Der Tag der Waschmaschine

Tagesgericht: Heute vor 259 Jahren geht der „da Vinci von Querfurt“ an die Öffentlichkeit

Er war Botaniker, beschäftigte sich als Mykologe mit Pilzen, schrieb ein dreibändiges Buch über Insekten, daneben war er Vogelkundler, Pastor, lehrte protestantische Theologie, war eine Führungskraft in der evangelischen Kirche und betätigte sich als Erfinder. Manche Lebensläufe und Persönlichkeiten lassen mich schon staunen. Wie finden diese Menschen nur die Zeit? Jakob Christian Schäffer, geboren am 31. Mai 1718 in Querfurt, gestorben am 5. Januar 1790, war so ein Mensch.

Bis vor kurzem war er mir unbekannt. Aber dann las ich über den Vorschlag, den 23. Februar als „Tag der Waschmaschine“ zu begehen. Und zwar deswegen, weil Jakob Christian Schäffer wegen der am 23. Februar 1767 veröffentlichten Schrift „Die bequeme und höchstvortheilhafte Waschmaschine“ als einer der Urväter der Waschmaschine gilt, manchmal pathetisch „Da Vinci von Querfurt“ genannt.

Und da ich vermute, dass ich mit meiner vormaligen Unwissenheit über diesen Erfindergeist aus der Geschichte der Waschmaschine nicht allein bin, habe ich mich auf die Suche nach weiteren „Hidden Champions deutschen Erfindergeistes“ gemacht, die auch unseren Alltag leichter machen oder bereichern. Ein subjektiver historischer Rückblick als Lichtblick …

Die Dauerwellen-Apparatur

Ok, auch wenn ich meinen Haaren schon eine gewisse Pflege und Aufmerksamkeit angedeihen lasse, damit sie so liegen, wie sie liegen sollen: Eine Dauerwelle hatte ich bisher noch nie. Noch nie hatte ich aber auch von Karl Ludwig Nessler gehört, der als Erfinder der Dauerwellen-Apparatur in die Geschichte einging.

Karl Ludwig Nessler, geboren am 2. Mai 1872, gestorben am 22. Januar 1951, war ein deutscher Friseur, der über die Stationen Basel, Mailand, Genf und Paris nach London kam und sich dort etablierte.

Die Idee für die Dauerwelle kam Nessler angeblich bereits in seiner Jugend. Berichtet wird, dass er als Kind hin und wieder als Schafhirte arbeitete und ihm dabei auffiel, dass Schafhaare im Gegensatz zum menschlichen Haar dauerhaft gelockt waren. Diese Beobachtung sollte sein Leben prägen.

Am 8. Oktober 1906 stellte Nessler in London seine Dauerwellen-Apparatur vor: ein großes, schweres Gerät, an Drähten hingen Metallstäbe, die elektrisch erhitzt wurden. Das Haar wurde um diese Stäbe gewickelt, mit einer alkalischen Lösung behandelt und dann über Stunden erhitzt. Der Vorgang war mühsam, gefährlich und dauerte oft mehrere Stunden – Verbrennungen waren keine Seltenheit. Trotz der Schwierigkeiten war Nesslers Erfindung ein Durchbruch.

Die beheizbare Heckscheibe

Wer im Winter bei eisigen Temperaturen ins Auto steigt und die Heckscheibenheizung einschaltet, denkt vermutlich nicht an Heinz Kunart. Geboren am 25. März 1927, verstarb Kunart am 6. April 2012, nachdem er als Experte für Verkehrssicherheit mehr als 50 Patente, Entwicklungen und Produktverbesserungen in den Bereichen Fahrzeugverglasung sowie Verletzungsschutz hinterlassen hatte.

Der Strandkorb

Wer kennt sie nicht, die gemütlichen Strandsitze an Nord- und Ostsee, die zum Symbol deutscher Badekultur geworden sind? Doch nur wenige wissen, wem wir diese Erfindung zu verdanken haben. Ludolph Wilhelm Eduard Bartelmann, geboren am 7. Oktober 1845, gestorben am 25. Juli 1930, war ein deutscher Korbmacher und gilt als Erfinder des Strandkorbs.

Die Geburtsstunde des Strandkorbs schlug 1882, als die an Rheuma leidende Elfriede Maltzahn aus Rostock in seiner Werkstatt nach einer „Sitzgelegenheit für den Strand als Schutz vor Sonne und Wind“ verlangte. Wilhelm Bartelmann ließ sich davon zur Fertigung eines „Strand-Stuhls“ inspirieren, gefertigt aus Weiden und Rohr. Was als Einzelanfertigung für eine Kundin begann, sollte zu einem Kulturgut werden.

Der süße Heinrich

Wenn Sie Ihren Kaffee oder Tee mit Zucker trinken, werden Sie sicherlich schon einmal in einem Café einen „süßen Heinrich“ benutzt haben. Doch wer denkt beim Griff zum Zuckerstreuer schon an Heinrich Wilhelm Kurz?

Die unter dem Handelsnamen „Süßer Heinrich“ vertriebene Erfindung sorgt dafür, dass am Tisch einfach und sauber portionsgerecht eine feste Menge Zucker entnommen werden kann.

Der erste patentierte Zuckerstreuer wurde nach seinem Erfinder Heinrich Wilhelm Kurz, geboren 1862, gestorben 1934, benannt – und zwar von dessen Enkel Johann Karl Theodor Jacob, der die von seinem Opa in einem Notizbuch festgehaltene Idee 20 Jahre nach dessen Tod am 15. November 1953 zum Patent anmeldete. Eine schöne Geste der Erinnerung, die zugleich eine praktische Erfindung zum Leben erweckte.

Der Eier-Schneider

Auch beim Frühstück begegnet uns deutscher Erfindergeist – selbst wenn wir ihn kaum noch wahrnehmen. Im Jahre 1912 patentierte Willy Abel einen Eierschneider und ließ das Modell in den im gleichen Jahr gegründeten Harras-Werken in Lichtenberg bei Berlin herstellen.

Willy Abel, geboren am 23. September 1875, gestorben am 22. September 1951, war ein deutscher Konstrukteur und Erfinder mit einem Gespür für praktische Alltagslösungen. Bekannt wurden er und sein Unternehmen, die Harras-Werke, durch den Verkauf der von Abel entwickelten Brotschneidemaschine, des Eierschneiders und weiterer Küchenhelfer.

Der Labello, Tesa und Nivea

Und noch ein Name, der mir unbekannt war, obwohl ich ein eifriger Nutzer von ihm erfundener und bekannt gemachter Produkte bin.

Oscar Troplowitz, geboren am 18. Januar 1863, gestorben am 27. April 1918, war ein deutscher Apotheker, Unternehmer und Kunstmäzen. Er entwickelte den medizinischen Klebeverband, für den er den Begriff Leukoplast kreierte. Troplowitz erfand den Tesa-Film und den Lippenpflegestift Labello. Ende 1911 brachte Troplowitz die erste Fett- und Feuchtigkeitscreme der Welt auf den Markt, die Nivea-Creme.

Eine Innovation, die wie viele andere Ideen und Erfindungen aus deutschen Landen das Leben der Menschen bereicherte. Und ich bin mir sicher: Wir dürfen gespannt sein, welche Innovationen in Zukunft aus unserer Nachbarschaft kommen. Damit möchte ich meine heutige historische Reflexion beenden, während ich mich nach so vielen Zeichen mit ein paar Goldbären von Haribo belohne. Denn im Keller wartet noch ein Regal für Waschmittel und Weichspüler darauf, mit Fischer-Dübeln an die Wand gebracht zu werden.

Mehr zu Erfindungen im Sandwirt: 

„KI: Wie man scharfe Schwerter verwendet“ von Wilfried Hahn

Beitrag teilen …

Der nächste Gang …

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Fill out this field
Fill out this field
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
You need to agree with the terms to proceed

Autoren