Geht es Frauen mit Gleichbeteiligung besser?

Manchmal wird behauptet, vermehrte Teilhabe in Politik und Wirtschaft habe Frauen in den letzten Jahrzehnten mehr Möglichkeiten eröffnet und diese dadurch auch zufriedener gemacht. Aber ist das wirklich der Fall?

Subjektives Wohlbefinden in den letzten 50 Jahren

Es gibt Indizien dafür, dass die vermehrte Partizipation von Frauen in Politik und im Arbeitsmarkt in den letzten Jahrzehnten nicht zu erhöhtem, sondern zu vermindertem psychischen Wohlbefinden geführt hat. 

Die Autoren einer Studie analysierten mehrere repräsentative Datensätze der Jahre 1972 bis 2006. Das Wohlbefinden wurde mittels Fragebögen ermittelt. In den 1972iger-Jahren berichteten Frauen ein höheres Wohlbefinden als Männer. Das Verhältnis drehte sich in den 2000iger-Jahren um – Männer berichteten mehr Wohlbefinden als Frauen. Der Rückgang war sowohl absolut als auch relativ zu den Männern und zeigte sich über alle Alters-, Bildungs- und Erwerbsgruppen hinweg. 

Das gilt in Bezug auf die USA. In Europa zeigte sich in jenem Zeitraum ein Anstieg des berichteten subjektiven Wohlbefindens bei beiden Geschlechtern, bei Männern jedoch mehr als bei Frauen. Der relative Rückgang zeigte sich folglich sowohl in den USA als auch in Europa. 

Eine Studie des Jahres 2025 wertete umfangreiche Daten aus – 168 Länder, Daten von 2,56 Millionen Personen. Langfristige Trends wurden für die USA und Europa analysiert. Es zeigte sich, dass Frauen im Durchschnitt mehr Lebenszufriedenheit und allgemeines Glück berichten, zugleich jedoch zugleich auch schlechtere psychische Gesundheit. Dieses Muster bestehe jedoch nicht in allen Ländern. 

Zudem sinke das relative Wohlbefinden der Frau im Vergleich zu Männern. Die allgemeine Lebenszufriedenheit bleibt laut dieser Auswertung relativ stabil. Gleichzeitig erzielen Frauen mehr Bildungserfolg, ein höheres Einkommen und mehr Arbeitsmarktpartizipation als zuvor. In Bezug auf die Unterschiede zwischen den Geschlechtern diskutieren die Autoren biologische Faktoren, Messungenauigkeiten und kulturelle Normen. 

Konstatieren lässt sich, dass sich die selbstberichtete Zufriedenheit von Frauen relativ zu Männern verringert hat, in den USA sogar relativ als auch absolut. Das simplistische Narrativ, eine vermehrte angeblich „Gleichbeteiligung“ an öffentlichen Institutionen und Erwerbsarbeit führe automatisch zu höherer Zufriedenheit, wird durch die zur Verfügung stehenden Daten nicht gestützt. 

Ursachen

In der Fachliteratur werden verschiedene Ursachen diskutiert. Teilweise ist die Rede vom Paradox der sinkenden weiblichen Zufriedenheit in Anbetracht vermehrter Gleichbeteiligung. 

Eine mögliche Ursache könnte eine veränderte Referenzgruppe sein: Frauen vergleichen sich heutzutage mit einer anderen Referenzgruppe als noch vor 50 Jahren. Beispielsweise vergleichen sie sich heutzutage vielleicht sowohl mit den beruflichen Karrieren von Männern als auch mit anderen Frauen. Während Frauen in den 1970iger-Jahren sich vielleicht eher mit familienorientierten Müttern verglichen, vergleichen sie sich heutzutage vermehrt mit beruflich erfolgreichen und gebildeten Männern als auch Frauen. 

Einige Wissenschaftler diskutieren auch steigende Erwartungen – die Realität bleibe möglicherweise hinter den Erwartungen zurück. Ebenso seien Frauen heutzutage mit mehr Rollen und Komplexität konfrontiert – ein doppeltes Aufgabenfeld: sowohl Arbeit als auch Familie. Auch soziale Veränderungen wie vermehrte Scheidungen könnten eine Rolle spielen.

Ein weiterer Grund könnte auch vermehrte Einsamkeit sein, bedingt durch höhere Scheidungsraten, im Durchschnitt spätere Familiengründung und vielleicht auch einer grundsätzlichen „Atomisierung“ der Gesellschaft – Menschen arbeiten oder studieren seltener an jenen Orten, an denen sie aufgewachsen sind und an denen ihre Familien leben. Es könnte sein, dass Frauen unter dieser „kulturellen Vereinsamung“ mehr leiden als Männer. 

Fazit

Daten der letzten Jahrzehnte legen nahe, dass die relative und (abhängig vom Land) teilweise auch die absolute subjektive Zufriedenheit von Frauen gesunken ist. Die Gründe dafür sind unklar und könnten mehrere Ursachen umfassen. 

Deutlich wird allerdings, dass das simple Narrativ, Gleichberechtigung und „Gleichbeteiligung“ schaffe automatisch mehr subjektives Wohlbefinden, nicht haltbar ist. Gleichzeitig bedeutet das allerdings nicht, dass eine Mehrbeteiligung von Frauen beispielsweise im Bereich der Wirtschaft oder Politik automatisch negative Folgen haben muss. 

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