„Hier stehe ich und kann nicht anders!“

Tagesgericht: Heute vor 480 Jahren verstarb der Reformator Martin Luther 

Martin Luther ging als geistiger Vater der Reformation in die Geschichte ein. Seine auf der Wartburg angefertigte „Lutherbibel“ zählt bis heute zu den wichtigsten Bibelübersetzungen, von der bis heute, so eine Schätzung, über 100 Millionen Exemplare gedruckt wurden. 

In einer Zeit, in der der Klerus, und damit das Latein als Sprache der Kirche, das Sagen hatte, war diese Übersetzung ins Deutsche ein Fanal für die Freiheit: Die Verbreitung der Lutherbibel förderte Lesen, Schreiben und Bildung in der Bevölkerung. 

Durch die Übersetzung in deutsche Alltagssprache machte Luther die Bibel für breite Bevölkerungsschichten zugänglich. Damit wurde das Monopol der Lateinschule und der Kirche auf Wissen gebrochen und eine geistige Befähigung zur eigenen Meinungsbildung gefördert. 

Die Beziehung der Menschen zu Gott wurden aus den Händen der allumfassenden Kirche und der vom Papst gekrönten Priesterschaft befreit und war nun Sache der Selbstverantwortung jedes Menschen. 

(Wobei ich die protestantische Unmittelbarkeit Gott gegenüber immer ein wenig zu rigoros fand und mehr als einmal dachte, dass Rituale wie die katholische Beichte oder die Letzte Ölung durch einen Priester etwas Befreiendes haben.)

Luther selbst trat heute vor 480 Jahren vor seinen Schöpfer, er verstarb am 18. Februar 1546.

Vom Gewitter überrascht

Am 10. November 1483 wurde Martin Luther in Eisleben geboren. Sein Geburtshaus wurde 1689 durch einen Brand zerstört. Die Stadt ließ das Gebäude restaurieren und richtete 1693 eine Gedenkstätte für Luther ein. Die Adresse des Haues ist heute „Lutherstraße 5“.

Martin Luthers Weg zum Reformator begann am 2. Juli 1505, als er von einem schweren Gewitter überrascht und fast von einem Blitz erschlagen wurde. Im Falle seiner Rettung gelobte er, Mönch zu werden. Gesagt, getan, Luther trat am 17. Juli 1505 in den Augustinerorden ein.

Am 31. Oktober 1517 nagelte Luther der Legende nach seine berühmten 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg – dieser Tag gilt als Beginn der Reformation in Deutschland und ist als Reformationstag in evangelisch geprägten Bundesländern ein gesetzlicher Feiertag.

„Hier stehe ich …“

1521 wurde Luther von Kaiser Karl V. zum Reichstag nach Worms eingeladen, um seine Thesen zu widerrufen. Luther selbst ging davon aus, dass er sie würde verteidigen können. Er traf im April in Worms ein. 

Rund hundert Jahre zuvor war der böhmische Reformator Jan Hus einer ähnlichen Einladung gefolgt, und war – ihm war freies Geleit versprochen worden – zum Konzil von Konstanz gereist. Auch er war davon ausgegangen, dass er gegenüber weltlicher und kirchlicher Macht seine Gedanken würde verteidigen können. Stattdessen wurde er als Ketzer verhaftet und vor den Toren von Konstanz verbrannt.

Luther erging es besser. Er durfte vor dem Kaiser sprechen. Dabei fiel sein berühmter Satz: „Hier stehe ich und kann nicht anders“, mit dem er sich weigerte, seine Thesen zu widerrufen. Karl V. erklärte Luther für vogelfrei – also für rechtlos und geächtet: Jeder durfte ihn festnehmen oder töten.

Unter dem Decknamen „Junker Jörg“ fand Luther dann auf der Wartburg bei Eisenach einen Zufluchtsort und lebte dort 1521 bis 1522. Dort übersetzte er die Bibel ins Deutsche. Dabei fühlte sich Luther, der Legende nach, vom Teufel belästigt, der etwas gegen diese Übersetzung hatte und Luther in seiner Kammer besuchte, woraufhin dieser sein Tintenfass nahm und nach der Teufelsfratze warf. 

Eine neue Kirche

Nach seiner Rückkehr aus der Wartburg blieb Luther bis zu seinem Tod eine prägende, aber auch umstrittene Figur. Die Reformation, die die „Erneuerung“ im Namen trägt, spaltete die westliche Christenheit in verschiedene Konfessionen und Kirchen.

In seinen Schriften betonte er die innere Freiheit des Glaubens, grenzte diese jedoch deutlich von politischer Auflehnung ab, was sich in seiner scharfen Ablehnung der Bauernaufstände zeigte. So verdammte er die Aufstände als Werk des Teufels und forderte die Fürsten dazu auf, die Bauern niederzuschlagen. („Drum soll hie zuschmeißen, würgen, und stechen, heimlich und öffentlich, wer da kann, denn ein aufrührerischer Mensch, gleich als wenn man einen tollen Hund totschlagen muß, schlägst du nicht, so schlägt er dich und ein ganzes Land mit dir“, aus der Schrift „Wider die mörderischen und räuberischen Rotten der Bauern“).

Martin Luther wirkte als Prediger, Lehrer und Organisator der neuen Kirche, bis er am 18. Februar 1546, heute vor 480 Jahren, auf einer Reise an seinen Geburtsort Eisleben starb – streitbar bis zuletzt, aber getragen von der Überzeugung eines freien Gewissens vor Gott.

Mehr zu Martin Luther im Sandwirt: 

„Dreiständelehre: Ordnung und Freiheit“ von Andreas Schnebel

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