Österreichs Energiepolitik: Wunschdenken
Deutschland, Österreich und die Schweiz eint nicht nur eine gemeinsame Sprache, die uns hilft, einander besser zu verstehen, sondern auch der mehr oder weniger intensive Wunsch der Menschen in diesen hoch entwickelten Staaten, die Welt doch irgendwie an unserem Wesen genesen zu lassen und so zu einem besseren Ort für alle zu machen.
Dabei scheint immer mehr der Glaube der Politik wie ein Virus um sich zu greifen, dass wenn man nur genug genau vom Gegenteil dessen tue, was uns Menschen Wohlstand und Fortschritt gebracht hat, werde irgendwann doch etwas ganz Wunderbares daraus entstehen, wenn man die Menschen nur genug mit Steuern erzieht, um mit den Einnahmen eine Mission zu finanzieren, die beim logischen Durchdenken unserer aktuellen Situation mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nur von der Therapiegruppe einer psychiatrischen Klinik ersonnen sein kann.
Diese Entwicklung kann man auch in anderen Bereichen des Lebens dieser Länder sehen. Logisches Denken, gute Bildung und das Hinterfragen von Vorhaben oder Entscheidungen der Politik scheint viel zu oft nicht mehr zur Regel, sondern zur Ausnahme verkommen zu sein. Wer hinterfragt, wird schief angeschaut, denn schließlich wollen wir doch alle die eine angeblich so gute Mission umsetzen. Wobei die Geschichte doch immer wieder eindeutig gezeigt hat, dass derartige Ansinnen von Politikern und politischen Bewegungen, die die Menschheit vor dem angeblich Bösen bewahren wollten, nie im Guten, sondern stets in einer Katastrophe endeten.

Unsere Politiker sind offensichtlich unfähig, den wirklichen Herausforderungen unserer Zeit wie unsere Vorfahren mit Intelligenz, Macher- und Erfindergeist zu begegnen. Stattdessen ignorieren sie Probleme entweder komplett oder aber sie werfen sie so lange mit unendlich viel Steuergeld der arbeitenden Bevölkerung zu, bis das Problem verschwunden zu sein scheint. In wohl kaum einem anderen Lebensbereich ist der beschriebene Irrsinn so offensichtlich wie in der Energieversorgung. Dabei braucht man nur die vier Grundrechenarten der Mathematik zu beherrschen, um zu verstehen, was in der Energiepolitik bei uns richtig oder falsch läuft, mehr nicht! Eine besonders bemerkenswerte Geschichte aus diesem Jahr aus Österreich zeigt das eindrucksvoll.
Der 23. April 2026 war eigentlich ein ganz normaler sonniger Frühlingstag im oberösterreichischen Kronstorf. Ganz normal war dieser Tag allerdings nur mit Blick auf das Wetter, denn ein Ereignis ganz anderer Art machte diesen Tag zu einem ganz besonderen Moment, nicht nur für die kleine Marktgemeinde an der Enns, sondern für die gesamte Alpenrepublik: Es war der Tag des Spatenstichs zum Baubeginn des Google-Rechenzentrums, welches in naher Zukunft geradezu gigantische Strommengen permanent aus dem Stromnetz beziehen wird.
Etwa zwei Jahre zuvor besuchte ich in Wien eine Veranstaltung mit dem Titel „Quo vadis, Donau?“, auf der der Chef aller Donaukraftwerke bekannt gab, dass sein Unternehmen den Strommehrbedarf Österreichs in Zukunft nur noch durch den Zubau von Strom erzeugen wolle, der nur noch dann produziert wird, wenn die Sonne scheint oder der Wind weht. Schon damals war ich fassungslos über diesen mehr als nur abenteuerlichen Plan.
Wohlstand und Fortschritt sind in der Geschichte der Menschheit immer nur dann entstanden, wenn es unseren Vorfahren gelang, Energie dann zu produzieren, wenn wir diese auch brauchten. Je mehr und je billiger Menschen durch ihren unglaublichen Ideenreichtum und Tatendrang in der Lage waren, Energie in immer größeren Mengen immer preiswerter zu produzieren, umso mehr revolutionierte sich das Leben der Menschen bis in die heutige Zeit. Die Basis all dieser Handlungen waren stets die Grundgesetze der Physik und der Mathematik und nicht politische Missionen.
So war es auch eine logische Konsequenz, dass in Österreich aufgrund der besonderen Gegebenheiten schon vor bald 150 Jahren damit begonnen wurde, die Wasserkraft als wesentliche Basis zur Stromerzeugung zu nutzen, die inzwischen im Durchschnitt etwa zwei Drittel des heimischen Strombedarfs abdeckt. Erst durch die in den 1970er und 1980er Jahren entstandene Umweltbewegung, deren eifriges Mitglied ich selbst jahrzehntelang war, wurde die Politik mit dem Druck dieser Bewegung auf die Idee gebracht, die Basis unseres Fortschritts, die permanente Bereitstellung von billiger Energie zum eigenen Machterhalt, in Frage zu stellen und Großvorhaben für eine effiziente Grundlastversorgung im Falle des Kernkraftwerks Zwentendorf 1978, zwar fertig gebaut, aber gar nicht erst in Betrieb zu nehmen oder aber im Falle des genehmigten Donaukraftwerks Hainburg 1984 aus Furcht vor einer Minderheit ökologiebewegter Menschen gar nicht erst mit dem Bau der Anlage zu beginnen.
Die Teilnahme Österreichs und der EU an diversen Klimakonferenzen und die infolgedessen freiwillige Selbstverpflichtung, den weltweiten Temperaturanstieg ernsthaft reduzieren zu wollen, führte in Österreich nicht nur zur Abschaltung der vorhandenen Kohlekraftwerke, deren Betrieb zuvor durch die politisch verordnete CO2-Bepreisung unrentabel gemacht worden war. Besonders das Inkrafttreten des Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzes im Jahre 2021 hatte außerden dank dauerhafter Subventionierung die Errichtung enormer Erzeugungskapazitäten an Windkraft und Photovoltaik zur Folge, die inzwischen einem Mehrfachen der Leistung der heimischen Wasserkraft entspricht.
Den Strommehrbedarf des Landes will man also in Zukunft nicht mehr permanent und gesichert Menschen und Wirtschaft bereitstellen, sondern bezogen auf die Vollbenutzungsstunden von Energie aus Sonne und Wind sehr viel unwahrscheinlicher als bei einem Münzwurf Kopf oder Zahl zu erhalten. Ein kritisches Hinterfragen des Sinns oder Unsinns dieser österreichischen Energiepolitik findet in den meisten Medien, in weiten Teilen der Politik und selbst in den Wirtschaftsverbänden nicht statt.
Mehr noch: Da gerade die Bevölkerung auf dem Lande immer mehr Widerstand leistet gegen Vorhaben von Investoren, ihre Heimat in ein ökosozialistisches Industriegebiet zu verwandeln, hat man nun sogar mit dem in diesem Jahr beschlossenen Erneuerbaren-Beschleunigungsgesetz den eigentlichen Straftatbestand der Korruption für Wind- und Photovoltaikprojekte komplett abgeschafft. In Zukunft dürfen Investoren genau das tun, was bisher schon seit Jahrzehnten gelebte, aber nicht geahndete Praxis war. Der Rechtstitel der Umwidmung kann gegen Zahlung einer hohen einmaligen oder aber dauerhaften Zahlung des Betreibers an die Gemeinde, die im genannten Gesetz als sogenannte Energiewendebeteiligung phantasievoll umdefiniert wurde, käuflich erworben werden. Gemeinden, die sich den grünen Ausbauvorhaben in Zukunft verwehren, die in Wirklichkeit ganz erheblichen volkswirtschaftlichen Schaden anrichten, sollen zudem in Zukunft durch geringere Mittelzuwendungen der österreichischen Regierung sanktioniert und wieder auf politische Linie im Sinne der angeblich guten Mission gezwungen werden.
Genau diese Politik in Österreich und in der EU ist der Grund für die gestiegenen Gesamtenergiekosten, die das Land wie die gesamte EU in eine seit etwa 2017/2018 anhaltende Deindustrialisierung getrieben haben und die die Vernichtung von Wirtschaft und Wohlstand vorantreiben und das Leben der Menschen immer mehr verteuern.
Eigentlich sollte uns alle die Jahrhunderttrockenheit dieses Jahres mit infolgedessen katastrophaler Wasserführung und daher drastisch geringerer Stromerzeugung aus Wasserkraft wie seit Jahrzehnten nicht mehr zum Nachdenken bringen, dass der subventionierte Energietraum mit Sonne und Wind nicht die Antwort auf die Fragen der Zukunft sein kann.
Denn der wahre Strom folgt auch in Zukunft nicht politischem Wunschdenken, sondern einzig und allein der Physik und dem kürzesten Weg. Für das Google-Rechenzentrum in Kronstorf wird daher der Strom in Zukunft im wesentlichen Umfang nicht aus den dauersubventionierten Wind- und Solaranlagen kommen, sondern aus der in Österreich per Gesetz verbotenen Kernkraft des naheliegenden tschechischen Kraftwerks Temelin.
Einer Mission weiterhin zu folgen, wo man gerade von hinten mitansehen muss, wie der Vorreiter Deutschland in den wirtschaftlichen Abgrund springt, sollte uns Österreicher und unser aller Verstand endlich wachrütteln, die Zügel noch rechtzeitig herumzureißen, bevor es auch uns in die Tiefe reißt.


