Sinkender Pegel in Dagobert Geldspeicher

Ende Januar ist der Silberpreis kaskadenartig von etwa 120 Dollar auf unter 80 gefallen, der Goldpreis ähnlich, und das hat so manchen auf dem falschen Fuß erwischt.

Der Chor der Experten, die einen parabolischen Anstieg weiß-der-Teufel-wohin prognostiziert hatten, muss nun nach Erklärungen suchen – und die sind nicht weit. Einmal gibt es das Narrativ, das habe man ja wissen können. Dabei bleibt die Tatsache unberücksichtigt, dass sie selbst, die Experten, es eben nicht gewusst haben. Dann soll es die Ernennung des neuen FED-Chefs gewesen sein, der ja noch lange nicht im Amt ist. Wahlweise kommen auch noch Putin und der böse Chinese in Frage, die ja nicht mehr liefern wollen. Auf jeden Fall ist eines klar: Sie selbst haben den unbedarften Kunden selbstverständlich nicht hinter die Fichte geführt.

Dabei war man von einzelnen kleinen Rücksetzern schon ausgegangen, aber nicht von einem Marktzusammenbruch in weniger als einem Tag.

Nun gibt es heutzutage ja eine interessante Experten-Unterart, die nicht nur zu Weltpolitik – nicht einmal unberechtigt – Stellung nimmt, sondern gleichzeitig auch als Edelmetallhändler auftritt. Da sehen wir doch einen gewissen Interessenkonflikt.

Also erlebten wir ein Cannae, die berühmte Schlacht, in der Hannibal die Römer vernichtend schlug. Die Frage bleibt nur: Wer ist der Hannibal des Silbermarktes? Wer ist daran schuld, dass Onkel Dagoberts Goldbadewanne nicht leer ist, der Pegelstand aber gesunken ist?

Nun gilt hier das Habecksche Wort: Das Zeug ist nicht weg, es gehört halt nur jemand anderem.

Soweit ich mich erinnere, hat von den Wirtschaftsweisen nur der nimmermüde Philipp Hopf von HKCM eine Art Anstiegssockel im Bereich von unter 6000 für Gold prognostiziert und damit im Kern Recht gehabt: Auf über 5600 war es schon. Noch dazu: Seine Methode der Prognose – die Elliott-Wellen – scheinen nach Auskunft meines schlauen Bruders bestens funktioniert zu haben. Legt man ein Fibonacci-Schema über den Kurs, funktioniert das hervorragend.

Nun unsere fünf Cents zu den Vorgängen: Wir glauben, dass es ein Liquiditätsproblem im Silbermarkt gab. Gerade die Retailer haben eingekauft, als gäbe es kein Morgen, in der Hoffnung auf exorbitante Gewinne – und plötzlich blieben die Käufer weg. No money that keeps the world go round.

Dann die Stop-Loss-Kaskade: Man kann für den Kurs eines Wertes wie Gold oder Silber einen Stop-Loss setzen, bei dem automatisch verkauft wird, wenn dieser unterschritten wird. Wenn das passiert, kann es zu einer Kaskade kommen, weil das Überangebot durch Verkäufe die Preise senkt und weitere Verkäufe auslöst.

Dazu kommt noch der Zeitpunkt der Katastrophe: Freitag vor Monatsende, vor dem Wochenende, ziemlich genau zur Eröffnung der New Yorker Börse. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Freuen wird das die Chinesen, deren Preislevel – wie man hört – um etwa 20 Dollar höher lag, zumindest für physisch vorhandenes Metall, als hierzulande im Westen. Die dürften keine Liquiditätsprobleme haben, und ab geht der Klumpen nach Shanghai.

Schlecht ist es für die kleinen Händler, die nun auf nicht realisierten Verlusten sitzen und höhere Spreads – also Differenzen zwischen Verkauf und Einkauf – brauchen, um weitermachen zu können. Das wird auch dazu führen, dass der Handel ein wenig zum Erliegen kommt.

Dass Donald am Elend Dagoberts schuld ist, halten wir für ein Gerücht. Natürlich dekonstruiert der Dollar. Natürlich ist der Carry-Trade mit dem Yen am Ende. Aber das spräche gerade nicht für einen Verfall der Edelmetallpreise.

Man darf gespannt sein. Vielleicht gab es ja interessierte Kreise, die Silber unter 100 und Gold unter 5000 wollten. Aber ob das mittelfristig klappt, wird vermutlich in Singapur und Shanghai entschieden.

Das Netz quillt über vor Expertenanalysen, warum die Edelmetallpreise einbrechen mussten. Tenor: Man habe es ja kommen sehen, es sei unvermeidlich gewesen, die Elliott-Wellen seien eindeutig gewesen – nur: Vorher hat es so gut wie niemand gesagt.

Na ja, man will ja die Pferde – äh, die Käufer – nicht scheu machen. Und wer am meisten leidet, sind nun die Händler selbst. Die sitzen auf dem teuer eingekauften Schrott, und dann kommt auch noch eine Oma mit ihrer silbernen Kaffeekanne daher, die sie versilbern will. No way.

Aber der Vorgang an sich ist schon klar. Dominik Kettner, einer der bekannteren Händler hierzulande, erklärt das ganz gut: Im Kern ist alles Manipulation, weil Großbanken auf Kontrakten saßen, die ihnen bei hohen Preisen endlos Geld gekostet hätten. Der Edelmetallhandel läuft ja nicht so, dass – wie gesagt – Oma die Kanne oder ihr Enkel die Unze ins Geschäft bringt, sondern es wird spekuliert und gewettet, was das Zeug hält, egal ob nun eine Unze wirklich da ist oder nicht. So ist eben der moderne Kapitalismus.

Jeder Aktienhai weiß, dass man seine Investments gewöhnlich mit einem Stop-Loss absichert. Das heißt: Wenn ein Kurs eine bestimmte Schwelle unterschreitet, wird automatisch verkauft. Wird automatisch verkauft, steigt das Angebot und die Preise fallen weiter – eine Kaskade, eine Art Niagara der Preisfindung. Irgendwann hört das auf, wenn keine Stop-Losses mehr weit genug unten vorhanden sind.

Dazu kommen weitere Bosheiten, die Manipulation war perfekt orchestriert:

  • die LME (der Metallhandelsplatz) verzögerte den Handelsstart („technische Probleme“)
  • man wartete, bis China geschlossen hatte
  • dann massive Silber-Futures-Dumps
  • Die COMEX brach ihre eigenen Circuit-Breaker-Regeln (Stopp bei minus 10 Prozent vorgeschrieben, Silber fiel um 35 Prozent, kein Stopp)
  • Und so weiter – ab ging’s in den Keller …

Aber: Während im Westen Papier abgestoßen wurde, passierte in Shanghai das Gegenteil:

  • China kauft jede verfügbare Unze auf
  • niederländische Händler nehmen keine Bestellungen mehr an – nichts verfügbar
  • Samsung sichert sich Silberminen

Aber machen wir uns nichts vor: Die Chinesen sind auch nicht unglücklich, wenn es billiger wird.

Wann es wieder dreht? Das hat schon angefangen. Gold ist wieder über 5000 und Silber steigt. Die „fundamentals“ scheinen sich durchzusetzen. Und auch der Donald will eine strategische Reserve anlegen: Auch er macht den Dagobert!

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Der nächste Gang …

1 Kommentar. Leave new

  • Das Vertrauen ins ungedeckte Papiergeld schwindet rasant. Da musste man natürlich Lieschen Müller mal zeigen wie gefährlich der Kauf von Edelmetallen ist. Ein Weltuntergang! Medial begleitet von den Expert*innen die uns schon die Energiewende als Erfolgsmodell verkaufen wollen. Also einfach Ruhe bewahren und Tee trinken. Viel Billiger wird physisches Edelmetall nicht wirklich werden, eher das Gegenteil.

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