Die Wärme des Kollektivismus

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Als zu Anfang des Jahres der neue Bürgermeister von New York, Zohran Mamdani, der sich selbst als Anti-Trump versteht, in sein Amt eingeführt wurde, konnte man Zeuge eines erstaunlichen Spektakels werden. Seinen Amtseid schwor er in einer stillgelegten U-Bahnstation, und zwar nicht auf die Bibel, sondern auf den Koran. Er zeigte bei dieser Gelegenheit auch einen Gruß, der Elon Musk gerade noch unter weltweitem Getöse als Hitler-Gruß ausgelegt worden war, bei Mamdani aber von den Mainstream-Medien entweder ignoriert oder wohlgefällig aufgenommen wurde. Überdies dekretierte der neue Bürgermeister der wichtigsten Stadt der westlichen Welt, Hass auf Israel sei kein Antisemitismus.

All das erinnert sehr stark an die Figur des smart auftretenden Islamisten, der in Michel Houellebecqs Roman „Unterwerfung“ in Frankreich die Macht übernimmt. Aber die eigentliche Sensation dieses Auftritts von Mamdani besteht in der Ankündigung, er werde die Kälte des rauen Individualismus durch die „Wärme des Kollektivismus“ ersetzen.

„Wärme des Kollektivismus“ klingt schon bedrohlich genug. Aber noch sehr viel interessanter ist, was Mamdani damit bekämpfen will. Im englischen Original ist von „rugged individualism“ die Rede. Dieser Begriff ist jedem halbwegs gebildeten Amerikaner gut vertraut. Geprägt hat ihn schon vor hundert Jahren der 31. Präsident der Vereinigten Staaten: Herbert Hoover. Gemeint ist eine Lebensphilosophie, die auf Selbstvertrauen, individuelle Freiheit, Verantwortungsbewusstsein, harte Arbeit und minimale Eingriffe des Staates in die Lebensführung der Bürger setzt.

Hoover hat damit die beste Definition des spezifisch amerikanischen Geistes geboten – und zwar durchaus polemisch gegen den Paternalismus der Europäer. Man könnte diese Lebensphilosophie auch als harten, erwachsenen Liberalismus bezeichnen. Und genau dagegen wendet sich in einer Art Frontalangriff die Politik eines Mannes, der zur Ikone des neuen, aus Linksextremismus und Islamismus gemischten Zeitgeistes werden könnte. Mamdani ist also nicht nur der Anti-Trump. Er steht gegen alles, was Amerika groß gemacht hat.

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