Sandkörner #22
Da haben sich also tatsächlich sogenannte Aktivisten in Erfurt in das Gleisbett einer Straßenbahn betoniert, die ohnehin nicht gefahren wäre, um Delegierte eines Parteitags davon abzuhalten, einen Tagungsort zu erreichen, an dem diese längst versammelt waren?

Jürgen Trittin hält eine Rede zu einem Vierteljahrhundert Energiewende und ich rechne jeden Moment damit, daß Francesco Schettino eine Ansprache zur maritimen Verkehrssicherheit ankündigt.

Der linke Mörder von Prof. Fritz Eckhart Freiherr v. Weizsäcker handelte in der Absicht, durch seine Tat Waffenexporte, der rechte Mörder von Walter Lübcke in der Absicht, Migrantenimporte zu thematisieren.
Die publizistische Unwucht in der Behandlung beider Fälle ist schwer zu übersehen.

Es kann nicht sonderlich verwundern, daß die Generation, die neben »We don’t need no education!« auch »No dark sarcasm in the classroom!« skandiert hat, jetzt vom Staat Zensur erwartet, um auch für den Rest ihres Lebens von sarkastischer Kritik an ihren Bildungsmängeln verschont zu bleiben.

Es bleibt abzuwarten, ob die maoistische Strategie, für unerwünschte, aber zweifellos legale Meinungsäußerungen regelmäßig Hausdurchsuchungen als Strafe ohne Schuldspruch zu verhängen, nicht eines Tages von »bestrafe einen, erziehe hundert« unerwartet in »bestrafe einen, radikalisiere tausend« umschlägt.

In der Neufassung der Sozialistengesetze sollte es einen Paragraphen zur Strafbarkeit staatlicher Manipulationen unternehmerischen Handelns geben – quasi als logisches Gegenstück zum Verbot der unternehmerischen Manipulationen staatlichen Handelns, die wir als Korruption kennen.

Die Vorstellung, man könne eine konfliktfreie Gesellschaft konstruieren, indem man Konflikte verschweigt und alle, die sich diesem großen gesellschaftlichen Schweigekonsens verweigern, nur noch als staatsfeindliche Störer abbildet, hat das DDR-Fernsehen unbeschadet überlebt.

Was soll man noch mit Leuten anfangen, deren Denkvermögen nicht strukturiert genug für die Erkenntnis ist, daß jenseits seines fragwürdigen Inhalts der Satz »Haß ist keine Meinung« schon auf der abstrakt logischen Ebene keinen Sinn ergeben kann, weil er ein in Beton gegossener Kategorienfehler ist?

Übrigens: Die Alternative zum vielgescholtenen Biologismus heißt Lyssenkoismus.

Wer als Parteisoldat meint, »dem Wähler seine Politik besser erklären« zu müssen, zeigt damit, daß er sich nicht als parlamentarischer Delegierter des Wählers versteht, sondern als eigenständiger politischer Akteur – und beweist sich damit als Verfassungsfeind.

Am gefährlichsten sind die Ideologen, die sich für Schöngeister halten: die Neros, Ceauçescus oder Habecks. Sie meinen, es sei ihr gutes Recht, die alten, gewachsenen Strukturen abzufackeln, um Platz zu schaffen für das Neue, das ihren Visionen erwächst.

Bußgelder sind Steuern für Fehlverhalten. Steuern sind Bußgelder für Wohlverhalten.




