Na Servus! – Das war der Februar 26
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Die Olympischen Spiele in den italienischen Alpen sind im Februar eine willkommene Ablenkung. Auf Kufen in der Eisbahn, wenn die Schwerkraft sie hinabzieht, sind deutsche Sportler Weltklasse. Der Rest ist Pech: Einfädeln beim ersten Slalomtor, Stürze im Tiefschnee, Zittern beim letzten Biathlonschuss. Es ist wohl so: In manchen Sportarten ist der Anschluss an die Weltspitze abgerissen.
Jetzt wird diskutiert, ob mehr Geld Medaillen garantieren könnte. Solange die Schulen Sport vernachlässigen, nützt aber auch Geld nichts. Nicht, solange Wettbewerb als ungerecht abgelehnt wird, weil er die Gefühle der Schwächeren verletzen könnte. Die Gesellschaft schätzt Leistung gering – da liegt der Hase im Pfeffer! Und das spiegelt eben auch der Leistungssport: ein Opfer allgemeiner Dekadenz.
Ziemlich dekadent kommt einem vor, wie sich Deutschland vom Winter überraschen und überfordern lässt. Der Klimakatastrophenmodus sieht Winter gar nicht mehr vor! Aus Rücksicht aufs Klima verbietet ein Gericht dem Berliner Bürgermeister die Erlaubnis, ausnahmsweise Salz auf die vereisten Gehsteige zu streuen … Sollen die Leute sich doch die Knochen brechen!
Die grünen Weltverbesserer haben den Rechtsstaat gekapert, nicht bloß in Berlin. Inzwischen hat sich die Politik mit selbstgemachten Gesetzen gefesselt. Gesetze verhindern die Wende der verheerenden Energiepolitik. Klimaschutz zählt mehr als Demokratie. Vor dem Gesetz sind nicht mehr alle gleich: Bäume zählen mehr als Bürger.

In Großbritannien ist nicht das Volk souverän, sondern der König. Weil aber die Monarchie wankt, fällt ihm ein, dass vor dem Gesetz doch alle gleich sind: Der Bruder des Königs wird festgenommen. Die Epstein-Files zählen zu den unvergesslichen Vergnügungen dieses Monats: sechs Millionen Dokumente, fast die Hälfte sind für jedermann im Netz zugänglich.
Es geht nicht bloß um organisierten Missbrauch halbwüchsiger Mädchen durch Mächtige und Reiche, die glauben, sie könnten sich straflos alles nehmen. Nein, die tiefere Frage lautet doch: Wozu Epsteins gigantisches Netzwerk? Wäre das alles ohne Sexualität nur halb so schlimm und aufregend? Wirklich? Wessen Marionette war Epstein eigentlich? High Noon für Verschwörungstheoretiker!
Es wird heute viel über den Verfall der Demokratie geredet. Wer regiert die größte Demokratie wirklich? Ist es ein Präsident, der sich aufführt, als sei er der König der Welt? Oder sind es die Milliardäre hinter ihm? Wissen die kleinen Bürger im Mittleren Westen, die Donald Trump gewählt haben, wessen Geschäftsinteressen er eigentlich vertritt?
Das Internet hat den demokratischen Staat überall auf der Welt verändert, daran gibt es keinen Zweifel. Aber das Internet ist in der Hand weniger Unternehmer. Und ein einzelner Mensch wie Elon Musk kann mit seinen Satelliten heute über den Ausgang von Kriegen mitentscheiden.
Zurück zum Thema Rechtsstaat: Der Oberste Gerichtshof der USA hat Trumps Zollpolitik verworfen und damit zumindest gebremst. Dessen Bäume wachsen nicht mehr in den Himmel. Die Europäer beginnen allmählich aufzuwachen. Die Sicherheitskonferenz in München wird nicht etwa ganz davon bestimmt, dass Putins Krieg gegen die Ukraine schon vier Jahre lang währt, fast so lange wie der Erste Weltkrieg. Und weit davon entfernt ist, beendet zu werden.
In München aber sind die Strategen stattdessen ganz auf die Erkenntnis fixiert, dass der alte Westen nicht mehr existiert. Da mag US-Außenminister Rubio Standing Ovations dafür ernten, dass er in geschmeidigem Ton Trumps Kurs erklärt und an ihm festhält. Er lautet mit einem Satz: Ich kenne keine Freunde, ich kenne nur Macht und Geld.
In einem belgischen Wasserschloss trafen sich die Staats- und Regierungschefs der 25 EU-Staaten. Beschlüsse wurden nicht gefasst. Kanzler Merz und Frankreichs Präsident Macron wollen Europas Wirtschaft auf Kurs bringen, aber schaffen es nicht einmal, ihren eigenen Ländern Schwung zu geben. Einen Politwechsel haben beide versprochen, aber sie reden nur und sind sich nicht einmal einig, etwa in Fragen der Überschuldung, auch gemeinsame Rüstungsprojekte scheitern. Die neue Weltordnung wird von Großmächten bestimmt. Die Europäer gehören nicht dazu.
„Ich freue mich, dass Emmanuel Macron und ich wie fast immer einig sind über diese Fragen”, sagte Merz. Macron präzisierte es. Man denke gemeinsam nach. Immerhin.
Gemeinsam handeln wäre besser.
Na servus!
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