Auf dem Plattenspieler: Thievery Corporation

Künstler: Thievery Corporation

Album: Sounds From The Thievery Hi-Fi (1996 Eighteenth Street Lounge Music)

Grundsätzlich schlagen zwei Herzen in mir, wenn es um das Produzieren und das Genießen von Musik geht. Zum einen liebe ich fett produzierte Beats mit Drumcomputern und Samplern, aus der Retorte sozusagen. Zum anderen liebe ich aber auch die Musikalität von Instrumenten, live gespielt oder zumindest am Computer eingespielt, mit dem menschlichem Feeling, wenn also das Timing nicht auf die tausendstel Sekunde passt und wenn vielleicht gar frei improvisiert wird. Ich bin eben ein Kind des Jazz und des Hip-Hop. 

Eine Musikrichtung hat sich seit den frühen 90er Jahren genau dieser  Kombination meiner beiden musikalischen Herzen verschrieben. Trip-Hop, eine Kombination aus Hip-Hop, Dub und vielem mehr: Wenn es um die Grundbeats geht, höre ich zumeist dicke, programmierte Drumcomputer oder gesampelte und geloopte Schlagzeugspuren. Wenn es aber um das „Tripige“ geht, das sich darüber musikalisch ausbreitet, vernehme ich eingespielte Instrumente. Das können von Bass, Piano über Gitarre und Synthesizer alle erdenklichen Schallquellen sein, auch aufgenommene Samples und Geräusche, Sprachfetzen, oder Gesang. Das Gesamtbild wirkt durch die atmosphärischen Klangflächen zumeist sehr relaxed, ein wenig abgespaced und manchmal auch ein wenig melancholisch. 

Trip-Hop entstand Anfang der 1990er in der Region um die englische Stadt Bristol und wurde daher auch Bristol Sound genannt. Die bekanntesten Vertreter damals waren Gruppen wie Portishead, Massive Attack oder Tricky. Doch innerhalb kürzester Zeit verbreitete sich diese Stilrichtung über den ganzen Globus und brachte herausragende Vertreter aus Skandinavien, Russland, Japan oder den USA hervor, die auch das musikalische Spektrum des Genres immer mehr erweiterten.

Aus den Letzteren stammt auch die Formation Thievery Corporation, die mich damals total verzauberten. Sie gehörten zu den ersten Gruppen, die auch mit etwas schnelleren Rhythmen arbeiteten und deren Tracks zum Teil auch leicht ravigen Charakter hatten. Auf ihrem Erstlingswerk aus dem Jahre 1996 „Sounds From The Thievery Hi-Fi“ findet man eine grandiose Mischung aus dicken, clubtauglichen Beats mit sphärischen Synthies versetzt mit rhythmischen Pianos sowie groovigen Basslines. Für mich ein Meisterwerk, eine Scheibe seiner Zeit ein Stück voraus, ein Album, das mich sehr beeinflusst hat und die Genregrenzen noch etwas breiter definiert hat, weshalb die Band auch gerne unter Lounge, Future Jazz oder New Jazz gelistet wird. Thievery Corporation haben ihren Produktionen mehr und mehr auch südamerikanische Bossa- und Reggae-Elemente beigemischt. 

Eric Hilton und Rob Gar-za sind beides DJs, die sich Mitte der 90er in einem Club in Washington, D.C. kennenlernten, wo sie in gemeinsamen Nächten ihr Publikum mit ihrem erfrischenden Mix aus Dub, Bossa Nova, Hip Hop und orientalischer Musik begeisterten. Daraus entstand das DJ-Duo Thievery Corporation und dazu gleich das hauseigene Plattenlabel Eighteenth Street Lounge Music. Zwölf Alben und eine Unzahl an Singles haben die beiden seit ihrem Debüt veröffentlicht, allesamt haben das Prädikat hörenswert verdient und sind mit gleichbleibender Qualität produziert.

Dennoch blieb bei mir ihr erstes Album besonders hängen, ein typisches Frühwerk eben, noch etwas roher und simpler produziert und musikalisch einfach wegweisend für das Jahr 1996. Wunderbar, um es beim Autofahren oder im Urlaub am Strand zu genießen.

Hier finden Sie das komplette Album “Sounds From The Thievery Hi-Fi” von Thievery Corporation bei YouTube.

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