Martyrium Bahnfahren in Deutschland
Das Wort Martyrium stammt aus dem Katholizismus und bedeutete ursprünglich Blutzeugnis, also wie man beispielsweise durch Selbstkasteiung den christlichen Glauben beweist. Im 19. Jahrhundert wurde das Wort dem Kirchenlatein schließlich entlehnt. Es bezeichnet bis heute ein schweres und langandauerndes Leiden, landläufig auch Tortur genannt.
Wo wir schnurstracks bei einer durchschnittlichen Regionalbahnfahrt der deutschen Eisenbahn angelangt sind. Ihnen wird nicht entgangen sein: Ich fahre ja so gerne Zug. Und obwohl dieser Satz wie ein Mantra über mir schwebt, stimmt er. Am liebsten fahre ich übrigens in Tschechien Zug. Die Bahn ist pünktlich, die Züge häufig aus den späten 80ern, wo das beschiente Reisen noch ein Erlebnis war, aber gut in Schuss.
Davon ist man in Deutschland heute weit entfernt. Wenn Sie an einem Sonntag von Frankfurt nach Würzburg per Regionalexpress fahren möchten, empfehle ich Ihnen den Flixbus. Ein ganzes Weingut voller Trauben von Menschen wartet 45 Minuten vor Einfahrt des Zuges auf selbigen, bis dann zwei Minuten vor Ankunft die Durchsage ertönt, die Bahn fährt nicht in Gleis 9 ein, sondern in Gleis 6. Was dann folgt, ist eine geisteskranke Hatz, die an einen Bankrun erinnert, als würde ein ganzes Volk um sein Leben rennen. Der grüne Bus dagegen fährt 500 Meter entfernt ab, ist schneller und bequemer. Ein Tipp von dem, der so gerne Zug fährt.

Broken-Window-Effekt
Was zwar leidig ist und nervig, ist dennoch nicht zu vergleichen mit dem, was in deutschen Zügen leider sonst noch passiert: Die Gewalt in deutschen Zügen und auf Bahnhöfen explodiert geradezu. Im Jahr 2025 verzeichnete die Bundespolizei über 5.600 Gewaltdelikte – von brutalen Körperverletzungen bis hin zu Messerangriffen und sexuellen Übergriffen. Allein mehr als 980 Messerattacken und über 2.200 Sexualdelikte zeigen, dass es hier nicht mehr um Kleinigkeiten geht. Besonders das Bahnpersonal leidet darunter: Über 3.000 Angriffe pro Jahr, das sind acht pro Tag! In Hotspots wie Leipzig mit 859 Delikten oder Dortmund mit 735 häufen sich die Fälle gegen Zugbegleiter und Sicherheitskräfte. Sogar Bundespolizisten werden attackiert, und ein tödlicher Vorfall in Rheinland-Pfalz hat die ganze Debatte erst ausgelöst.
Die Bahn verspricht nun Sofortprogramme mit mehr Kameras, Bodycams (warum gibt es eigentlich keine Bodycams für Polizisten, um Polizeigewalt zu bekämpfen?) und Sicherheitskräften an 25 Stationen, während Gewerkschaften mehr Personal fordern. Der Verkehrsminister ruft nach Sauberkeit und Sicherheit. Aber ehrlich: Diese Zahlen sind nur die Spitze des Eisbergs, wenn man die wahren Ursachen ignoriert.
Die Gründe für solche Auswüchse sind vielfältig. Zum einen evoziert die katastrophale Situation in den deutschen Zügen Frust. Dies soll keine Gewalt entschuldigen oder relativieren, dient aber als Erklärung. Der Broken-Window-Effekt beschreibt genau dieses Phänomen: Wenn kleine Zeichen von Verwahrlosung wie Müllberge, kaputte Sitze oder defekte Toiletten ignoriert werden, signalisiert das, dass niemand die Kontrolle hat. Schnell folgen mehr Vandalismus und Respektlosigkeit, bis hin zu echten Straftaten. In unseren vermüllten und ständig verspäteten Regionalzügen mit Millionen von Deutschlandticket-Nutzern, wie ich einer bin, eskaliert der Frust so zu Gewalt – ein lupenreiner Teufelskreis.
Zeichen eines zu Tode saturierten Volks
Und auch, so viel Ehrlichkeit muss sein, spielt eine massenhafte Migration aus kulturfremden Regionen, in der Gewalt einen ganz anderen Stellenwert hat, eine große Rolle. In islamisch geprägten Kulturen wird Gewalt oft als legitimes Mittel zur Durchsetzung von Ehre oder zur Verteidigung des Glaubens betrachtet, wie es in Teilen des Korans und der Traditionen verankert ist. Das führt bei vielen Migranten aus diesen Gebieten zu einer höheren Bereitschaft, Konflikte mit Fäusten oder Messern zu lösen statt mit Worten – ein kultureller Clash, der unsere Bahnen unsicher macht.
Das deutsche Land täte gut daran, auch im Hinblick auf Freiheit durch Mobilität, das große Problem mit der deutschen Bahn zu lösen. Ein Blick ins Ausland, ob Tschechien, Polen, Österreich oder Frankreich, allesamt übrigens Staatsbahnen, könnte helfen. Egal, wo ich in den letzten Monaten war, überall war die Eisenbahn pünktlicher, sauberer und komfortabler. Dort ist Zugfahren eben kein Martyrium für potentielle Märtyrer, sondern es füllt den Satz „Du fährst ja so gerne Zug“ mit lebendiger Wahrheit. Etwas, was dieses Deutschland, das nicht zuletzt durch sein zu Tode saturiertes und selbstzufriedenes Volk längst verlernt zu haben scheint.



1 Kommentar. Leave new
Wenn Menschen aus parallelen Gesellschaften aufeinander treffen, ist keine Rücksichtnahme zu erwarten. Soziale Kontrolle der Bösen findet nicht mehr statt.
Das müssen Verantwortliche wie Merkel doch vor ihren Entscheidungen gewusst haben.