Skandal – er ist Christ!

Die Widersprüchlichkeit der Massenmedien ist zum Topos geworden. Fast vergessen ist, dass man sich nördlich der Alpen einst arrogant gegenüber den Italienern zeigte, weil dort tatsächlich ein „Clown“ – gemeint war der Komiker Beppe Grillo als Gründer des Movimento 5 Stelle – in der Politik mitmischen wollte. Heute dagegen gibt es eine merkwürdige Verliebtheit in den Komiker Hape Kerkeling, der als möglicher Bundespräsidentenkandidat der Herzen lanciert wird. 

Kerkeling hat sich in der Vergangenheit feindlich gegenüber der AfD und überhaupt gegenüber allem, was „rechts“ ist, gezeigt und meinte sogar, als Homosexueller von der Meloni-Regierung in Italien diskriminiert worden zu sein. Wenn der Clown der eigenen Seite angehört, dann ist es eben etwas anderes.

Eine ähnlich merkwürdige Reaktion zog das christliche Bekenntnis des Fußballspielers Felix Nmecha nach sich. Zwar hat Nmecha aus seinem Glauben an Jesus Christus schon früher keinen Hehl gemacht. Aber angesichts der klaren Bekenntnisse beim WM-Spiel gegen Curaçao wurde es dann offenbar einigen doch zu viel. Medien wie die taz geiferten dabei nicht nur aus einer prinzipiell christophoben Position heraus. In den Sozialen Medien fragten linke Influencer, warum denn die „Rechten“ damals bei Rüdigers islamischem Fingerzeig solchen Krawall veranstaltet hätten, dies aber bei Nmecha ausbleibe.

Man könnte den Einwurf mit der einfachen Formel fortwischen, dass das Christentum nicht nur Bestandteil der deutschen Kultur ist, sondern historisch betrachtet ein Stützpfeiler deutscher Identität. Team Nmecha ist Team Christus und Team Deutschland. Der Islam ist es nicht. 

Die Pressereaktion zeigt aber eben deutlich mehr: Das Eigene, das Natürliche, das Normale muss sich rechtfertigen; das Fremde, das Exotische, das Außergewöhnliche ist erst einmal nicht zu hinterfragen. Eine gewisse Linie zu Jean-Jacques Rousseau, der den „edlen Wilden“ romantisierte und die eigene christlich-europäische Gesellschaft kritisierte, lebt in dieser Weltanschauung fort.

Die Crux der Moderne: Der Gläubige im Rechtfertigungszwang

Wer glaubt, der hat sich demnach zu rechtfertigen. Das ist die Crux der Moderne. Über Jahrhunderte war es – und ist es bis heute im größten Teil der Welt – üblich, dass nicht der Gläubige, sondern der Nichtgläubige sich rechtfertigen muss. Muslime haben lediglich ihre Glaubenssuprematie bewahrt, wonach der Glaube dem Unglauben überlegen ist. Das galt auch für das antike Griechenland, wo die Asebie, also die Gottlosigkeit, als Straftatbestand galt. Dies war auch in Rom der Fall. Asebie war einer der Anklagepunkte gegen Sokrates. Der Philosoph versuchte aber vor Gericht eben nicht, seinen vermeintlichen Atheismus zu rechtfertigen, sondern stattdessen zu beweisen, dass er sehr wohl an die Götter glaubte.

Wie an der Gegenüberstellung Nmecha–Rüdiger deutlich wird, misst aber selbst in diesem Fall die Waage der Massenmedien ungleich. Die Angst vor dem Christentum ist in den Redaktionsstuben ausgeprägter als vor dem Islam. Während die Opfer des „radikalen Christentums“ überschaubar sind, bemühen sich die Medien redlich, die Gefahren eines radikalchristlichen Umsturzes hochzuschreiben und die tatsächliche Gefahr durch den Islamismus herunterzuspielen. Literarische bzw. filmische Umsetzungen wie The Handmaid’s Tale haben in den Köpfen der linksliberalen Autoren eine größere Bedeutung als die real existierenden, sichtbaren Gefahren. Der (christliche) Glaube war früher gesunder Menschenverstand, heute ist er eine Bedrohung.

Influencerinnen wie Annika Brockschmidt haben mit Büchern wie den „Gotteskriegern“, die die USA unterwandern, in ihrem eigenen Milieu einen Nerv getroffen; Berichterstattungen über den Verlust der staatlichen Autorität über die Migrantenviertel in den Großstädten Deutschlands kommen dagegen nur nebensächlich bei Polizeimeldungen vor. Der Grusel vor der Rückkehr des angeblich „finsteren Mittelalters“ christlicher Prägung verströmt größeren Schauer als ein Spaziergang durch Duisburg-Marxloh. Dass zahlreiche Journalisten dabei bis heute Polemiken und Verdrehungen ihrer aufgeklärten, geistigen Vorgänger weitertragen, die sich aus modernen Mythen wie der flachen Erde, des ius primae noctis oder den Kreuzzügen speisen, steht dabei noch auf einem eigenen Blatt. Die Furcht vor dem Christentum ist real, die Furcht vor dem Islam rechtsextrem.

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Kampagne gegen „Christfluencer“

Interessant sind dabei auch andere Erscheinungen am publizistischen Spielfeldrand. So stieß auch katholisch.de, die Plattform der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, in ein ähnliches Horn. Fußballerische Prominenz, so die Seite, ersetze keine theologische Kompetenz. Andersherum gefragt: Darf sich zum Glauben also nur äußern, wer Theologie studiert hat? Spöttische Internet-User bemerkten zu Recht, dass keiner der Jünger Jesu eine solche Qualifikation besaß. Verärgert hat das Portal offenbar Nmechas Einstellung zu LGBT. Die schmeckt den progressiven Kreisen des Synodalen Wegs in der katholischen Kirche nicht. Dass der Evangelikale Nmecha damit aber näher an der römischen Position liegt als so mancher deutsche Hirte, sollte ebenfalls nicht verschwiegen werden.

Das Skandälchen reiht sich in mediale Empörungen ähnlicher Art ein. Der WDR berichtete im Dezember 2025: Rechte Christfluencer: So beeinflussen sie Jugendliche in Social Media. Im Januar zog der Spiegel nach: Hass im Namen des Herrn. Im April strahlte die ARD eine Dokumentation aus: Radikale Christen in Deutschland – Kreuzzug von rechts. Am 7. Juni dann das Radio-Feature: Heilige Krieger – Christfluencer und die Neue Rechte. Dies sind nur einige Beispiele.

Niemand der erwähnten Akteure beging eine Vergewaltigung, sprengte Häuser oder Menschen in die Luft. Es gab nicht einmal öffentliche Kundgebungen mit Kampfansagen. Der einzige Vorwurf ist ein konservatives Gesellschaftsbild bzw. ein Statement dazu. All das – wer hätte es geahnt – hilft der AfD.

Dass religiöse Menschen eher zu konservativen Einstellungen neigen, scheint zahlreiche Medienvertreter zu überraschen, deren Bild von Religion sich aus Übertragungen vom Evangelischen Kirchentag oder Katholikentag speist. Artikel wie Videos zeigen, dass Journalisten häufig ihren eigenen mangelnden Bezug zum Glauben als Norm bzw. als Argument ansehen, um besonders aggressiv oder verängstigt zu reagieren. Das eigene linksliberale Gesellschaftsbild wird über eine pluralistische Gesellschaft gestülpt. Dass das Plädoyer für Vielfalt jene Gruppen nicht einschließt, belegt, dass Diversität nur für bestimmte „marginalisierte Gruppen“ reserviert ist. Christen werden in Deutschland zunehmend zur Minderheit, bekommen allerdings nicht denselben Sonderstatus; im Grunde gehören sie zurück in die Katakomben.

Das christliche Fundament der Menschenwürde

Denn – so kann man es bei der taz nachlesen – hinter dem Bekenntnis zu Christus stehe ein „finsteres Menschenbild“. Atemberaubend, denn die Menschenwürde haben nicht die Jakobiner oder 68er erfunden, sondern sie ist das, was das Christentum fundamental ausmacht – und von allen Religionen und Ideologien trennt. Natürlich frühstückt man im selben Artikel noch das Attentat auf Charlie Kirk ab, einen „christlich-fundamentalistischen Politprediger“. Bekanntlich war seine berüchtigtste Waffe der Diskurs auf dem Universitätscampus. Dass überdies Kirks Weltanschauung eher links von einer sizilianisch-katholischen Nonna stehen dürfte, wollen wir den zartbesaiteten Schreibern und Lesern der taz ersparen.

Christophobie, nicht Islamophobie beherrscht demnach Deutschland. Denn anders als Mohammed rührt Christus immer noch etwas bei den Menschen an – seine Feinde inklusive. Die Botschaft ist trotz mehrerer Jahrhunderte der Christenfeindlichkeit nicht totzukriegen. Die Anhänger Jesu sind zahlreicher als die von Marx und Butler. Und nicht nur Nmecha demonstriert sein Christentum öffentlichkeitswirksam – Katholiken haben es erst kürzlich zu Fronleichnam und zum Herz-Jesu-Fest an zahlreichen Orten getan.

Vielleicht aber reizt die Redaktionsstuben noch etwas anderes: nämlich die ohnmächtige Einsicht, dass es da draußen eine Wahrheit gibt, die sich nicht die woken Dogmen aufsetzen lässt. Eine, die nicht aufhört zu sagen, dass nur zwei Geschlechter existieren, dass es Höheres und Erstrebenswerteres als Macht und Materie gibt und dass ohne die Liebe Christi nur ein großes, klaffendes Loch dort zurückbleibt, wo die Denkmalstürzer und Revolutionäre jede Gewissheit zertrümmert haben. Wer Gott töten will, muss sich gezwungenermaßen mit dem Teufel verbünden. Gelungen ist das freilich noch nie.

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