Die Basis kollektivistischer Macht

Die Gefahren eines zentralisierten Geldmonopols scheinen die Gründerväter der USA erkannt zu haben. Ihr Ideal entspricht jedoch überhaupt nicht der Lebensrealität heutiger Tage. Die Macht war nicht zentralisiert, sondern non-zentralistisch organisiert. Im Kontext des Geldes prägte Thomas Jefferson die folgenden Ausführungen: 

„Sollte das amerikanische Volk es Banken jemals erlauben, die Ausgabe ihrer Währung zu kontrollieren, erst durch Inflation, dann Deflation, werden die um sich herum anwachsenden Banken und Konzerne die Menschen all ihres Eigentums berauben, bis ihre Kinder auf dem Kontinent, den ihre Väter besetzten, obdachlos aufwachen werden. 

Die Macht zur Geldausgabe sollte den Banken entrissen und dem Kongress sowie dem Volk zurückgegeben werden, wo sie hingehört. 

Ich bin aufrichtig davon überzeugt, dass Banken gefährlicher für die Freiheit sind als stehende Armeen.“ 

Thomas Jefferson sah ganz offensichtlich die Gefahr, dass eine Elite durch Schaffung eines Geldmonopols unglaubliche Werte und Macht anhäufen könnte. Diese Akkumulation würde sich gegen die Bevölkerung richten und sie verarmen lassen. 

Im Jahr 1913 wurde das Geldmonopol in der Realität umgesetzt. Dabei war nicht die Gründung der FED (Federal Reserve Bank oder Federal Reserve System) der Akt zur Erlangung der Geldmacht. Erst der Kongress legitimierte die FED durch den sogenannten Federal Reserve Act. Bevor wir uns einer Essenz zur FED-Gründung widmen, möchte ich recht kurz auf die Ursprünge der heutigen Zentralbanken eingehen.

Machtzentralisierung 

Mit der Lizenz zur Geldproduktion (zum Gelddrucken) verfügt man auch über die Lizenz, Vermögenswerte und andere Güter anzusammeln. Die Kreditvergabe stellte dabei den Ausgangspunkt der heutigen Emission von Geld dar. Eine vorangegangene und durch Konsumverzicht (Sparen) erwirkte Spartätigkeit ist heutzutage nicht mehr erforderlich. Die Hintergründe dazu wurden bereits thematisiert. 

Aus der Zentralisierung des Geldes ist auch die Machtzentralisierung erwachsen. Genauer gesagt, scheint die monetäre Zentralisation der Zentralisierung der Macht voranzugehen. Der Euro wäre als Beispiel anzuführen. Die Abschaffung des Bimetallismus in Deutschland zur Gründung des Deutschen Reiches lässt sich ebenfalls ins Feld führen. Alle diese Entwicklungen wurden nicht durch das Handeln der Menschen (Marktprozess) herbeigeführt, sondern per Gesetz oder Diktat erzwungen. Durchgesetzt werden sämtliche Entscheidungen auch unter Gewaltandrohung und in letzter Konsequenz auch unter Gewaltanwendung. 

Blickt man auf die Historie der Zentralbanken, so stellt man fest, dass sie erst zu Beginn des 17. Jahrhunderts das Licht der Welt erblickten. Den Anfang der „modernen“ Zentral- oder Zettelbanken machte die Amsterdamer Wechselbank. Sie war als Finanzplatz der erste Markplatz im Effektenhandelsbereich. So wurde sie auch Schauplatz des ersten internationalen Börsenkraches im Jahre 1637. 

Die Amsterdamer Wechselbank verfügte in ihrer Hochzeit über eine hervorragende Reputation. Diesem Ruf konnte sie allerdings nicht in vollem Umfang gerecht werden. Blankokredite an die Niederländische Ostindien-Kompanie lösten einen Skandal aus. Dieser war der Anfang vom Ende der Amsterdamer Wechselbank, die dann schließlich 1820 ihre Geschäftstätigkeit aufgeben musste. Dieser Zeitpunkt markiert auch in etwa das Ende der Niederlande als global dominierendes Finanzzentrum. 

Im Jahre 1800 wurde in Frankreich die Zentralbank gegründet und in Deutschland erst 1875 nach der Reichsgründung. Bis dahin war das kleinteilige Deutschland auch im Geldwesen noch non-zentralistisch aufgestellt. Zudem wurden Gold und Silber parallel als Geld verwendet. Wie das Beispiel der Amsterdamer Wechselbank schon zeigt, stellt eine Zentralbank stets ein Klumpenrisiko dar. Eine breit diversifizierte und konkurrenzwirtschaftlich organisierte Geldordnung verteilt die Risiken auf viele einzelne Geldanbieter.

Umverteilung 

In heutigen Zeiten erleben wir eine vollständige Pervertierung dieser Entwicklungen. Die Zentralbanken sind außerdem sehr eng (für jeden interessierten Menschen leicht zu recherchieren) verwoben mit der Finanzindustrie. Sie nehmen durch die aus Staatsverschuldung resultierende Schuld-Guthaben-Beziehung und die Schaffung sogenannter systemrelevanter Finanzhäuser die Menschen gesamter Länder und Länderzusammenschlüsse in Geiselhaft. Den Zentralbanken ist es im Rahmen der Politik des Herauskaufens gelungen, die Fehlinvestitionen aus der Finanz- und Eurokrise der Allgemeinheit aufzulasten, um auf diese Weise gewaltige Umverteilungsprozesse anzustoßen. Die Kollektivierung dieser Verluste ging nachweislich zu Lasten der breiten Masse. Je größer und mächtiger die Zentralbanken sind, desto deutlicher werden die Normalbürger monetär unterworfen.

Die Zentralisierung des Kredits war ursprünglich eine Forderung von Karl Marx (1818–1883). Diese Aussage trifft auch auf die Forderung einer Progressivsteuer zu. Marx war sich der Bedeutung des Geldwesens sehr bewusst. Im „Manifest der Kommunistischen Partei“ aus dem Jahr 1848 nennt Marx „Maßregeln“ – despotische Eingriffe in die Eigentumsrechte –, die für die gesellschaftliche Umwälzung, die zum Kommunismus führen soll, notwendig sind. 

Maßregel 5 ist die „Zentralisation des Kredits in den Händen des Staats durch eine Nationalbank mit Staatskapital und ausschließlichem Monopol.“ Eine überaus hellsichtige Forderung. Man darf nicht vergessen, dass zu Lebzeiten von Karl Marx die Edelmetalle als Geld fungierten.

Gold und Silber lassen sich bekanntlich nicht beliebig vermehren. Mit ihnen ist es daher nicht ganz so einfach, die Kreditmenge nach politischer Willkür zu beeinflussen. Marx scheint aber wohl schon geahnt zu haben, was alles möglich ist, wenn der Staat über Sonderinteressengruppen in die Lage  versetzt wird, Geld per Kredit zu schaffen, sofern er erst einmal das Monopol über die Geldproduktion an sich gerissen hat. 

Insofern ist es allzu offensichtlich, dass kollektivistische Denkrichtungen ein zentrales Geldwesen als notwendige Bedingung für die Machterlangung erkannt haben. 

Diese Erlangung der Macht kann schlagartig durch eine Revolution durchgeführt werden. Die gewaltsame Machtergreifung von Lenin und seinen Genossen in Russland ist als Beispiel in die Geschichte eingegangen.

Allerdings kann eine derartige Machtergreifung auch schleichend auf Samtpfoten und unterteilt in viele Einzelschritte daherkommen. In jedem Fall wird die Macht durch die zentrale Geldkontrolle kollektiviert.

Benjamin Mudlack - Neues Geld für eine freie Welt

Dieser Beitrag stammt aus dem Buch „Neues Geld für eine freie Welt. Warum das Geldsystem kein Herrschaftsinstrument sein darf” von Benjamin Mudlack, das in der Edition Sandwirt erschienen ist und das Sie überall im Buchhandel und hier im Shop des Sandwirts kaufen können.

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