Donald macht die Hillary
Ist ja interessant! #5
Erinnert sich jemand? 2016 war eins der außenpolitischen Argumente für Donald Trump und gegen Hillary Clinton, dass Clinton dafür stand, einen Krieg gegen den Iran führen zu wollen (im Auftrage Saudi-Arabiens). Sogar der notorische Linke Jakob Augstein gestand ein, dass Trump das vielleicht geringere Kriegsrisiko darstellen würde.
Nach dem knappen Wahlsieg von Trump ergab eine mich überzeugende Wahlanalyse, dass das „Zünglein an der Waage” die Wähler in den Bundesstaaten darstellten, die den höchsten Blutzoll für die Bush- und Obama-Kriege gezahlt hatten.

In seiner ersten Amtszeit hatte Trump sich tatsächlich außen- und kriegspolitisch unauffällig verhalten. Doch nun ist es amtlich: Er hat die Wandlung vom Isolationisten zum Internationalisten durchgemacht – wobei „Internationalist” hier im Sinne des Konzepts steht, die USA seien der Weltpolizist und ihnen stünde es (anders als allen anderen Nationen der Welt) zu, überall militärisch einzugreifen, wo es ihnen gerade in den Kram passt.
Disclaimer zwischendurch: Gegen militärische Interventionen von welchem Staat auch immer einzutreten, bedeutet nicht, die Partei der jeweils im Fadenkreuz befindlichen Regime zu ergreifen. Ein Maduro in Venezuela, die Mullahs in Iran – sie haben es verdient, vom Thron gestoßen zu werden. Ihnen muss das Handwerk der Menschenschinderei gelegt werden. Doch dies per Okkupation durch äußere militärische Eingriffe herbeizuführen, ist stets kontraproduktiv. Denkt an Afghanistan, wo mit hohem Blutzoll und einem Milliardenaufwand die Taliban durch die Taliban ersetzt wurden. Denkt an Irak. Denkt an Libyen.

Zurück zur Wandlung Trumps vom Isolationisten zum Internationalisten. Sie ähnelt der Wandlung der Grünen von Pazifisten zu Bellizisten 1999 (Joschka Fischer) und 2021 (Annalena Baerbock) und ist in ihrer Wirkung natürlich noch viel gefährlicher, einfach weil die USA militärisch so viel potenter sind als die Bundesrepublik Deutschland.
Machtpolitisch macht es viel mehr Sinn, den Krieg gegen Iran von einem republikanischen als von einem demokratischen Präsidenten führen zu lassen, da für rund einhundert Jahre die Republikaner eher in Richtung Isolationismus tendierten – wobei angefangen bei Richard Nixon die isolationistische Agenda unter den Republikanern nicht mehr die Mehrheit hinter sich wusste. Dennoch: Hillary als Kriegsherrin hätte vermutlich eine schärfere Opposition im eigenen Land hervorgerufen als es Donald als Kriegsherr tut. Die herrschende Klasse der USA leidet immer noch unter dem Schock des Vietnamkriegs, der darum aufhören musste, weil die innenpolitische Opposition zu stark war. Von den Demokraten erwartet man nicht, dass sie in der Lage sind, eine solche Opposition anzuführen. Sie sind als Kriegsgegner einfach nicht ernst zu nehmen.
Mit dem Samstag, 28. Februar 2026, wird mir klar, warum die herrschende Klasse der USA den Hampelmann Donald 2025 erneut zum Präsidenten kürte: Er ist Wachs in ihren Händen. Politik ist, wie Frank Zappa einst so unübertroffen formulierte, die Unterhaltungs-Abteilung des militärisch-industriellen Komplexes.
Ist ja interessant!


