Auf dem Plattenspieler: Betty Davis

Künstler: Betty Davis

Album: Betty Davis (Just Sunshine Records 1973)

Heute dreht sich etwas ganz Besonderes auf dem Plattenteller, schwarzes Gold einer wunderbaren Künstlerin, die vielleicht nicht jeder auf dem Schirm hat. Sie fällt in die Kategorie „unter dem Radar“, weil sie trotz ihrer Genialität eben nie den verdienten Erfolg hatte. Sie war ihrer Zeit einfach viel zu weit voraus.

Die Rede ist von Betty Davis, der Lady mit den verrückten Outfits und dem wunderbaren Afro. Ihren Nachnamen hat sie von keinem geringeren als der Jazz-Ikone Miles Davis, mit dem sie für etwa ein Jahr verheiratet war. 

Zurück zum Anfang: Es war Mitte der 60er Jahre. Betty Mabry Durham war gerade erst 17 Jahre alt, sie kam aus einer Arbeiterfamilie in Pittsburgh, als sie ihrem Zuhause den Rücken kehrte. Nach New York zog es sie, um Modedesign zu studieren. 

Dort arbeitete Betty nebenbei als Managerin eines Nachtclubs, um sich das Studium zu finanzieren, was ihr Leben verändern sollte. Denn genau dieser Nachtclub zog sie immer tiefer in die pulsierende New Yorker Musikszene. Dort lernte sie bereits früh Stars wie Sly Stone, Jimmy Hendrix, die Chambers Brothers und eben besagten Jazz-Superstar Miles Davis kennen. 

Sie heirateten 1968, ein kurzes aber sehr intensives Intermezzo. Miles erzählte später, dass sie ihn damals völlig überforderte. Betty beeinflusste Miles´ Leben in nur einem Jahr Ehe so sehr, dass dieser seinen musikalischen Weg neu ausrichtete, was sich anschließend auf seinem berühmten Album „Bitches Brew“ deutlich bemerkbar machte. 

Andersrum aber beeinflusste Miles auch seine Frau sehr, was sie später überhaupt dazu bewegte selber Musik zu machen. Sie blieben auch nach der Scheidung noch viele Jahre in Kontakt.

Heute liegt ihr Debütalbum „Betty Davis“ auf dem Teller und es klingt so, als hätte sie von jedem der Superstars, die sie in New York kennen gelernt hatte, ein paar musikalische Zutaten in einen Topf geworfen und ihr eigenes Süppchen daraus gekocht. Heraus kam eine Platte, die grooviger nicht hätte werden können, die rockiger nicht hätte klingen können, staubtrocken, fett produziert und gekrönt mit ihrer einmaligen Art des Gesangs. 

Betty Davis sang, flüsterte, kreischte, hauchte und brachte dabei mit ihrer rauen eigenwilligen Stimme jede Menge Kraft und Erotik in die Performance ihrer Texte, mit denen sie das bis dato übliche Frauenbild so richtig auf den Kopf stellte: glamourös, frech, sexy, emanzipiert und sehr selbstbewusst. 

Musikalisch glänzt das Album mit genau der Kombination von Sounds, die in etwa der Mischung an Musikern gleich kommt, denen Betty in dieser Zeit in der Stadt, die niemals schläft, über den Weg gelaufen ist. Also auf den Punkt gebrachte Funk Beats à la Sly Stone, gewürzt mit rauen Rockelementen à la Jimmy Hendrix und verfeinert mit dezent jazzigen Elementen. 

Das spiegelt sich auch im Line-up der Musiker wieder, die an ihrem Debütwerk beteiligt waren. Es liest sich wie das Who is Who der New Yorker Musikszene der 70er Jahre: Gitarrist Neal Schon von Journey bzw. Carlos Santana, Schlagzeuger Greg Errico von Sly & the Family Stone, Bassist Larry Graham, ebenfalls Sly & the Family Stone und Namensgeber von Graham Central Station, deren Schlagzeuger Patryce Banks und Willie Sparks ebenfalls mitwirkten. Dazu ein paar Horns der legendären Tower of Power und im Background gar die berühmten Pointer Sisters! Eine tolle Mixtur.

Warum liegt diese eher unbekannte Scheibe heute auf dem Teller? Weil ich mir ganz sicher bin, dass dieser Longplayer ganz vielen Lesern gefallen wird, und das genreübergreifend. Mich jedenfalls hat es beim ersten Hören total umgehauen und nachhaltig beeinflusst, als Musikproduzent und Komponist die Genregrenzen in der Musik nicht so wichtig zu nehmen.

Betty Davis veröffentlichte in den 70ern noch zwei weitere großartige Platten, bevor sie sich dann aus der Öffentlichkeit zurück zog. 

Hören Sie hier auf YouTube das komplette Album “Betty Davis” aus dem Jahr 1973.

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