Milliarden in der Nordsee versenkt

Geld ins Wasser wirft man traditionell am Trevi-Brunnen im Rom. Die Münzen, die da rückwärts über die Schulter geworfen im Wasser versinken, sollen Glück bringen: Eine Münze bringt die sichere Rückkehr nach Rom nach einer Reise, zwei Münzen lassen den Werfer sich in einen Römer oder eine Römerin verlieben, drei Münzen führen zu einer Heirat mit der entsprechenden Person. Die Münzen werden regelmäßig von der Stadt Rom aus dem Wasser geholt, immerhin über eine Million Euro pro Jahr, und an die Caritas gespendet. 

Aber das sind kleine Beträge, im Bankendeutsch „Peanuts“ genannt. Geht das auch mit größeren Beträgen, und geht das auch ohne eine Reise nach Rom?

Ja, das geht, für diese Zwecke gibt es ja die deutsche Energiewende. In diesem Rahmen hatten zwei große Firmen der Windindustrie für einige Milliarden Euro Flächen in der Nordsee ersteigert. Gedacht war das als ein Geschäft auf Gegenseitigkeit: Die Bundesregierung konnte erst mal ordentlich was abkassieren, um wenigstens einige der Lücken im Haushalt zu stopfen, und die Firmen hatten erwartet, dass man da doch reichlich Subventionen abschöpfen könnte.

Ende Mai ist die Stimmung im Bundesverband der Offshore-Wind-Branche (BWO) jedoch merklich gekippt, denn die Firma TotalEnergies hat nun offen ausgesprochen, was viele schon lange vermuteten: Das Unternehmen möchte ersteigerte Windpark-Flächen in der deutschen Nord- und Ostsee wieder loswerden. 

2023 hatte Total noch in einer spektakulären Auktion fast sechs Milliarden Euro für die Flächen geboten und 2024 nochmal mit fast zwei Milliarden Euro nachgelegt. Doch nun hat auch die britische BP mit ihrer Tochterfirma Jera Nex BP angekündigt, ihre erst kürzlich ersteigerten Offshore-Lizenzen für Windkraftprojekte in der Nordsee wieder loswerden zu wollen. Darüber berichteten jetzt u.a. die Preußische Allgemeine Zeitung und das Handelsblatt. Nun herrscht bei der Bundesregierung und auch bei den Fans der Energiewende das blanke Entsetzen.

Für diese beiden Firmen weht nun nicht nur rauer Wind auf der See sondern auch vom Land. Sie wollen die vorgelegten Milliarden zurückbekommen, aber die Bundesregierung ist sowieso schon knapp bei Kasse und hat verlauten lassen, mit der Rückgabe werde es nichts. Die Einzigen, die sich jetzt wirklich freuen können, sind Heringe und Schweinswale, denn der Baulärm auf See bleibt ihnen nun erspart. 

In den ursprünglichen Verträgen waren Regelungen für eine vorzeitige Rückgabe nicht vorgesehen, im Gegenteil, die Bundesregierung plant sogar noch Strafgebühren mit der Begründung, dass das betreffende Gebiet, eine Fläche ca. 100 km nordwestlich von Helgoland, jetzt nicht genutzt werden kann, da weitere Versteigerungen (falls dann noch jemand zugreift) erst Anfang 2027 vorgesehen sind.

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Als Begründung für den Ausstieg wird angegeben, dass der Netzausbau nicht wie geplant vorangekommen sei und dass wegen der internationalen Lage (Sperrung der Straße von Hormus) die Kosten außer Kontrolle geraten seien. Außerdem wären durch die gegenseitigen Abschattungen der Windmühlen die Erträge doch geringer als ursprünglich angenommen. 

Das scheint mir aber doch fadenscheinig, denn mit der Sperrung von Seewegen wäre ja die kaufmännische Lage für Windenergie eher günstiger geworden, da eine lästige Konkurrenz nun für einige Zeit ausfallen würde, was den Preis für Energie ja nach oben treibt. Der wirkliche Grund, und das will man wohl nicht öffentlich zugeben, ist doch wohl, dass die Windkraft insgesamt trotz üppiger Subventionen schon längst an ihre Grenzen gekommen ist, denn neu zu errichtende Anlagen liefern nur dann Energie, wenn die schon vorhandenen das auch tun, und das führt zeitweilig zu Überschüssen, die man nicht kaufmännisch verwerten kann, da ausreichende Speicheranlagen komplett fehlen. 

Mit jedem weiteren Zubau von Windmühlen (und auch von PV-Anlagen) wird die Schieflage in der Energieversorgung immer größer. Um die Kosten für die Entsorgung von Strom, der nicht verwendet werden kann, auszugleichen, müssten die Subventionen, die ja der Steuerzahler aufzubringen hat, immer weiter erhöht werden. Doch da ist nun die Grenze des politisch Zumutbaren erreicht. 

Auf die weitere Entwicklung kann man gespannt sein.

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