Auf dem Plattenspieler: Gil Scott-Heron

Künstler: Gil Scott-Heron

Album: Pieces of a Man (1971 Flying Dutchman Records)

Heute habe ich für Sie etwas ganz Besonderes auf dem Plattenteller, einen Künstler, der mir persönlich als großem Hip-Hop-Fan sehr viel bedeutet: Gil Scott-Heron. Er hat in seiner Musik alles vereint, was mir als Musik-Süchtigem wichtig ist: Zum einen großartige, oft politische und sozialkritische Texte. Zum anderen hat er alle musikalischen Stilrichtungen, die mich als Musiker und Produzenten beeinflusst haben, miteinander verwoben: Jazz, Funk, Soul, R&B und lateinamerikanische Musik. Aber vor allem hat er mich sehr beeindruckt, weil er mit seinen legendären Sprechgesangseinlagen als einer der wichtigsten Wegbereiter der Rap-Musik gilt.

Gil Scott-Heron (1949–2011) lernte schon früh Klavier spielen von seinem Vater Gil Heron. Dieser war der erste schwarze Fußballer bei Celtic Glasgow. Als sich seine Eltern trennten, zog er zu seiner Großmutter in die Staaten, wo er zum ersten Mal mit Rassismus konfrontiert wurde, womit er sich später immer wieder in seinen Büchern und Songtexten auseinandersetzte. Er war eines von drei nicht-weißen Kindern in einer weißen Grundschule im Süden der USA, den Rest kann man sich gut vorstellen. Als ihm das zu viel wurde, zog er zu seiner Mutter in die Bronx, dem berühmten Stadtteil von New York, wo er die High School besuchte und sich erstmals mit Poesie sowie der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung beschäftigte und zu schreiben begann.

1970 veröffentlichte er seinen ersten Roman, The Vulture (Der Aasgeier), der viel Anerkennung fand. Durch das Echo auf seinen Debütroman wurde der Jazz-Produzent Bob Thiele, der schon mit Legenden wie Louis Armstrong und John Coltrane gearbeitet hatte, auf Gil Scott-Heron aufmerksam und verhalf ihm 1970, sein erstes Album „Small Talk at 125th & Lenox Ave“ aufzunehmen, auf dem er erstmals sozialkritische Texte auf Conga-Beats live zum besten gab.

Auf dem Teller dreht sich heute sein erstes Studioalbum aus dem Jahr 1971, „Pieces of a Man“, für mich auch sein wichtigstes und bestes Album, obgleich er später, Mitte der 70er Jahre, mit großartigen Songs wie „The Bottle“ oder „Johannesburg“ noch erfolgreicher wurde. Bob Thiele lud für diese Produktion einige renommierte Jazz-Musiker wie Ron Carter (Bass) und Charlie Saunders (Percussion) ein und so entstand eine großartige Langspielplatte mit einigen meiner Lieblingssongs wie „Lady Day And John Coltrane“, „The Prisoner“ und besonders wichtig: „The Revolution Will Not Be Televised“. 

Letzterer ist ein Titel der bis heute große Aktualität hat, weil er die allgegenwärtige Werbung, die Medien und die materialistische und konsumorientierte Gesellschaft in den USA kritisiert, besonders das Fernsehen. Gil Scott-Heron ruft dabei vor allem die Afroamerikaner auf, sich von Drogen und Ausbeutung zu befreien, sich gegen den Rassismus zu stemmen und zu versuchen, ihre eigenen Lebensumstände grundlegend zu verbessern, ganz im Sinne der Bürgerrechtsbewegung.

Bei mir verursacht dieser Song bis heute Gänsehaut, durch seine lyrische Tiefe, seinen wunderschönen Groove und eben weil er durch den poetischen Sprechgesang wie ein Rapsong mit Message wirkt, so wie ihn in den 80ern etwa Gruppen wie Public Enemy zu großen Erfolgen weiter entwickelten.

Hier finden Sie „The Revolution Will Not Be Televised“ von Gil Scott-Heron auf YouTube. 

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