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Künstler: Public Enemy
Album: It Takes a Nation of Millions to Hold Us Back (DefJam 1988)
Meine ersten Gehversuche als DJ im Club machte ich im Alter von 16. Das war 1983. Ich war ein Teenager und hörte zu der Zeit noch viel Rockmusik, von Pink Floyd bis ZZ-Top. Durch das Auflegen in ein paar Kleinstadtdiscos machte ich mich zu dieser Zeit dann mehr und mehr mit den Genres des Pop bekannt, mit den Hits eben, die die Leute damals hören wollten: Duran Duran und The Cure, Michael Jackson und Prince, Phil Collins und die Dire Straits, die ersten NDW-Hits von Nena, Ideal oder Spliff. Und natürlich auch die ersten Rap-Klassiker von Grandmaster Flash, der Sugarhill Gang oder Whodini.
Durch das Auflegen habe ich mein Musikspektrum immer breiter gefächert – bis dann 1987/1988 für mich der Kipppunkt kam, um diesen furchtbaren Modeausdruck auch einmal bedienen zu dürfen, und zwar in Richtung Hip-Hop.
Ausschlaggebend waren für mich die beiden einflussreichsten und wichtigsten Wegbereiter des Raps der 90er. Eric B. & Rakim, sowie Public Enemy. Sie waren die Wachablösung des Oldschool Raps, wie wir ihn heute nennen, und das bereits Mitte der 80er Jahre! Erstere konnten vor allem durch ihre für diese Zeit sehr modernen pumpenden Beats und einem völlig neuartigen Rapflow punkten, Public Enemy dagegen zogen die Aufmerksamkeit vor allem durch ihr Auftreten auf sich, sowie ihren harten Stil auf mit Samples überladenen Beats und politischen sowie sozialkritischen Texten. Chuck D. übernahm dabei in seinen Lyrics gerne die Rolle eines Propheten, der als Sprachrohr der Black-Power-Bewegung fungierte.
Auf dem Teller liegt heute das zweite Album der New Yorker Rapgruppe mit dem bezeichnenden Titel „It Takes a Nation of Millions to Hold Us Back“, aus dem Jahr 1988. Dieser Longplayer wird heute als Meilenstein und Revolution des Hip-Hop angesehen, er hatte mich damals völlig begeistert, weil er so anders war, und er brachte mich endgültig zum Rap.
Da waren diese neuartigen Beats des Produzententeams „Bomb Squad“, die durch ein Bombardement von Samples und Sounds total nach vorne gingen. Durch die Wahl und die Fülle der Sounds waren die Instrumentals extrem funky aber zugleich auch bretthart, was sie durch die Kombination von Schlagzeugsamples von James Brown mit harten Gitarrensamples von Slayer erreichten, das ganze dann noch gespickt mit Ausschnitten aus bekannten politischen Reden, u. a. von John F. Kennedy und Martin Luther King.
Und damit wären wir auch gleich beim nächsten wichtigen Unterschied zu den Oldschool-Rapscheiben der frühen 80er. Während die zumeist eher partyorientierte Inhalte verarbeiteten, kamen Public Enemy durch ihr militantes Auftreten – immer mit Bodyguards im Söldnerlook auf der Bühne – und ihre politischen Texte immer etwas radikaler daher. Zum einen sozialkritisch wie in „Channel Zero“ oder regierungskritisch wie in „Bring the Noise“, „Rebel Without a Pause“ und „Louder Than a Bomb“, wo die US-Regierung angeklagt wird, dass sie die Gruppe zum Schweigen bringen wollte und zu verhindern versuchte, dass deren Musik im Radio gespielt wird, oder gar das komplette Album verbieten wollte. „Bring the Noise“ ist zudem auch noch einer der meistgesampelten und zitierten Songs der Musikgeschichte.
Alles in allem ist „It Takes a Nation of Millions to Hold Us Back“ ein wahres Meisterwerk und ein Klassiker, denn dieser Longplayer war wegweisend für die Entwicklung des Raps der 90er, musikalisch wie inhaltlich.
Ich höre dieses Album noch immer gerne, denn auch über 35 Jahre später ist es aktuell wie eh und je und regt intensiv zum Nachdenken an.

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