Das Ende der Apartheid
Vor 108 Jahren wurde Nelson Mandela geboren
Meine Eltern lieben es, zu feiern. Zu einem runden Geburtstag meiner Mama bauten sie sogar ein Festzelt auf einer Wiese neben dem Haus auf. Gut 100 Gäste waren da. Ich war beeindruckt, wie ausdauernd die ältere Generation feiert und vor allem tanzt. Ein Lied wurde an diesem Abend auf ausdrücklichen Wunsch meiner Mama besonders oft gespielt: „Talkin’ ’bout a Revolution“ von Tracy Chapman.
Später erzählte mir mein Papa, warum dieser Song für sie so wichtig war: In ihrer Jugend hatte sie sich politisch engagiert, unter anderem für die Freilassung Nelson Mandelas und das Ende der Apartheid. Unterschriften sammeln und solche Dinge. Natürlich hatte sie sich im Fernsehen das Tribute-Konzert zum 70. Geburtstag von Nelson Mandela 1988 angesehen und Tracy Chapman hatte sie begeistert.
Nelson
Mandela wurde vor 108 Jahren am 18. Juli 1918 im Dorf Mvezo in Südafrika geboren. Er gehörte zum Volk der Xhosa und stammte aus einer Familie von lokalen Stammesführern.
Sein Vorname war „Rolihlahla“, was wörtlich „Am Ast eines Baumes ziehen“ bedeutet – gemeint ist damit ein „Unruhestifter“. Seinen englischen Vornamen „Nelson“ erhielt er als Kind in der Schule, weil es damals an vielen Schulen üblich war, afrikanischen Kindern englische Namen zu geben.
Er studierte Jura und setzte sich schon als junger Mann gegen die Ungerechtigkeiten der Rassentrennung ein. Gemeinsam mit anderen Aktivisten gründete er 1944 eine Jugendorganisation des ANC und wurde zu einem der bekanntesten Widerstandskämpfer gegen die Apartheid.

Apartheid
Die Apartheid („Getrenntheit“) hatte sich in Südafrika seit dem frühen 20. Jahrhundert entwickelt. Sie erreichte nach dem Wahlsieg der Nationalen Partei 1948 ihre brutale Hochphase.
Ziel war die systematische Unterdrückung und Entmündigung der nicht-weißen Bevölkerungsmehrheit. Schwarze Südafrikaner verloren ihr Wahlrecht, wurden in sogenannte Homelands verbannt und durften „weiße“ Städte nur mit Sondergenehmigung betreten.
Die Rassentrennung durchdrang den kompletten Alltag: Strände, Parks, öffentliche Verkehrsmittel, Schulen, Krankenhäuser und sogar Toiletten waren streng nach Hautfarbe getrennt. Schilder wie „Nur für Weiße“ markierten die Demütigung. Unternehmen mussten getrennte Kantinen einrichten, Geschäfte bedienten schwarze Kunden oft nur an der Hintertür.
Die Wirtschaft profitierte von billigen Arbeitskräften, während die schwarze Bevölkerung von Bildung, Gesundheitsversorgung und politischer Teilhabe ausgeschlossen blieb.
Der Sicherheitsapparat des Regimes unterdrückte jeden Widerstand mit brutaler Gewalt.
Widerstand
Der Afrikanische Nationalkongress (ANC), gegründet 1912, wurde zur zentralen Widerstandsbewegung. Nelson Mandela stieg in den 1940er-Jahren im ANC auf und prägte ab 1952 die „Defiance Campaign“, die Widerstandskampagne, gegen Rassengesetze.
Der ANC leistete zunächst mit friedlichen Mitteln wie Versammlungen, Demonstrationen, Boykotten, Streikaktionen Widerstand. Wobei Mandela Gewalt in Abgrenzung zu Gandhi nicht grundsätzlich, sondern taktisch ablehnte.
Doch als im März 1960 im Township Sharpeville unbewaffnete Demonstranten von der Polizei erschossen wurden (offizielle Zahl der Opfer beim „Massaker von Sharpeville“: 69 Demonstranten), friedliche Proteste gegen die rassistische Gewalt blutig niedergeschlagen wurden und der ANC verboten wurde, änderte der ANC seine Taktik.
1961 gründete der ANC den bewaffneten Flügel Umkhonto we Sizwe („Speer der Nation“), zunächst mit dem Ziel Sabotageakte durchzuführen, wobei es später auch zu Todesopfern kam. Mandela war Mitgründer und erster Kommandant.
1964 wurde Mandela deshalb im Rivonia-Prozess wegen Sabotage, Verschwörung zum gewaltsamen Umsturz und anderer politischer Straftaten zu lebenslanger Haft verurteilt.
Er blieb 27 Jahre in Haft, die meiste Zeit auf der Gefängnisinsel Robben Island. Dadurch wurde er weltweit zum Symbol des Widerstands.
Das Ende der Apartheid
Unterdessen wuchs international der Druck auf Südafrika. Sanktionen, Boykotte und Proteste isolierten das Regime. Unter Präsident F. W. de Klerk (*1936, † 2021) vollzog sich dann ab dem Jahr 1989 eine politische Wende.
Am 11. Februar 1990 wurde Nelson Mandela nach 27 Jahren Haft freigelassen, ein Moment, der weltweit übertragen wurde und als Symbol des Wandels in die Geschichte einging. De Klerk hob das Verbot des ANC auf, und es begannen Verhandlungen über eine neue demokratische Verfassung. Mandela und de Klerk erhielten 1993 gemeinsam den Friedensnobelpreis für ihre Bemühungen um eine friedliche Transformation Südafrikas.
Am 27. April 1994 fanden dann die ersten freien und allgemeinen Wahlen in der Geschichte Südafrikas statt. Millionen schwarze Südafrikaner standen stundenlang Schlange, um erstmals ihre Stimme abzugeben. Der ANC gewann mit überwältigender Mehrheit, und Nelson Mandela wurde als erster schwarzer Präsident Südafrikas vereidigt. Der 27. April wurde in Südafrika zum „Freedom Day“ erklärt.
Mandela blieb bis 1999 Präsident Südafrikas. Während seiner Amtszeit setzte er sich für die Versöhnung zwischen Schwarzen und Weißen sowie für den Aufbau eines demokratischen Südafrikas ein. Nach seinem Rückzug aus der Politik engagierte er sich weiterhin für Frieden, Bildung und Freiheit. Er starb am 5. Dezember 2013 im Alter von 95 Jahren in Johannesburg. Sein Tod löste weltweit Trauer und zahlreiche Gedenkveranstaltungen aus.
Mama feiert bis heute am 18. Juli den Geburtstag von Nelson Mandela, der einen so großen Anteil am Ende der Apartheid hatte und so viel für die Freiheit getan hatte. Zu Tracy Chapman, „Free Nelson Mandela“ von The Specials und „Mandela Day“ von den Simple Minds lassen sie sich dann südafrikanischen Amarula-Likör schmecken. Feiern halt gerne. Und die Freiheit zu feiern, das ist ja auch ein sehr guter Grund.
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