Na Servus! – Das war der April 26

Diesen Text gibt es auch als Video mit Wolfgang Herles: Hier.

Und außerdem auch als Episode zum Hören: Hier.

Seit Wochen zieht es ein Buckelwal vor, vor der Ostseeküste zu stranden. Erschöpft oder auch nur beratungsresistent bringt er seine Retter zur Verzweiflung. Doch gerettet werden muss er, ob er will oder nicht! – Die Hysterie um den dummen Wal versetzt die Deutschen im April in hysterische Verzückung. Weit mehr, so scheint es, als die Blockade der Straße von Hormus oder die Blockade sämtlicher Reformen.

Eine Tierärztin im Koma, inkompetente Experten zerstritten, ein Umweltminister schlaflos vor Ohnmacht. Sogar der Bundespräsident besorgt. Weil die Deutschen die Natur über alles lieben, wollen sie Timmy retten … vor sich selbst. 

Es ist letztlich eine romantische Liebestragödie. Man weiß ja, wie die enden. Offenbar projizieren die Deutschen ihre eigene Hinfälligkeit auf das wilde Tier. Ein Land, das sich nicht helfen lassen will. Ein Land auf Abwegen. Getrieben von ahnungslosen, moralisch hochtrabenden Aktivisten, von denen sich Politiker treiben lassen. Ein Land, das festsitzt im Seichten, rettungslos verloren. Tragödie oder Groteske? Deutschland ist ein gestrandeter Buckelwal. Wir sind Timmy.

Die Deutschen wollen partout nicht ins Freie, partout nicht zurück ins Tiefe. Sie verharren dort, wo sie es sich bequem gemacht haben, bald erdrückt vom eigenen Gewicht. Das verzweifelte Dahinsiechen entspricht ihrer Natur. Die Tragödie eines Buckelwals namens Demokratie besteht im Wesentlichen darin, dass er sich nicht verändern will. Die Deutschen haben zwar theoretisch die Wahl, aber auch nach Wahlen bleiben sie auf ihrer Sandbank liegen, und es ändert sich: nichts!

Das ist jetzt in Ungarn anders. Viktor Orbán ist nach der Wahl einfach freiwillig abgetreten, obwohl er doch erst 16 Jahre lang an der Macht gewesen ist und angeblich ein Autokrat. Oh, werden Sie vielleicht sagen, man nennt es Demokratie. Trotzdem haben Frau von der Leyen und Herr Merz so getan, als habe sich in Ungarn gerade eine Revolution vollzogen: Mit dem blutigen Aufstand 56, mit dem Ende der kommunistischen Diktatur 89 haben Sie die demokratische Wahl verglichen. – Entweder haben sie keine Ahnung von Geschichte oder keine Ahnung von Demokratie. Oder beides.

Die Welt ist voller Romantiker. Man könne doch auch mit den Mullahs friedlich auskommen, meint der amerikanische Papst. Weshalb er Ärger bekommt mit dem amerikanischen Präsidenten. Der eine meint, Frieden komme von Liebe. Der andere liebt nur sich selbst. 

Da es mit dem Regime Change nicht geklappt hat, besinnt sich Trump wieder seiner Kernkompetenz: Geschäfte machen. Solange er das Öl der Iraner blockt, muss China es eben in Amerika kaufen. Heute wird verhandelt, morgen mit Raketen gedroht oder umgekehrt. Die Börsen jedenfalls zucken auf und ab und Trumps Familie verdient sich dumm und dämlich an den Insidergeschäften. 

Die Spritpreise lassen die Deutschen ächzen. Sie tun sich schwerer als andere damit, sie zu deckeln, ist es doch genau das, was die Grünen immer wollten: Sollen die Leute weniger Auto fahren und nicht mehr in den Urlaub fliegen!

Die Sozialdemokraten versprechen, die Übergewinne der Ölmultis abzuschöpfen. Aber was ist mit den Übergewinnen des Staates, die der Finanzminister den Bürgern abschöpft, weil auch die Mehrwertsteuer auf Benzin automatisch steigt? – Ölkonzerne sind böse, der Staat aber ist gut. So lange, bis nichts mehr abzuschöpfen ist und der kleine Mann endgültig gestrandet. Dann wird ihm geholfen, ob er will oder nicht. 

Sandwirt Direkt abonnieren Banner 1

Der deutsche Staat erweist sich als Kriegsgewinnler. Dass in dieser Angelegenheit der Kanzler seine wackere Wirtschaftsministerin über den Klingbeil springen lässt, nur um den sensiblen Koalitionspartner nicht zu verärgern, steht auf einem anderen Blatt. Die Regierungskoalition hat zwar den Herbst der Reformen versäumt, aber der Herbst von Schwarz-Rot hat schon begonnen. 

Nicht nur die Wirtschaft, auch immer mehr Christdemokraten trauen Merz die Politikwende nicht mehr zu. Die Umfragen fallen immer verheerender aus. Immer öfter ist vom einzigen Ausweg die Rede: einer Minderheitsregierung. Merz hat sie zwar kategorisch ausgeschlossen. Aber was hat er nicht schon alles ausgeschlossen? 

Na servus!

Diesen Beitrag im Podcast ansehen:

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Diesen Beitrag im Podcast anhören:

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Weitere Informationen

Alternativ können Sie den Podcast auch bei anderen Anbietern wie Apple oder Overcast hören.

Beitrag teilen …

Der nächste Gang …

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Fill out this field
Fill out this field
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
You need to agree with the terms to proceed

Autoren