genutzt werden können, ist maßgeblich durch geographisch-klimatische Bedingungen und auch die Bodenfertilität bedingt. Ein sehr simples Beispiel: In der Mongolei lassen sich nicht überall nach Belieben Kartoffeln anbauen. In Deutschland auch nicht. Bestimmte Flächen eignen sich für unterschiedliche landwirtschaftliche Güter. 

Das Geniale: Weidehaltung funktioniert praktisch überall, weil nahezu überall Gras wächst. Und wie bereits erwähnt wurde, ist das Gras für Menschen nicht verdaulich. Für polygastrische Tiere (beispielsweise Rinder und Schafe) hingegen schon. Diese Tiere sind also die ideale Ergänzung für die menschliche Ernährung. Darüber hinaus erhöht das Weiden und Defäkieren dieser Tiere die Bodenfertilität, was die entsprechende Agrarfläche langfristig auch für andere landwirtschaftliche Güter nutzbar machen kann. 

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