Schafft zwei, drei, viele Vietnam …
Ist ja interessant! #6
„Schafft zwei, drei viele Vietnam!“, lautete die berühmt-berüchtigte Botschaft von Ernest „Che“ Guevara 1967 auf der „Tricontinental“ an die Welt. Die „Tricontinental“ war eine vom revolutionären Cuba ausgerichtete anti-koloniale Konferenz, die die damals sogenannte „Dritte Welt“ zu einem neuen Machtblock als Gegengewicht zu den USA konstituieren helfen sollte. Che Guevara meinte mit seinem Aufruf, dass viele regionale Kriegsherde, in die man die USA verwickeln werde, diese auf Dauer zermürben und in die Knie zwingen können. Mit den USA würde der ganze verhasste, imperialistische Westen untergehen. Die ökonomischen und sozialen Folgen des Vietnamkriegs verkrafteten die USA allerdings, wenn auch nur mit Ach und Krach.

Das nächste Vietnam, in Afghanistan nach dem Überfall der UdSSR 1979/1980, verkraftete die UdSSR nicht. Sie und ihr System waren es, die sang- und klanglos untergingen, nicht der kapitalistische Westen. Die Fortsetzung im „Krieg gegen den Terror“, mit dem die USA den Krieg in Afghanistan sozusagen von der UdSSR übernahmen, mündete zwar in einer Niederlage der USA, aber sie verkraftete diese erstaunlich gut.
Wladimir Putin hat sich beim Überfall auf die Ukraine 2021 ebenfalls verkalkuliert. Wer jetzt sagt, die russische Wirtschaft stehe nach fünf Jahren Krieg immer noch einigermaßen gut da, sei daran erinnert, dass der wirtschaftliche Zusammenbruch meist erst nach einem Krieg eintritt. Wir werden sehen, wie es kommt.
Donald Trump, der in seiner ersten Präsidentschaft die Niederlage in Afghanistan eingestanden und den Rückzug angeordnet hatte, lässt sich nun in seiner zweiten Amtszeit freilich nicht lumpen und eröffnete mit seinem Überfall auf den Iran die Möglichkeit zu einem neuen Vietnam mit einem Waffengang, der eigentlich Hillary Clintons Krieg hätte werden sollen.
Übrigens: Wer hier einwendet, es ginge im Falle Irans ja darum, das persische Volk zu befreien oder die Mullahs daran zu hindern, weiter aufzurüsten, den mache ich auf das Folgende aufmerksam: Nordvietnam war ein Schurkenstaat, der dem des Iran in nichts nachstand. Aber wenn man den Krieg verliert, nützen die hehrsten Motive nichts. Zugleich herrschte in der VR China Mao Zedong, der gerade einmal wieder durch seine Kampagne der „Kulturrevolution“ die aufgeheizten jugendlichen Massen zu unfassbaren Gräueltaten anstachelte. Niemand dachte daran, die VR China aus humanitären Gründen anzugreifen und Maos Wahnsinn zu stoppen.
Merke: Wer zwei, drei, viele Vietnam schafft, schafft den Westen ab. Ob wir ihm eine Träne nachweinen wollen, das sei dahingestellt.
Ist ja interessant!
Der Autor dieses Artikels hat in der Edition Sandwirt das Buch „Gegen den Strich gelesen – 12 überraschend freiheitliche Denker“ veröffentlicht.



