Empathie oder Selbstmord?

Das Fremdwort Empathie werden die meisten mit Einfühlungsvermögen oder Mitgefühl übersetzen. Der Begriff ist durch eine polemische Wendung aktuell geworden. Gad Saad und ihm folgend Elon Musk sprechen von selbstmörderischer Empathie in der westlichen Welt. Gemeint ist, dass wir, von Mitleid überwältigt, nicht rational entscheiden können. Und das hat dann fatale Folgen für unsere Migrationspolitik und unseren Umgang mit Minderheiten. Saad und Musk gehen sogar so weit, dass sie in der öffentlichen Förderung von Empathie eine politische Waffe sehen, die den Westen wehrlos macht. 

Ermöglicht wird das durch die Fernethik der Medien: Die ganze Welt geht uns jetzt etwas an. Und fast nichts können wir tun. Je unmöglicher ein wirklich eingreifendes Handeln ist, desto lauter das Pathos der Betroffenheit. Mitleid war schon immer das demokratische Gefühl schlechthin. Betroffenheit durch die Hilfsbedürftigkeit der Opfer – das ist die heute vorherrschende demokratische Empfindung. Dabei geht es allerdings weniger um Politik als um Religion, nämlich eine Religion des Helfens und Schützens. Gerade die Leute, die ein schlechtes Gewissen haben, weil sie so viel Geld verdienen, wollen die Welt retten. 

Schuldgefühle erzeugen eine unspezifische Hilfsbereitschaft. Genutzt wird das von Menschenrechtsorganisationen, NGOs und „philanthropischen“ Milliardären wie George Soros. Sie inszenieren einen Bußkrampf des Westens und fördern eine fortschreitende Feminisierung der Öffentlichkeit, also die Emotionalisierung und Moralisierung aller politischen Fragen. Mit einer derart zur Unterwerfung pervertierten Empathie, die für den Westen selbstmörderisch ist, haben wir es heute durchaus zu tun. 

Doch gibt es einen ganz anderen Begriff von Empathie, den wir gegen Saad und Musk ins Feld führen sollten. Hannah Arendt hat Empathie scharf von Mitleid unterschieden und sie durch die Fähigkeit definiert, die Perspektive eines anderen einzunehmen. Es geht also nicht um fühlen, sondern um begreifen. Nur durch diese Fähigkeit konnte der Prozess der Zivilisation beginnen. Und nur diese recht verstandene Empathie schützt uns vor Rückfall in Barbarei.

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