Gandhi marschiert los

Tagesgericht: Heute vor 96 Jahren begann der Salzmarsch

Eindeutig einer meiner Lieblingsschauspieler: Ben Kingsley. Herrlich, wie er in „Iron Man 3“ den Mandarin verkörpert, der zunächst als extremistischer Terrorist auftritt, dann aber von Tony Stark als alkoholkranker Schauspieler entlarvt wird. Einen starken Auftritt hat er auch als Pharao im dritten Teil von „Nachts im Museum“. Aufwühlend seine Darstellung des Itzhak Stern neben Liam Neeson in „Schindlers Liste”. In unzähligen Filmen hat der als Krishna Pandit Bhanji geborene Kingsley mitgespielt. Aber besonders eindrucksvoll fand ich ihn in einem Film von Richard Attenborough, in dem er in der Hauptrolle eine der Persönlichkeiten verkörperte, die ich, seitdem ich den Film gesehen habe, als Vorbild ansehe: Gandhi.

Kingsley erhielt für seine Darstellung 1983 den Oscar. Und ich muss wohl meiner damaligen Freundin so viel von dem Film und auch dann auch von Gandhi vorgeschwärmt haben, dass sie mir das Filmplakat als Poster schenkte. 

Ich weiß gar nicht, wo das Poster abgeblieben ist. Vielleicht in einer der Kisten, die ich auf dem Dachboden meiner Eltern zwischenlagere, bis ich dann einmal eine größere Wohnung habe, in die mein ganzes Zeug hineinpasst. Aber jedenfalls dachte ich jetzt wieder an diese Zeit. Jene Freundin habe ich auch schon eine Weile nicht gesehen. 

Aber ich erinnerte mich, als ich jetzt davon las, dass sich Gandhis berühmteste Tat nun jährt: Am 12. März begann der Salzmarsch, der den Beginn der Unabhängigkeit Indiens markiert.

Die große Seele

Mahatma Gandhi war Jurist, Publizist, Morallehrer, Asket und Pazifist – und wurde durch seine Ideen, sein Handeln, seinen Mut zur geistigen wie politischen Leitfigur der indischen Unabhängigkeitsbewegung. 

Geboren wurde er als Mohandas Karamchand Gandhi am 2. Oktober 1869 im heutigen indischen Bundesstaat Gujarat. Sein Geburtstag wird in Indien als „Gandhi Jayanti“ gefeiert – ein nationaler Gedenktag, der die Verehrung widerspiegelt, die ihm bis heute entgegengebracht wird.

Gandhi stammte aus einer wohlhabenden hinduistischen Kaufmannsfamilie. Früh wurde er mit religiösen Traditionen, aber auch mit Fragen von Moral und Verantwortung vertraut. 

Von 1888 bis 1891 studierte er Jura in London – eine prägende Zeit, in der er nicht nur die britische Rechtsordnung kennenlernte, sondern auch westliche Philosophie und religiöse Texte studierte.

Seine berufliche Laufbahn führte ihn anschließend nach Südafrika. Dort arbeitete er als Rechtsanwalt für eine indische Handelsgesellschaft. 1894 wurde er als erster Inder in Südafrika als Anwalt zugelassen. In dieser Zeit erlebte er selbst rassistische Diskriminierung – Erfahrungen, die sein politisches Bewusstsein nachhaltig schärften. Er begann, sich für die Rechte der indischen Minderheit einzusetzen, verfasste zahlreiche Artikel und gründete 1904 die Zeitung „Indian Opinion“, um Missstände öffentlich zu machen und seine Landsleute zu mobilisieren. 

Wobei ich gelesen habe, dass er gegenüber den Schwarzen sich nicht gerade „Gandhi-like“ verhalten haben soll, weil er Inder als etwas „Besseres“ ansah. Gandhi selbst ein Rassist? Manche sagen: „Ja, zu dieser Zeit schon, aber er hat sich entwickelt.” Andere sagen: „Ja, das wirft ein schlechtes Licht auf sein ganzes Wirken, so groß war die ,große Seele’ dann doch nicht.“

Sein Ehrenname „Mahatma“ – „große Seele“ – ist dennoch heute geläufiger als sein Geburtsname.

Gewaltloser Widerstand

Untrennbar verbunden ist sein Name mit dem Prinzip der Gewaltlosigkeit. Gandhi entwickelte und praktizierte die Idee des gewaltfreien Widerstands – des zivilen Ungehorsams als moralische Waffe gegen Unterdrückung. Statt auf Waffen setzte er auf Standhaftigkeit, auf Verweigerung, auf die Kraft des Gewissens. Seine Philosophie der „Satyagraha“ – das Festhalten an der Wahrheit – wurde zum Fundament des indischen Freiheitskampfes.

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel war der sogenannte Salzmarsch im Jahr 1930. Das britische Kolonialregime hatte ein Monopol auf Salz verhängt – ein alltägliches Gut, das selbst die Ärmsten zum Überleben benötigten. Anfang März rief Gandhi zu einer Kampagne des zivilen Ungehorsams auf. Am 12. März brach er mit einer kleinen Gruppe von Anhängern in Ahmedabad auf und marschierte rund 388 Kilometer bis zum Küstenort Dandi. Wochenlang zogen sie durch Dörfer und Städte, immer mehr Menschen schlossen sich an. Am 6. April hob Gandhi symbolisch eine Handvoll Salz vom Strand auf – ein einfacher, aber kraftvoller Akt des Widerstands.

Dieser Marsch war mehr als eine Protestaktion. Er war ein Signal an die Welt, dass Unterdrückung nicht mit Gewalt beantwortet werden muss, um wirksam herausgefordert zu werden. Die Bilder des friedlichen Protests gingen um den Globus und machten Gandhi endgültig zu einer internationalen Symbolfigur.

Sein Wirken blieb nicht ohne Folgen. 1947 erlangte Indien die Unabhängigkeit von der britischen Herrschaft. Doch die Teilung des Landes in Indien und Pakistan führte zu schweren Unruhen. Gandhi setzte sich unermüdlich für Versöhnung zwischen Hindus und Muslimen ein, fastete, appellierte, vermittelte.

Am 30. Januar 1948 wurde der 78-Jährige in Neu-Delhi von einem Attentäter erschossen. Sein Tod erschütterte nicht nur Indien, sondern die ganze Welt. Doch seine Ideen lebten weiter. Bürgerrechtsbewegungen in den USA, Freiheitskämpfer in Afrika, Aktivisten auf allen Kontinenten beriefen sich auf sein Beispiel.

Vielleicht ist es genau das, was mich damals so beeindruckte: dass ein einzelner, schmächtiger Mann mit Brille und Stock dem mächtigen Empire nicht mit Waffen, sondern mit Haltung entgegentrat. Und wenn ich an das verschollene Poster auf dem Dachboden denke, sehe ich nicht nur ein Filmplakat – sondern erinnere mich an jenen Moment im Kino, in dem ich zum ersten Mal begriff, was für eine Kraft in einer „großen Seele“ liegen kann.

Mehr Widerstand im Sandwirt: 

Der steigende Preis des Widerstands“ von Christoph Lemmer

Beitrag teilen …

Der nächste Gang …

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Fill out this field
Fill out this field
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
You need to agree with the terms to proceed

Autoren