Das Autokratieproblem

Protokolle der Aufklärung #51

Unsere Existenz ist eingebunden in Gesellschaften, die seit Jahrhunderten gewachsen sind. Wir hätten in ihnen gut leben können und würden es heute noch, wenn es da nicht ein ernsthaftes und folgenschweres Problem gegeben hätte und immer noch gibt. Es entsteht aus der Verbindung von Autokratie und großer gesellschaftlicher Macht. Das Wort „Autokratie“ übersetzen wir gewöhnlich mit Selbstherrlichkeit und assoziieren damit ein ungezügeltes Verhalten bestimmter Menschen anderen Menschen gegenüber.

Souveränität und Herrschaft

Nun ist jeder von uns mit einer ordentlichen Portion Selbstherrlichkeit ausgestattet. Sie ist Teil der naturgegebenen individuellen Souveränität. Aber die meisten sozialen Probleme, die daraus erwachsen, regeln sich im Alltag von selbst. Denn jeder braucht den Anderen. Er wird deshalb sein Selbst hin und wieder zurückstecken müssen. Vor allem der Wettbewerb am Markt zügelt das Ich. Die Autokratie hingegen, die mit übermäßiger Macht verbunden ist, ist nicht ohne Weiteres aus der Welt zu schaffen. 

Die Souveränität des Ich ist in Soziologie, Politik, Ökonomie, Jurisprudenz und Psychologie längst als störanfällig im Gerede. Vor allem in letzter Zeit, während und nach der Coronapandemie, wurde wieder heftig darüber diskutiert – angesichts einiger schrankenlos agierender Potentaten. Nicht nur die Coronabefallenen seien krank, heißt es, sondern die Gesellschaft als Ganze mitsamt ihren Machthabern. 

Früher hieß es: Der König ist der Souverän. Heute heißt es: Das „Volk“, die „solidarische Gemeinschaft“, „das Kollektiv“ und deren Vertretung in den Parlamenten seien der Souverän. Künftig wird man gelernt haben müssen, dass nur immer einem Individuum, dem freiheitsbegabten Ich, Souveränität zugesprochen werden darf. Das Ich, dieses so leicht Dahingesagte und in seiner vollen Bedeutung so schwer zu Begreifende, ist der wahre und eigentliche Souverän (Karl Albrecht Schachtschneider; siehe auch meine Sandwirt-Beiträge „Die zwei Seiten des Ich“ und „Die Freiheit des Ich“). 

Die Souveränität des Individuums steht in enger Beziehung zur Souveränität anderer Individuen. Sie kommt beim Tausch, beim Verleih und bei Vertragsabschlüssen zum Tragen. 

Gesellschaftliche Macht ist „jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht“ (Max Weber). Die beiden Konstituentien dieser Macht sind Herrschaft und Knechtschaft. 

Wir Menschen leben wie selbstverständlich und von jeher in vorgegebenen Herrschafts-Knechtsschafts-Verhältnissen. Wir binden uns sogar freiwillig in sie ein, etwa wenn wir uns in die Schuldabhängigkeit eines Vertrags begeben. Bei derart als normal anzusehenden Sachverhalten ist zu fragen: Warum sind wir mit bestimmten Konstellationen von Herrschaft und Knechtschaft unzufrieden, oft darüber empört? Muss sich hier etwas ändern, insbesondere im Hinblick auf die Freiheitsbegabung des Menschen? 

Die zweite Frage ist zu bejahen. Denn in humanoiden Lebensgemeinschaften gibt es nicht nur die gewöhnlichen, gewissermaßen natürlichen Herrschaftsbeziehungen, sondern auch verzerrte und verfälschte. Sie sind nicht erfreulich und man muss sich mit aller Entschiedenheit dagegen wehren. Aber bevor wir beginnen, irgendwelche schnelle Gegenmaßnahmen zu propagieren, gilt es, Grundsätzliches zu bedenken. 

Entstehung der Monopole als übergroße Machtgebilde

Unser Erwachsenenleben findet vorwiegend in Form von Güterproduktion und Güterverkehr statt, dies im Rahmen des damit verbundenen Rechtsgefüges. Jeder, der im Leben aktiv tätig ist, spielt seine soziale Rolle als Produkt- bzw. Leistungsanbieter und zugleich als Produkt- bzw. Leistungsabnehmer. 

Einige der Anbieter werden von den Abnehmern häufig aufgesucht, andere weniger. Das kann so weit gehen, dass alle Mitbewerber eines Anbieters verschwinden und der regelmäßig Ausgewählte eine Alleinstellung am Markt erlangt. Wer eine solche innehat, war Sieger bei einem vorhergehenden Wettbewerb. Und nun ist er – zumindest vorübergehend – Monopolist.

Wettbewerb ist wesensmäßig darauf aus, Sieger zu erzeugen. Wozu sonst Wettbewerb? – So trägt Wettbewerb den Monopolismus gewissermaßen in sich. 

Wir Güterabnehmer sind es, die einigen Güterlieferanten den Sieg über ihre Mitbewerber verschaffen. Sollte Bill Gates eines Tages ein Monopol innehaben, werden wir es gewesen sein, die ihm dazu verholfen haben – durch den Kauf ausschließlich seiner Programme. In einer Wirtschaftsgemeinschaft machen sich, im Gegensatz zum Sport oder zum Krieg, die Sieger nicht selbst. Sie werden von den Anderen – als rational handelnde Menschen – dazu gemacht, und zwar durch Bevorzugung und Kauf ihrer Produkte.

Monopole kommen aber nicht nur durch eine besonnene Auswahl von Gütern, sondern auch aufgrund weiterer rationaler Erwägungen zustande. Sie können sogar begehrte Marktteilnehmer sein, nämlich immer dann, wenn sie den Nutzern dem Wettbewerb gegenüber Vorteile bieten. Das ist der Fall bei Verteiler- und Netzbetrieben (Verkehrs- und Versorgungsnetze: Trinkwasser, Abwasser, Strom, Gas usw.) oder beim Individual- und Territorialschutz. 

Es wäre töricht, z.B. die Abwasserentsorgung wettbewerblich zu betreiben. Man müsste dafür alle Straßen unterirdisch gut bestücken. Oft müssten sie mehrmals aufgerissen werden. Ähnlich verhält es sich mit anderen Netzbetrieben. Zahlmeister für solchen unsinnigen Aufwand ist letztlich die Community der Nutzer. Ebenso verhält es sich mit dem Territorialschutz. Denn im Ernstfall müssten, wenn mehrerer konkurrierende Anbieter vorhanden wären, alle unter ein Kommando. Dieses hätte dann ein Monopol.

Trotz aller Euphorie für den Wettbewerb: Vernunftgeleitete Menschen tun gut daran, bestimmte Monopole zu akzeptieren, zu dulden bzw. eigens einzurichten, und zwar zu ihrem eigenen Vorteil. Konsequenter Pragmatismus fordert in bestimmten sozialen Bereichen zwingend Monopolismus, vor allem auf kommunaler Ebene. 

Monopole werden sich also, wenn es um das Prinzip Bedarfsgerechtigkeit geht, auf ganz natürliche Weise in jeder Gesellschaft erhalten bzw. entwickeln. Wo sie als Sieger aus dem Wettbewerb nicht ohnehin immer wieder neu und wie von selbst entstehen, werden sie eigens geschaffen oder geduldet, und zwar aus Optimierungsgesichtspunkten.

Dieser ökonomische Sachverhalt ist trivial. Und man wundert sich, dass es Leute gibt, die ihn nicht begreifen. Schon eine nur vordergründige Überlegung belehrt darüber, dass eine reine Wettbewerbsgesellschaft kein optimales soziales Gebilde ist. Es widerspricht der Logik des Marktes und verstößt ziemlich gegen jedes Marktgesetz, das mir bekannt ist. 

Der Markt ist von den Interessen und Bedürfnissen der Güterabnehmer geleitet. Hier regiert die „unsichtbare Hand“ (Adam Smith). Diese Hand bringt in manchen Funktionsbereichen Monopole hervor. Die Entstehung eines Monopols ist nicht immer ein kriminelles Ereignis, wie manche glauben, sondern in vielen Fällen ein Vorgang, der auf freien Entscheidungen der Konsumenten beruht.

Den Richterspruch darüber, ob ein Wirtschafts- oder ein Rechtsgut im Wettbewerb oder von einem Monopol geliefert werden soll, überlässt man am besten dem Markt. Der Markt weiß oft besser als wir, was für uns gut ist. Eilfertige Weltverbesserer sollten hier nichts modeln und richten wollen, auch wenn das aufs erste als sinnvoll und gut anmutet. Wie wir alle wissen, ist das Gutgemeinte ist nicht immer das Gute.

Neben den Entstehungsgründen des Monopolismus, die als natürlich anzusehen sind, gibt es solche, die auf Zwang und Gewalt beruhen. So etwas beobachten wir bei den Schutzmonopolen der Mafia in Süditalien oder bei mächtigen Hegemonen, die aufgrund ihres Gewaltpotentials eine Alleinstellung innerhalb der Gesellschaft an sich reißen können. Gleiches gilt für Kartelle, eine besonders unerfreuliche Erscheinungsform des Monopolismus. Während viele Monopole auf Initiative ihrer Güterabnehmer zustande kommen, werden Kartelle durch die Anbieter erzeugt.

Monopol und Autokratie

Sowohl beim Kontakt mit frei gewähltem, als auch mit aufgezwungenem Monopolismus begegnen wir einer Erscheinung, die mit Monopolen genuin verbunden ist: der Autokratie. Sie birgt handgreifliche Gefahren. Bei jedem Monopol drohen die Gefahren, auch bei denen, die auf natürliche Art oder aufgrund rationaler Erwägungen entstanden sind. 

Die Inhaber von Monopolen sind beim Verkehr mit anderen Marktteilnehmern immer Letztentscheider. Diejenigen, die in der Lage sind, Letztentscheidungen zu treffen, dominieren das soziale Geschehen. Ihnen fällt eine im Prinzip unangreifbare Macht zu. Wo es Letztentscheidungen gibt, z.B. bei Geschäften mit Monopolen, sind wir konfrontiert mit dem Autokratieproblem. 

Autokratie kann sich pädagogisch als Oktroy, ökonomisch als Wucher und justiziell als Willkür auswirken. Oktroy endet in Seelenqual, Wucher in Ausbeutung, Willkür in Tyrannei. In einer freien und schlüssig-human organisierten Gesellschaft lässt sich das Autokratieproblem auf pädagogischem Sektor relativ leicht lösen, und zwar innerhalb des Bildungswesens selbst. In Wirtschaft und Recht kann nur ein Teil der dafür erforderlichen Maßnahmen systemintern ergriffen werden. Es kann unwiderleglich gezeigt werden: Die Gefahren, die aus dem Monopolismus für die Gesellschaft entstehen, sind innerhalb dieser beiden Bereiche nicht vollständig zu beseitigen. Wenn es denn eine soziale Funktion zur Ergänzung solcher Gegenmaßnahmen geben soll, dann wäre sie außerhalb von Wirtschaft und Recht anzusiedeln.

Wucher gefährdet die individuelle Lebensentfaltung, weil er die Ressourcen dafür schmälert. Willkür gefährdet die individuelle Lebensentfaltung, weil sie in die Knechtschaft treibt. Beide Erscheinungen haben eines gemeinsam:  Sie gefährden Individualität und Freiheit, indem sie die natürlichen zwischenmenschlichen Verkehrsformen deformieren. 

Ganz heraushalten kann man die Monopole aus der Gesellschaft nur, wenn man sie verbietet. Man müsste demzufolge alle freien Kaufentscheidungen und alle sonstigen Erwägungen der Konsumenten verbieten, die zum Monopolismus hinführen. Weil sich Verbote regelmäßig gegen kriminelle Akte richten, müsste man folgerichtig jeden Konsum zum Verbrechen erklären. Die Absurdität solchen Ansinnens ist offensichtlich.

Der Jurist Friedrich von Hayek stellte zurecht fest: Autokratie ist kein kriminelles Phänomen. Monopolisten sind von Natur aus Autokraten. Autokratie gehört untrennbar zur Kompetenz „Letztentscheidung“. Solange es irgendwo Letztentscheidungen gibt bzw. geben muss, bleiben die Gefahren der Autokratie bestehen. Schon mit der schieren Existenz von Monopolen sind sie vorhanden. 

Bei den Monopolen, deren Güterangebot nicht essentiell ist, erleiden die Güterabnehmer, falls sie das Angebot ablehnen, nur eine Verkleinerung ihrer Lebensmöglichkeiten. Daneben gibt es aber auch Monopole, die obligat sind. Hier können die Nutzer zum Angebot nicht Nein sagen, ohne in eine existentiell bedrohliche Lage zu geraten. Bei einem Monopol, das ein lebenswichtiges Gut liefert oder eine lebenswichtige Dienstleistung erbringt, verlieren sie diese Option. Sie sind gezwungen, die Dinge in der vom Anbieter gelieferten Art und Weise zu akzeptieren. Hier finden sie sich einer Macht ausgeliefert, der sie – zumindest als Einzelne – nichts entgegenzusetzen haben.

Obligate Monopole kommen vor allem dort zum Zuge, wo es um Angebot und Nachfrage der kollektiven Güter geht (der sogenannten „öffentlichen Güter“). Eine Untersuchung zum Thema „Autokratie des Monopolismus“ wird sich deshalb vordringlich mit den Anbietern kollektiver Güter beschäftigen müssen. Heute sind das in der Regel Staaten. Hier finden wir Monopolismus im Bildungs-, Wirtschafts- und Rechtswesen.

Es ist nicht gesagt, dass ein Monopolist seine Machtposition gegenüber seinen Handelspartnern de facto ausnutzt. Aber die Möglichkeit dazu besteht immer. Eine Monopolstellung kann negative Auswirkungen auf die freie Lebensentfaltung innerhalb einer Gesellschaft haben, sie muss es nicht. Jedenfalls erscheint es als sinnvoll, eine Strategie parat zu haben, um die Gefahren zu beseitigen, die den Monopolen naturgemäß anhaften. Da man sie nicht als Delikte klassifizieren kann, entfällt die Möglichkeit, gegen sie rechtlich vorzugehen.

Monopole bestimmen viel direkter und einschneidender unser Leben, als Vielen von uns bewusst ist. Relativ wenige Gesellschaftstheoretiker erkennen die Bedeutung und Größe der Gefahr, die vom Monopolismus ausgeht. Sie zeigt sich nicht überall sofort. Tritt sie aber in Erscheinung, dann geraten die Verkehrspartner der Monopole, z.B. die Abnehmer von Staatsleistungen, in erhebliche Schwierigkeiten. Sie büßen ihren Einfluss auf Preis, Qualität und Quantität des Güter- bzw. Leistungsangebots ein.

Infolge der Existenz von Monopolen können sich soziale Verhältnisse herausbilden, die einen großen Teil der Menschen zu Hörigen einer elitären Nomenklatura macht. Es bildet sich die vielbeschriene Obrigkeiten-Untertanen-Struktur. Die Gefahr, dass eine Obrigkeit entsteht, die eine Vielzahl von Individuen zu Untertanen macht, besteht überall, wo Menschen leben und wo es Monopole gibt. Sie besteht auch dort, wo Einige behaupten, ihr Gemeinwesen sei davon frei. 

Abschaffung aller Monopole?

Nun könnte man fragen: Warum beseitigt man die Monopole nicht einfach? Würde eine Gesellschaft ohne sie nicht besser fahren? Wäre das nicht die Lösung des Autokratieproblems? Hätten wir dann nicht die lang ersehnte freie Gesellschaft?

Solches Fragen veranlasste einige Sozialtheoretiker, ihre Wunschgesellschaft ohne Monopole zu denken. Um das Gefahrenpotential des Monopolismus zu bannen, plädieren sie für die Abschaffung aller Monopole – zugunsten eines umfassenden Wettbewerbs. Dieser Lösungsvorschlag klingt plausibel. Er wurde ja auch schon (zumindest teilweise) in die Tat umgesetzt, z.B. bei Kartellen. Aber bezogen auf den Monopolismus insgesamt hält er einer genaueren Überprüfung nicht stand. Schon der Umstand, dass der Wettbewerb wesensmäßig darauf aus ist, Sieger zu erzeugen – nicht nur beim Sport, sondern auch überall sonst – spricht gegen die Option „Abschaffung“. 

Monopole lassen sich zwar im Bildungswesen durch Abschaffung beseitigen, aber nicht im Wirtschafts- und Rechtswesen. Sie sind so tief in diese beiden Gesellschaftsbereiche eingewachsen, dass man sie vom Wettbewerb nicht trennen kann. Sie sind gewissermaßen entsorgungsresistent. 

Die Monopole werden schon deshalb überleben bzw. nach ihrer Abschaffung immer wieder neu erstehen, weil die Monopolnutzer dies wollen. Man kann wohl viele Monopole abschaffen und sollte dies auch tun, und zwar dort, wo sie aufgrund krimineller Akte zustande kommen, etwa Kartelle. Wer aber alle Monopole beseitigen will, kommt nicht umhin, die oben beschriebenen natürlichen Entstehungsgründe des Monopolismus zu kriminalisieren. Das sind die freien Entscheidungen und Handlungen der Menschen in ihrer Rolle als Konsumenten. 

Sollte Monopolismus gänzlich beseitigt werden, müsste man zugleich allen Wettbewerb beseitigen. Denn der Wettbewerb erzeugt aus sich selbst heraus immer wieder Monopole (als Sieger). Das Aus des Wettbewerbs will aber niemand. Denn ein gut in die Gesellschaft eingewachsener Wettbewerb ist Garant zur Sicherung des einzigen Machtprinzips, das freiheitskombatibel ist. Es lautet „checks and balances“. Der Mensch ist nur dann frei, wenn er im sozialen Verkehr unbehindert prüfen und auswählen kann (checking) und wenn sich sein Machtverhältnis zu anderen Marktteilnehmern im Gleichgewicht befindet (balance). Das ist nicht immer und überall der Fall. Die Monopolnutzer müssen eben wachsam sein. Sie müssen sich auf die Eruption einschlägiger Gefahren gut vorbereiten.

Setzen wir einen durch teilweise Abschaffung oder durch betriebliche Entflechtung („Dezentralisation“) bereits geschmälerten Monopolismus voraus, so ist das noch keine Garantie dafür, dass die Gefahren von Wucher (Ausbeutung) und Willkür (Tyrannei) aus der Gesellschaft verschwinden. Denn trotz aller wirtschafts- und rechtsinternen Bemühungen um Gegenmaßnahmen bleibt die monopolistische Autokratie weiterhin bestehen. Es muss deshalb nach einer Möglichkeit gesucht werden, die Gefahren des Monopolismus zusätzlich und vielleicht sogar endgültig zu bannen, und zwar ohne für eine Totalabschaffung zu plädieren. Denn die wäre letztlich unwirksam und auch irrational.

Kollektive Güter wurden und werden immer erbracht. Und wie es derzeit aussieht, werden sich die Menschen in Bezug darauf auch weiterhin für den Monopolismus entscheiden. So wird sich auch in einer freien Gesellschaft Monopolismus genauso natürlich entwickeln wie Wettbewerb. Die entscheidende Frage ist, ob diese Gesellschaft zulassen will, dass aus dem Monopolismus eine Obrigkeiten-Untertanen-Struktur erwächst bzw. ob sie bereit und in der Lage ist, der Autokratie des Monopolismus Paroli zu bieten. 

Sollte diese Frage nicht die Kernfrage künftiger Politik sein?

Sofern sich eine Sozialtheorie nicht intensiv mit dem Problem „Autokratie des Monopolismus“ auseinandersetzt, ist sie in unverzeihlicher Weise säumig. Weil Monopolismus grundsätzlich nicht zu beseitigen ist, wäre zu fragen: Wie stellt man’s an, dass Leistungsvereinbarungen mit Alleinanbietern genauso freiheitskonform zustande kommen wie im Wettbewerb? Es wird einen Theoriebereich geben müssen, der uns sagt, wie man das soziale Autokratieproblem löst.

Eckardt-Freie-GesellschaftDer Autor dieses Artikels hat in der Edition Sandwirt die Buchreihe „Die freie Gesellschaft und ihre Entstellung, Band 1-4“ veröffentlicht.

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