Alles wird gut 

Ich war vorhin drüben bei der neuen Nachbarin. Sie musste umziehen, weil sie sich das Häuschen, in der sie mit der Familie über viele Jahre lebte, nicht mehr leisten konnte. Sie hat ein so schreckliches Schicksal erlebt, wie ich es noch nie gehört habe. 

Ihre Tochter starb 2021 kurz nach der Impfung an einem Blutgerinnsel. Ihr Sohn erlag einem Herzinfarkt beim Fußball. Ihr Mann entwickelte unheilbar Krebs. Er schob es nach den Erfahrungen in der Familie auf die sogenannte Impfung und ging damit in die Öffentlichkeit. Als bis dahin bekannter und beliebter Künstler ertrug er die daraufhin einsetzende Cancel Culture der Mehrheitsgesellschaft nicht, die ihn in der Öffentlichkeit nun der Lächerlichkeit preis gab. Er nahm sich schließlich das Leben. 

Sie selbst war die Einzige in der Familie, die sich nicht impfen ließ. Dafür wurde sie von der Mehrheitsgesellschaft ausgegrenzt und als Nazi diffamiert. Sie verlor ihren geliebten Beruf und ihr gesamtes gesellschaftliches Umfeld. Weil sie sich nicht in eine Abhängigkeit vom Staat treiben lassen wollte, hält sie sich seither alleine mit verschiedenen Jobs über Wasser, weil die Unternehmen wegen der heraufziehenden Rezession mit Einstellungen vorsichtig sind. 

Das Geld reichte nicht mehr, um die gestiegenen Energiekosten und ihr sanierungsbedürftiges Haus zu halten. Die Bank schickte es in die Zwangsversteigerung. Sie weiß nicht mehr, wie es weitergehen soll und ob sich das Leben überhaupt noch lohnt. 

Sie empfand die Coronakrise als den Aufstieg des neuen Faschismus, der sich solidarisch nennt, aber rücksichtslos über Leib und Leben seiner Mitmenschen hinweggeht, sie in medizinische Experimente nötigt, Kriege im Namen des Guten führt und ihr alles genommen hat durch eine von der Regierung und deren Chefs aufgeputschte Mehrheitsgesellschaft, deren rationales und selbstbestimmtes Denken und deren Empathie völlig ausgeschaltet schienen.

In diesem Moment fingen die Fensterscheiben durch ein dumpfes Gebrumme an zu vibrieren, der gesamte Raum war durch das Fenster in ein gleißendes Licht getaucht, so dass wir uns die Hände vor die Augen halten mussten. Wir traten an die Balkontür. Als wir sie öffneten wurden wir von der Wucht der Stimmen fast zurückgeworfen. Halb benommen taumelten wir auf den Balkon und blinzelten durch dünne Schlitze zwischen unseren Fingen. Was wir sahen, hat uns völlig überwältigt. 

Dort stand die Mehrheitsgesellschaft Hand in Hand mit Regierung und Konzernen und leuchtete mit dem Licht aus zigtausenden Handylampen zu uns hinauf und sie sangen: „Wehrt Euch, leistet Widerstand, gegen den Faschismus hier im Land!“ 

Wir fielen uns in die Arme und fingen an zu weinen. Halb blind vor Tränen stürmten wir die Treppen hinunter und aus dem Haus, wo uns die Mehrheitsgesellschaft mit tosendem Applaus empfing. 

Wir erfuhren, dass die russische Desinformationskampagne enttarnt worden war und in der Ukraine Hunderttausende noch immer leben, die wir an der Front verloren glaubten und dass für Martin Sellner ein Einreiseverbot nach Deutschland verhängt worden war. 

Künftig werden alle Chats in Echtzeit überwacht und die sozialen Medien radikal zensiert, um derart existentielle Gefahren für die Demokratie nicht erneut hochkochen zu lassen. Die Teilnahme an öffentlichem Austausch wird nur noch für verifizierte Accounts mit digitaler Identität möglich sein, um die Gefahr des Totalitarismus im Keim zu ersticken.

Da vergaß sie all ihre Sorgen und die Qualen der letzten Jahre und schöpfte neue Hoffnung. Gleich morgen früh wird sie in den Staatsdienst gehen und ebenfalls der Sophie-Scholl-Truppe beitreten, um die deutsch-österreichische Grenze zu verteidigen. Und so kann ein ganzes Land neue Hoffnung schöpfen und alles wird endlich gut werden.

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