„We call it: iPhone!“
Tagesgericht: 09.01.2007 – heute vor 19 Jahren
Am 9. Januar 2007 stand Steve Jobs auf der Bühne der Macworld Conference & Expo in San Francisco – wie so oft in Jeans, schwarzem Rollkragenpullover und mit einem Lächeln. Als er zum Höhepunkt seiner Keynote kam, sagte er: „Hin und wieder kommt ein revolutionäres Produkt auf den Markt, das alles verändert …“ – dann kündigte er gleich drei solcher revolutionären Produkte an: „Das erste ist ein iPod mit Breitbild-Touch-Steuerung. Das zweite ist ein revolutionäres Mobiltelefon. Und das dritte ist ein bahnbrechendes Gerät für die Internetkommunikation. Also drei Dinge: ein iPod mit Breitbild-Touch-Steuerung, ein revolutionäres Mobiltelefon und ein bahnbrechendes Gerät für die Internetkommunikation.“ Und er wiederholte: „Ein iPod, ein Telefon und ein Internet-Kommunikationsgerät. Ein iPod, ein Telefon … verstehen Sie? Es handelt sich nicht um drei separate Geräte, sondern um ein einziges Gerät! Und wir nennen es iPhone.“

Freiheit, die greifbar ist
Diese Keynote war der Auftakt zu einer Revolution, die die Art und Weise, wie Menschen kommunizieren, arbeiten, lernen und sich selbst ausdrücken, für immer verändern sollte.
Wenn Sie sich diese Präsentation auf YouTube ansehen, können Sie erkennen, so ging es jedenfalls mir, dass es ihm nicht allein um Technik ging, sondern um die Freiheit der Menschen, Technologie intuitiv zu nutzen.
Diese Freiheit, die Jobs verkörperte, war nicht abstrakt, sie war greifbar: Mit einem Fingertipp auf einem glatten Bildschirm konnte man Musik abspielen, telefonieren, surfen oder Nachrichten verschicken – alles an einem Ort, alles sofort verfügbar.
Bis dahin waren Mobiltelefone Werkzeuge, die durch ihre Konstruktion bestimmten, wie die Menschen sie zu benutzen haben. Tastenkombinationen, Menüführungen und kleine Displays schränkten die Interaktion ein, verlangten die Anpassung des Benutzers an die Maschine. Mit dem iPhone kehrte sich dieses Verhältnis um: Der Mensch bestimmte die Nutzung, nicht das Gerät. Für einen Moment war der Benutzer frei, selbst zu entscheiden, was er wann tun wollte. Diese Freiheit war subtil, aber tiefgreifend: Sie wirkte auf jeden, der das Gerät in die Hand nahm, wie eine Erweiterung des eigenen Willens.
Die Einführung des iPhones war nicht nur ein technisches Ereignis, sondern ein kulturelles. Sie veränderte die Wahrnehmung von Technologie in der Gesellschaft. Plötzlich war der persönliche Zugang zu Wissen, Kommunikation und Unterhaltung direkt, schnell, individuell gestaltbar.
Wer das erste iPhone in Händen hielt, erlebte eine neue Art der Selbstbestimmung: Man konnte jederzeit und überall entscheiden, wann man Musik hört, wen man kontaktiert oder welche Informationen man abruft.
Es war ein Symbol für die Verbindung von technischer Innovation und menschlicher Freiheit. Jeder Swipe, jeder Fingertipp auf dem kapazitiven Touchscreen bedeutete, dass der Nutzer selbst die Kontrolle behielt.
Ein neuer Diskurs über Freiheit
Die Freiheit, jederzeit informiert zu sein, eröffnete neue Möglichkeiten des Wissenszugangs und auch der Mobilität.
Gleichzeitig stellte diese neue Dimension von Verfügbarkeit von Informationen, Kommunikation, und natürlich auch Spaß, uns als einzelne Menschen vor neue Herausforderungen: Das iPhone und seine Nachfolger und Nachahmer machten sichtbar, dass Technologie sowohl unsere Freiheit erweitern als auch beschränken kann.
Wer gelernt hat, die Geräte bewusst zu nutzen, gewinnt Kontrolle über Informationsströme, Kommunikation und Kreativität. Wer sich der Technik überlässt, läuft Gefahr, von ihr fremdbestimmt zu werden.
Die Freiheit, die das iPhone und dessen Nachfolger boten, war zugleich eine Verantwortung. Jede App, jede Entscheidung über die Nutzung digitaler Medien konnte Konsequenzen haben. Diese Verantwortung war nicht abstrakt: Sie lag in der täglichen Handhabung, in der Auswahl, welchen Inhalten man Aufmerksamkeit schenkt, welche Kontakte gepflegt und welche Informationen weitergegeben werden.
Das iPhone veränderte den Mobilfunkmarkt radikal. Heute nutzen in Deutschland über 60 Millionen Menschen täglich ein Smartphone. Die Deutschen verbringen im Durchschnitt pro Tag 150 Minuten am Smartphone, jüngere Menschen sogar mehr: über drei Stunden.
Das hat auch den öffentlichen Raum dramatisch verändert: Der öffentliche Raum, in dem die Menschen mit Abstand am meisten Zeit verbringen, ist das Internet. Wie es um die Freiheit in diesem öffentlichen Raum bestellt ist, wirkt sich also grundlegend auf die Freiheit der Menschen insgesamt aus.
Steve Jobs’ Vorstellung des iPhones am 9. Januar 2007 war also mehr als ein Produktlaunch: Sie war eine Befreiung – mit allen Konsequenzen.
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