„I have a dream“

Tagesgericht: 15.01.1929 – heute vor 97 Jahren wurde MLK geboren

Es war der Film „Mississippi Burning“ von Alan Parker mit Gene Hackman und Willem Dafoe in den Hauptrollen, bei dem ich das erste Mal einen Eindruck von der Grausamkeit des Rassismus in den USA bekam. Der Film ist aus unterschiedlichster Sicht kritisiert worden, wie ich dann viel später lesen konnte, aber ich fand ihn in seiner Düsternis, der ständig präsenten Gewalt und dem erbarmungslosen Hass äußerst eindrücklich. Das war ein anderes Amerika, als ich es von Lassie oder Flipper oder auch Knight Rider kannte. Und ich begann, mich mehr für diese Geschichte zu interessieren. Eine Geschichte, in der Persönlichkeiten auf der Seite der Unterdrückten wie Sitting Bull eine Rolle spielten – und eben auch Martin Luther King, der mit friedlichen Mitteln versuchte, für die afroamerikanischen Bürger in den USA mehr Freiheit, mehr Rechte zu erstreiten.

Upper Class in schwarz

Martin Luther King Jr. wurde am 15. Januar 1929 in Atlanta, Georgia, geboren. Er war der Sohn einer Lehrerin und eines Predigers. Sein Vater Martin Luther King war Vorsitzender einer der ältesten afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegungen in den USA, der National Association for the Advancement of Colored People (NAACP – Nationale Gesellschaft zur Förderung farbiger Menschen) in Atlanta. Zusammen mit seinen Eltern lebte King Jr. bis 1941 in der Auburn Avenue, einer Straße, in der fast ausschließlich wohlhabende Schwarze wohnten, im Haus Nr. 501.

In Atlanta waren durch die Rassentrennung alle Bereiche des täglichen Lebens in schwarz und weiß separiert: Schulen, Kirchen, öffentliche Gebäude, Busse und Züge, selbst Toiletten und Waschbecken.

Mit 17 Jahren wurde Martin Luther King jr. Hilfsprediger seines Vaters. Ab 1944 besuchte er die einzige Hochschule für Schwarze im Süden, das „Morehouse College“. 1948 graduierte er in Soziologie. Schließlich studierte er Theologie. Er las Platon, John Locke, Jean-Jacques Rousseau, Aristoteles, Karl Marx, Henry David Thoreau und vor allem Mahatma Gandhi, dessen Gewaltlosigkeit ihn tief beeindruckte und seinen weiteren Lebensweg prägen sollte. King sagte über den großen Inder: „From Gandhi I learned my operational technique.“

Bus-Boykott

Am 1. Dezember 1955 weigerte sich die afroamerikanische Bürgerrechtlerin Rosa Parks in Montgomery, ihren Platz in einem öffentlichen Bus für einen weißen Fahrgast zu räumen. 

Damals gab es Rassentrennung in den Bussen der Stadt: Die ersten vier Reihen waren für Weiße reserviert, im hinteren Teil des Busses gab es einen Bereich für Schwarze. In der Mitte gab es Reihen, in denen sowohl Weiße als auch Schwarze sitzen durften. Die Regel war aber: Alle Schwarzen mussten sofort ihren Platz räumen, falls nur eine weiße Person in der Reihe Platz nahm.

Rosa Parks, die in einer der mittleren Reihen saß, wurde wegen ihres „Nein!“ festgenommen und mit einer Geldstrafe belegt. Dies löste eine breite Solidaritätsbewegung innerhalb der schwarzen Bevölkerung aus. So wurden am 5. Dezember, am Tag von Rosa Parks’ Gerichtsverhandlung, die öffentlichen Busse boykottiert. Fast alle Schwarzen beteiligten sich, wodurch deutlich wurde, dass die Gemeinschaft geschlossen hinter dem Protest stand. Der Boykott dauerte schließlich rund 385 Tage und setzte, weil die schwarze Bevölkerung die Hauptkundschaft der städtischen Busse war, die Stadt unter Druck.

Der damals erst 26-jährige Martin Luther King, der neu in Montgomery lebte, wurde zum Vorsitzenden des eigens gegründeten Koordinationskomitees Montgomery Improvement Association ernannt. Der Boykott zog schließlich auch internationale Aufmerksamkeit auf sich. 

Am 19. Juni 1956 ordnete das zuständige Bundesbezirksgericht an, die Rassentrennungspraxis in den Bussen wegen Verfassungswidrigkeit einzustellen. Am 13. November 1956 bestätigte der Oberste Gerichtshof die Entscheidung des Bundesbezirksgerichts.

Der Bus-Boykott von Montgomery war einer der entscheidenden Siege, die der Bürgerrechtsbewegung zum Durchbruch verhalfen.

„I have a dream“

Mehr und mehr setzte sich Martin Luther King mit gewaltfreien Mitteln gegen Rassentrennung und soziale Ungerechtigkeit ein und wurde zu einer der wichtigsten Stimmen des Civil Rights Movement, der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung in den USA.

Durch seinen Einsatz wuchs die Bewegung zu einer großen Kraft heran, die entscheidend dazu beitrug, dass die Rassentrennung aufgehoben und das Wahlrecht für Schwarze in den Südstaaten durchgesetzt wurde.

Am 28. August 1963 hielt er beim Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit vor mehr als 250.000 Menschen vor dem Lincoln Memorial in Washington, D.C., seine dann so genannte berühmte Rede „I have a dream“.

Für sein Engagement wurde Martin Luther King Jr. am 14. Oktober 1964 der Friedensnobelpreis zuerkannt, den er am 11. Dezember 1964 in Oslo entgegennahm. Das US-Nachrichtenmagazin Time ernannte den Bürgerrechtler zum „Mann des Jahres 1963“.

Vier Jahre später, am 4. April 1968, wurde er im Alter von nur 39 Jahren in Memphis ermordet.

„I have a dream that my four little children will one day live in a nation where they will not be judged by the color of their skin but by the content of their character.“ („Ich habe einen Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der sie nicht wegen der Farbe ihrer Haut, sondern nach dem Wesen ihres Charakters beurteilt werden.“), Martin Luther King

Mehr zum Thema Martin Luther King und konstruktiver Widerstand im Sandwirt: 

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