Die Banalität der Lüge

Der deutsche Staatsfunk hat ein Video ausgestrahlt, das durch „künstliche Intelligenz” generiert wurde – als ob es wahr wäre. Und doch, so meine These, hat (in diesem Fall) beim Staatsfunk niemand gelogen. Lasst mich erklären!

Fake-News im Staatsfunk

Das Heute Journal wollte zeigen, wie schlimm es doch ist, dass Trump die amerikanischen Gesetze durchsetzt. Und man bebilderte dies mit Fake-News. Digitalen Lügen. Horror-Märchen. Mutter, Kinder, brutale ICE-Beamte. Linke Lügenwelt, vom Genossen KI willig in Szene gesetzt.

Inzwischen hat man den extra lügenreichen Heute-Journal-Beitrag zuerst offline genommen und dann umgeschnitten hochgeladen.

Wir hören verschiedene Ansätze zur Erklärung. Der Staatsfunk selbst sagt, die „KI”-Markierung sei im Produktionsprozess unter den digitalen Schneidetisch gefallen. Das klingt mir wie eine reichlich undurchdachte Notlüge.

Dieser Erklärung, wenn sie denn wahr wäre, gibt de facto zu, dass man manipulative Propaganda treibt. Die Staatsfunker wissen, dass dramatische Bilder auch dann emotional wirken, wenn Worte inhaltlich eine Einschränkung suggerieren. (Deshalb werden Warnhinweise auf Zigarettenschachteln in Europa ja mit möglichst ekligen Schockbildern ergänzt.)

Die naheliegendste Vermutung ist aber natürlich, dass die Staatsfunker ganz bewusst ein Fake-Video einsetzten, um das von der Propaganda vorgegebene Anti-Trump-Narrativ zu stärken.

Dagegen spricht, dass das verwendete Video schon einige Monate alt ist und recht deutlich das KI-Logo zeigt. Hätten die Staatsfunker aktiv täuschen wollen, hätten sie selbst ein neues Video generieren lassen oder das KI-Logo entfernt.

In dieselbe Richtung irren

Ich fürchte, die Erklärung ist weit banaler. Und ich habe sie bereits 2017 vorgelegt, im Essay Darf man über »Lügen« reden?.

Ich lese deutsche Mainstream-Redaktionen als „lügende Systeme”.

Die These: Mainstream-Redaktionen und regierungsfinanzierte NGOs stellen Leute ein, die nicht zwingend „lügen”, aber alle „in dieselbe Richtung irren”.

Aus Privatgesprächen wissen wir natürlich, dass mancher „Journalist” durchaus weiß, dass er die Unwahrheit sagt. Das Motto ist aber: Lieber reicher Lügner als armer Arbeitsloser. Journalisten können ja nichts anderes!

Ich will, wenn ich schon nichts Gutes über Menschen sagen kann, so wenig Schlechtes annehmen, wie es die Logik zulässt. Deshalb operiere ich mit der Annahme, dass nicht jeder einzelne Journalist lügt – aber alle in einer Redaktion zuverlässig „in die gleiche Richtung irren” (und wer solche Irrtümer anzweifelt, arbeitet sehr bald nicht mehr für diese Redaktion).

In der betreffenden Sendung wird ja explizit das Thema KI-generierte Fake-Videos thematisiert. Und dann spielt man selbst eines ab!

Ich vermute, dass eine ehrliche und wahrheitsgemäße Erklärung so lauten könnte: „In dieser Sendung ging es auch explizit um Fake-Videos. Wir hatten einige Beispiele dafür zusammengesucht. Weil aber bei uns furchtbares Chaos herrscht und eine Hand nicht weiß, was die andere lügt, gerieten die Videos durcheinander.”

Die Banalität der Lüge

Die „banale” Erklärung aber, wenn man darüber nachdenkt, ist noch weit schlimmer als böse Absicht!

Im deutschen Staatsfunk arbeiten Menschen, für die Wahrheit und Unwahrheit keine instinktiven Kategorien sind.

Hannah Arendt sprach von der „Banalität des Bösen”. Wir sollten auch von der „Banalität der Lüge” reden.

Menschen, die kein Mitgefühl oder Schuldgefühl empfinden, nennen wir Psychopathen, und es gibt durchaus Jobs, in denen solche Mitarbeiter ihren durch ihr Gewissen „behinderten” Kollegen überlegen sind.

Ich weiß nicht, wie wir Menschen nennen, die keinerlei Schmerz beim Verkünden der Unwahrheit empfinden, weil Wahrheit sich für sie nicht anfühlt, so wie Farben sich für einen Farbenblinden nicht anfühlen. Wir könnten sie die „Wahrheitsblinden” nennen. Wir alle wissen, in welchen Jobs innerhalb „Unserer Demokratie” die Wahrheitsblinden geradezu strahlen.

Rebellion durch Wahrheit

Der Grund, warum Regierung und Propaganda aktiv die Bedeutung von Wörtern und das Konzept der Wahrheit aushöhlen, ähnelt frappierend dem Grund, warum Gott die Sprache der Menschen verwirrte, als sie zu Babel einen Turm zum Himmel bauten (1. Mose 11:1-9). Die Begriffe der Bürger zu verwirren und Wahrheit als Konzept abzuräumen, lässt das Volk und seine Bürger noch wehrloser dastehen.

Und so ist es heute geradezu ein aufständischer Akt (und kann dir, wenn du es öffentlich und unvorsichtig tust, eine Hausdurchsuchung als Strafe-ohne-Anklage einbringen), wenn du tust, was der Heilige Paulus den Ephesern empfiehlt:

Darum leget die Lüge ab und »redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten« – Epheser 4:25a

Eine relevante Wahrheit sagen, und sei es nur sich selbst, das sei dein täglicher Akt der heimlichen Rebellion!

Der Beitrag erschien im Original auf dem Blog von Dushan Wegner: hier.

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