Die Sanduhr – Betonmischer, Marzipan und Länderwindausgleich

Hatten Sie einen miesen Tag? Also: So richtig mies? Nichts gegen den Tag eines Berliner Feuerwehrmannes, der einen Betonmischer, der eine Radfahrerin überfahren und eingeklemmt hatte, nochmal über die Radfahrerin fahren mußte, um sie freizubekommen, weil sie eingeklemmt mit hundertprozentiger Sicherheit auf der Straße verstorben wäre, im Krankenhaus aber vielleicht eine dürre Überlebenschance hätte – das alles in dem Bewußtsein, daß der Rüstwagen der Feuerwehr, der den Mischer eigentlich anheben sollte, um Sandra Umann, die Radfahrerin, schonend abtransportieren zu können, nur deshalb nicht längst am Unfallort war, weil die Ökoterroristen von »Last Generation« die Straße blockiert hatten.

Gestorben ist sie am Ende doch, aber nachdem die Notärztin zunächst versucht hatte, den Klimaterroristen einen Persilschein auszustellen, steht nach dem detaillierten Bericht der Feuerwehr jetzt fest: Der Radfahrerin hätte definitiv besser geholfen werden können, wäre der Rüstwagen nicht behindert worden. Ob sie dann überlebt hätte, wird nicht mehr festzustellen sein, daß das nochmalige überfahren ihre Situation drastisch verschlechtert hat, ist eindeutig.

Bemerkenswert sind jedenfalls die Details zum rotgrünen Berliner Filz, der sofort dafür gesorgt hat, daß die Ärztin mit nachweislich unsinnigen Behauptungen, aber riesigem Medienecho versucht hat, die Staatsdemonstranten von Vorwürfen wie »Behinderung hilfeleistender Personen« und »fahrlässiger Tötung« reinzuwaschen, denen die Staatsanwaltschaft nun doch nachgehen muß. 

Die Behauptung der Ärztin, daß sie nicht anders vorgegangen wäre, wenn das Spezialfahrzeug sich pünktlich eingefunden hätte, war schon deshalb absurd, weil gar nicht sie, sondern der Einsatzleiter der Feuerwehr darüber zu entscheiden hatte. Und dessen Regularien raten von der Vorgehensweise eines erneuten Überfahrens aus naheliegenden Gründen strikt ab. Solches Vorgehen war die allerletzte – und letztlich auch erfolglose – Notlösung, weil die Klimakleber die weit bessere Lösung des Anhebens eben verhindert hatten.

Ohne Häme, aber zur Illustration des Geschehens sei angemerkt: Sandra Umann teilte die Zielsetzungen der Klimareligion wohl weitgehend, betrieb zusammen mit ihrer Zwillingsschwester ein veganes Modelabel und war Radfahrerin nicht aus Not, sondern aus Überzeugung. Und nur deshalb, weil viele Kommentatoren den Vorfall nutzten, um auf das angeblich autofixierte und radfahrerfeindliche Berlin hinzuweisen, sei auch ergänzt: Einen Radweg hätte es an der Unfallstelle durchaus gegeben. Mit Benutzungspflicht. Die Klimakulturrevolution frißt ihre Kinder.

Carla Rochel, Sprecherin der »Letzten Generation« rechtfertigt solche militanten Aktionen in der Sendung von Herrn Lanz jedenfalls mit Verweis auf Palau, wo wegen des Klimawandels schon »Milliarden Menschen gestorben« seien. Palau hatte 1950 um die 15.000 Einwohner, jetzt sind es knapp 20.000. Ich habe zunehmend Zweifel daran, daß eine Generation, die freitags lieber hüpft als Mathe zu pauken und die ganz allgemein einen etwas schwierigen Zugang zu physischen Realitäten zu haben scheint, valide Lösungsansätze für künftige Krisen finden wird. Georg Restle jedenfalls findet: »Was Carla Rochel bei Lanz sagte, verdient größten Respekt«. Na, dann.

Weil wir gerade von Staatsdemonstranten reden: Das Hamburger Abendblatt zeigt junge Menschen, die Transparente vom Brandenburger Tor abseilen, und titelt: »Letzte Generation: Klimaaktivisten demonstrieren auf dem Brandenburger Tor«. Fast so wie im August ’16, als selbige Zeitung ein fast identisches Photo junger Menschen zeigte, die Transparente vom Brandenburger Tor abseilen. Damals freilich mit dem Titel: »Rechtsextreme: Islamgegner stürmen auf das Brandenburger Tor in Berlin«. Quod licet »Letzte Generation« non licet »Identitäre Bewegung«: Man darf es nie soweit kommen lassen, daß junge Menschen nicht über artifizielle, sondern über reale Krisen nachdenken!

Fridays for Future International strapaziert unterdes auf Twitter die Mär vom palästinensischen Volk, mit dessen Befreiung man sich solidarisiere, und vom neokolonialistischen Apartheidstaat Israel. Es geht eben immer ums Klima. Und wenn es nur ein Klima des mehr oder minder latenten Antisemitismus ist.

Kennen Sie Sascha Kraft und Jonas Sprengart? Nein? Das sind die Maler, die im Oktober in Ludwigshafen als zufällige Opfer von einem Somalier mit einer Machete zermetzt worden waren und die letzte Woche beigesetzt wurden – unter dröhnendem Schweigen des politischen Berlins nebst angeschlossener Medienhäuser. Was ein Somalier überhaupt in Ludwigshafen macht? Ich weiß es doch auch nicht.

Jetzt ist es also soweit: Staatsfunker Restle ruft zum Staatsfunkboykott auf. Man solle sich »diese WM« – ich verfolge das ja nicht so, glaube aber, es geht nicht um Hallenhalma, sondern um Fußball – »nicht anschauen«, weil irgendjemand in Katar irgendetwas gesagt habe, was irgendwelchen nicht sonderlich heterosexuellen Menschen mißfallen könnte. Wer hätte damit auch rechnen können, als ARD und ZDF mit sehr, sehr viel Geld des Zwangsgebührenzahlers die Übertragungsrechte eingekauft haben! Die Gebührenzahlungen einzustellen – soweit geht Restles Boykottaufruf denn aber doch nicht. 

Weil wir gerade vom Staatsfunk reden: Oliver Welkes Heuteshow, ein Propagandaformat, das sich selbst aus unerfindlichen Gründen als Satiresendung versteht, fühlt sich an Goebbels’ Sportpalastrede erinnert, weil Elon Musk angekündigt hat, die Meinungsfreiheit auf Twitter zu stärken, nachdem er den Laden gekauft hatte. Je nun, wer kennt sie nicht, die sprichwörtliche Liebe der Nationalen Sozialisten zur Meinungsfreiheit. Heutzutage aber, wo Goebbels ja doch eher als umstritten gilt, ist die Heuteshow – möglicherweise neben dem einen oder anderen NPD-Kreisverband – einer der letzten Orte, wo er noch als leuchtendes Vorbild für Redefreiheit gefeiert wird.

À propos Musk: Ich wüßte gern, wieviele von denen, die jetzt jammern, wieso es möglich ist, daß ein Milliardär ein einflußreiches Meinungsnetzwerk wie Twitter kauft, sich auch über den erkauften Einfluß des Milliardärs Gates auf die Weltgesundheitsorganisation oder über den Einfluß von Klaus Schwab auf Regierungen in aller Welt ereifern. Ich vermute eine eher dürre Schnittmenge.

Die Evangelische Kirche in Deutschland entsinnt sich einstweilen ihrer Gründungsmaxime »sola scriptura« und eingedenk des Gebotes »Gehet hin in alle Welt, aber laßt es langsam angehen!« beschließt ihre Synode, politische Bemühungen um ein Tempolimit auf deutschen Straßen zu unterstützen, wofern dieses das kanonische Maß von 120 Kilometern je Stunde nicht überschreite. Was darüber ist, ist von Übel.

Im Einzelhandel wurden derweil Marzipankartoffeln für deutlich über 60 Mark je Kilo gesichtet und nein, das ist nicht Lagardes Schuld. Es muß daran liegen, daß die ukraïnischen Marzipankartoffelfelder unter russischem Dauergranatfeuer liegen. Das treibt den Preis selbstverständlich.

Weil wir gerade von Geld reden: Nach dem Länderfinanzausgleich soll jetzt der Länderwindausgleich kommen. Windmühlen in windschwachen Regionen wie Baden-Württemberg will Habeck laut einem Bericht der Stuttgarter Zeitung eine höhere Vergütung je Kilowattstunde sichern als Windkraftanlagen in den windstarken Regionen im Norden. Das heißt: Ausbau von Windkraft soll dort am stärksten gefördert werden, wo er den geringsten volkswirtschaftlichen Nutzen hat. Gutmütige Zeitgenossen werden solche Fehlallokationen knapper Ressourcen als typisches Produkt sozialistischer Planwirtschaft geißeln. Ich habe aber auch Verständnis für jeden, der von blanker Wirtschaftssabotage redet.

Und jetzt zum Wochenquiz: Welche deutsche Parteivorsitzende bezeichnete Front-National-Wähler in Frankreich und Demonstranten, die im pfälzischen Kandel ihren Unmut am Mord an einer 15jährigen zum Ausdruck gebracht haben, als »Faschisten«, WDR-Kritiker, AfD-Wähler und Leute, die Ricarda Lang nach ihrer Qualifikation fragen, als »Nazis«, verbittet sich aber jetzt Vergleiche von Last-Generation-Ökoterroristen mit der RAF, weil das die Opfer der RAF verhöhnen würde? Zu gewinnen sind diesmal tiefe Einsichten über die Selbstverständlichkeit öffentlich zur Schau getragener kognitiver Dissonanzen. Sie dürfen eine Suchmaschine benutzen. Ich glaube an Sie. Sie schaffen das!

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5 Kommentare. Leave new

  • Thomas Lechmann
    15. November 2022 14:16

    Sie verbessern meine Laune nicht, ich habe gerade gelesen dass man die LKW-Maut ab 3,5to erheben wird…das heisst dass mein Bierlieferant zu den Energiekosten auch noch Maut draufschlagen wird. nicht mal mehr dem Suff kann ich mich ergeben….jeder kann mal überlegen wieviele Transporte über 7,5 Tonner laufen. Also wirds tägliche Leben noch teurer, da ja eine allgemeine Mauterhöhung ohnehin ansteht. Die Ampel stopft ihre Löcher https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/einigung-bei-lkw-maut-101.html?fbclid=IwAR2ZfKoXM4EVwzxf_LbCOuCbNKQCqBhpJvT4Hdyocbd2pkpVBfjlNpiprYI

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  • Schall ohne Rauch
    17. November 2022 11:21

    Der ersten Freude, hier wieder auf den Patriarchator zu treffen, folgte die Verwunderung, dass in seinem Autorenprofil von „Brahm‘s Deutsches Requiem“ die Rede ist.

    Ein solches Apostroph-Verbrechen wäre dem Patriarchator niemals passiert!

    Bis zur Korrektur und dem öffentlichen Kujonieren des Verantwortlichen muss ich daher davon ausgehen, dass es sich hier nur um einen unfähigen Felix Krull handelt…

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    • Interessant, dass Sie hier eine Romanfigur von Thomas Mann erwähnen, dem ja der Apostroph-Streuer sehr locker saß.

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  • Sehr geehrter Gandalf,
    selbstverständlich nehmen wir niederes Gesinde vom Sandwirt die Schuld für dieses Verbrechen ohne weitere Umschweife auf uns, weil wir nach so vielen Stunden, die wir uns mit dem Patriarchator herumgeschlagen haben, ohnehin nicht mehr nachvollziehen können, wer denn hier den Mist gebaut hat. Von weiterem Üben öffentlicher Selbstkritik wollen wir aber absehen, um nicht auch noch kommunistische Vibes zu verbreiten – nicht, dass auch noch der Commie Eater aufersteht. Sie sind eingeladen, trotz allem Patriarchators Kommentare und auch die der anderen Sandwirt-Autoren weiter mit Brief und Siegel der Authentizität zu rezipieren.
    Ihr zerknirschtes Sandwirt-Team

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  • Schall ohne Rauch
    17. November 2022 15:39

    Danke, die flagellatio in spiritu beruhigt doch sehr.

    Mit besten Gruße

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