Das 9/11-Syndrom

Es ist wahr. Es gibt eine Pandemie. Aber nicht durch das Corona-Virus, sondern durch eine andere Krankheit: Das 9/11-Syndrom. Betroffene nennt man auch asymptomatische Kriegstreiber. Die Krankheit ist sehr ansteckend und hat eine besonders üble Eigenschaft: Sie tötet nicht die erkrankte Person, sondern weit entfernte Menschen. Es gibt aber auch gute Nachrichten: Das Syndrom ist heilbar.

Ich werde also erst die Symptome beschreiben. Da ich kein Unmensch bin, werde ich aber gleich darauf die Schritte nennen, die zur Heilung vonnöten sind. Bevor ich chirurgisch genau die Diagnose beginne, eine kleine Notiz vorweg:

Um uns auf das Wesentliche konzentrieren zu können, vergessen wir bitte mal, dass im April 2023 in einem Gerichtsverfahren der Angehörigen die CIA Dokumente offenlegen musste, die beweisen, dass zwei der Flugzeug-Entführer CIA-Agenten waren. Wir vergessen bitte, dass ein ganzes Gebäude, das WTC7, eingestürzt ist wie bei einer Sprengung und beim offiziellen 9/11-Bericht der US-Regierung nicht ein einziges Mal erwähnt wird. Als habe es das Gebäude nie gegeben. Wir vergessen, dass das Feuer so heiß war, dass der Flugschreiber geschmolzen ist (ein Novum), aber die Pässe der Entführer nicht verbrannt sind. All das und vieles mehr vergessen wir und verhalten uns mal wie ein Tagesschau-Lemming, der an die erlaubte Version der Menschheitsgeschichte glaubt. Alles mit dem Ziel, uns auf das 9/11-Syndrom konzentrieren zu können.

Symptom 1: Ignorieren der Geschichte

Das erste Symptom des 9/11-Syndroms zeichnet sich dadurch aus, dass man beginnend mit dem Tag eines schlimmen Ereignisses der festen Überzeugung ist, dass die Geschichte an diesem Tag beginnt. Entweder hat man sich nie mit der Geschichte auseinandergesetzt oder man ignoriert sie einfach: Der Planet Erde begann an diesem schrecklichen Tag zu existieren und davor ist nichts, ich wiederhole gar nichts, passiert, schon gar nichts, was irgendwie irgendwas mit diesem Ereignis zu tun hat.

So glauben Betroffene des 9/11-Syndroms den Worten George W. Bushs bei dessen Rede an das US-amerikanische Volk vom 20. September 2001: „Sie [die Terroristen] hassen unsere Freiheiten: unsere Religionsfreiheit, unsere Redefreiheit, unsere Freiheit zu wählen, sich zu versammeln und anderer Meinung zu sein.“

Sie haben nie die Worte Osama bin Ladens gelesen, in denen er seinen Hass auf die USA beschrieben hat. In einer dieser Erklärung vom Februar 1998 nennt er drei Gründe, die ich hier abkürze, aber man kann sie hier gerne (auf Englisch) selbst nachlesen:

  1. Die USA besetzen seit über sieben Jahren das Heilige Land des Islams, die Arabische Halbinsel. Sie bauen Militärbasen, die sie als Waffe gegen das muslimische Volk einsetzen. Das beste Beispiel ist die amerikanische Aggression, die Blockade und die Bombardierung des Iraks, der Millionen Iraker zum Opfer gefallen sind. Von Basen in Ländern ausgehend, deren Anführer diese Basen ablehnen, aber hilflos sind.
  2. Trotz der durch die Kreuzritter-Zionisten-Allianz verursachten Schrecken und des Leids wiederholen sie alles nochmal und demütigen die Muslime.
  3. Die USA zerstören den Irak, weil der Irak der mächtigste Nachbarstaat Israels ist. Damit wollen sie die israelischen Interessen durchsetzen und von der Besetzung Jerusalems und vom Mord an Muslimen ablenken.

Osama bin Laden war ein Schlächter, ein Massenmörder. Wieso sollte uns interessieren, was er sagt? Ich meine, das Dokument selbst heißt „Kriegserklärung gegen Juden und Kreuzritter“.

Ganz einfach. Es muss uns nicht gefallen. Der Punkt ist, dass das seine erfolgreiche Rekrutierungsstrategie war. Kein einziges Mal erwähnt er die ach so tollen Freiheiten der USA.

Michael Scheuer war der Chef der CIA-Abteilung, die für Osama bin Laden zuständig war. In seinem Buch beschreibt er, dass die iranischen Ayatollahs jahrelang versucht haben, die Jugend mit Schimpftiraden auf die westliche Popkultur (halbnackte Frauen, Schwule) gegen den Westen aufzustacheln. Natürlich waren sie besorgt, dass die jungen Muslime sich westliche Trends abgucken, aber hat das gereicht, um sie anzustacheln, in einem Krieg gegen die USA zu sterben? Nein.

Es waren stattdessen die oben genannten Punkte, die viele Menschen zu Terroristen gemacht haben. Anders formuliert: Leute wie Osama bin Laden haben nur dann eine Chance, Heerscharen an Terroristen um sich zu scharen, wenn man sie bombardiert und unterjocht. Sonst stoßen ihre Worte auf taube Ohren.

Nach 9/11 und den vielen Selbstmordattentaten hat ein Professor an der University of Chicago namens Robert Pape alle dokumentierten Anschläge auf Zivilisten untersucht. In diversen Interviews und in seinem Buch „Sterben, um zu gewinnen“ beschreibt er sein zentrales Ergebnis: Der wichtigste Faktor bei der Entscheidung, ob jemand einen Anschlag verübt, ist nicht seine Religion, seine sozioökonomische Klasse oder seine Hautfarbe, sondern die Anwesenheit ausländischer Kampftruppen in seinem Heimatland.

Übersetzt: Wer keine Anschläge will, der sollte nicht das Land besetzen, deren Menschen das nicht wollen.

Dass Osama bin Laden ein Massenmörder war, ändert nichts daran, dass die zitierten Gräueltaten echt sind, wie zum Beispiel die Blockade und Sanktionen gegen den Irak, die in den 90ern über eine Million Iraker, darunter 500.000 Kinder getötet haben, wie die US-Außenministerin Madeleine Albright bestätigt hat und fand, dass es die Sache wert war. Oder das von Osama bin Laden zitierte Kana-Massaker, in dem Israel 1996 im Süden Libanons einen Schutzbunker der UN bombardiert und 106 Zivilisten getötet hat.

Es ist völlig egal, ob uns das gefällt. Man kann Osama bin Laden mit jeder Zelle seines Körpers verachten. Das ändert nichts daran, dass a) diese Dinge tatsächlich passiert sind und b) das seine erfolgreiche Rekrutierungsstrategie war.

Aber vom 9/11-Syndrom Betroffene, die interessiert das alles nicht. Die Geschichte beginnt für sie am 11. September 2001.

Symptom 2: Keine Zeit für Beweise

Das zweite Symptom ist das Verhalten gegenüber Beweisen. Der Betroffene ist das perfekte Ziel für das, was man „Gräuelpropaganda“ (aus dem Englischen „atrocity propaganda“) nennt. Dabei wird der weltgrößte Scheinwerfer auf eine abartige, schreckliche, grauenvolle Tat geworfen. Alles, was man als Reaktion darauf tut, erscheint legitim.

„Babys werden aus Brutkästen gerissen, ihre Fingernägel werden herausgerissen, sie kriegen Elektroschocks auf ihre Genitalien.“

Mit zitternder Stimme gab das ein 15-jähriges Mädchen, die nur mit ihrem Vornamen Nayirah genannt wurde, am 10. Oktober 1990 vor dem Menschenrechts-Ausschuss des US-Kongresses zu Protokoll.

Ist doch schlimm, oder? Furchtbar. Grauenhaft. Das war ein zentraler Teil der Argumentation für den 1. Irakkrieg. Wenige Monate später rollten die Panzer.

Das 9/11-Syndrom sorgt dafür, dass man nicht nach Beweisen fragt. Selbst dann nicht, wenn die Folge ein riesiger Krieg sein könnte. Im Gegenteil: Der Infizierte diffamiert jeden, der es wagt, nach Beweisen zu fragen.

  • „Sind dir diese Babys in den Brutkästen egal???“
  • „Beweise? Hier geht es um Babys!“
  • „Beweise? Hast du Nayirah nicht gehört!??“

Dumm nur, dass das Mädchen die Tochter des kuwaitischen Botschafters war. Es war alles erstunken und erlogen. Es hat nur ein paar Hunderttausend tote Iraker gebraucht, um das herauszufinden.

Symptom 3: Vermischung völlig unabhängiger Themen

Das dritte Symptom des 9/11-Syndroms ist, in dieser Atmosphäre der Wut alles miteinander zu vermischen, was das gewünschte Ziel legitimiert. So gab es in den USA auch zur damaligen Zeit Menschen, die Migration kritisch sahen. Wie vermutlich immer und überall.

Im Hirn der Infizierten spielt sich also folgende Akrobatik ab:

„Ich will keine Migranten in meinem Land, vor allem keine Muslime. Jetzt haben fremde Muslime sogar mein Land angegriffen. Also bin ich mit Feuereifer dafür, deren Land auch zu bombardieren.“

  1. Gegen (muslimische) Migration in sein Land sein
  2. Muslimen in anderen Ländern wird Unrecht getan

Diese Aussagen schließen sich nicht aus. Man kann beides gleichzeitig glauben. Doch nicht der vom 9/11-Syndrom Betroffene. Für ihn gibt es nur Hass und Wut und Rachegelüste. Alles wird vermengt. Muslime sind für ihn grundsätzlich böse und anfällig dafür, Anschläge zu verüben. Aus heiterem Himmel, ohne Grund, siehe Symptom 1.

Symptom 4: Diffamierung von Kritikern

Der Infizierte kann nicht verstehen, dass andere Menschen nicht infiziert sind. Für ihn ist klar, dass jeder, der nicht in seine Schimpftiraden, Kriegsgelüsten und Mordphantasien einstimmt, automatisch ein Unterstützer der Terroristen ist.

Wer nicht will, dass wir mit 120-Millionen-Dollar-teuren Kampfjets 50.000-Dollar-teure Bomben auf die 20-Dollar-teure Hütte eines afghanischen Landwirts werfen, die er mit seiner Familie bewohnt, der verehrt Osama bin Laden. Klar.

Die Folgen

Die Folgen dieser Krankheit sind übel, so richtig übel. Mal ganz abgesehen davon, dass man es bejubelt und seiner Regierung ermöglicht, Millionen Menschen zu töten. Auch daheim, in seinem eigenen Privatleben, spürt man die Folgen des 9/11-Syndroms. Es wirkt sich beispielsweise verstärkend auf Migration und schwächend auf Bürgerrechte aus.

Erstens Migration: Die Migration, gegen die man sein kann? Ja, genau die verursacht man! Menschen lieben ihre Heimat. Der beste Beweis ist die Coronadiktatur. Was hier abgelaufen ist, muss ich wohl nicht wiederholen. Wieso sind nicht Millionen Deutsche nach Schweden ausgewandert? Weil fast jeder Mensch seine Heimat liebt. Man kann die Sprache, kennt die Leute, kennt die Umgebung, jede Abkürzung, den Dorf-Klatsch und den besten Bäcker.

Diese Gleichung ändert sich gewaltig, wenn das eigene Land in Schutt und Asche liegt, Familienmitglieder und Freunde getötet wurden und Sanktionen eine Wirtschaftskrise verursachen. Wohlstand erzeugt tiefe Verwurzelung mit seiner Heimat – Tod und Elend erzeugt die Bereitschaft auszuwandern, zigmal bewiesen in der Geschichte. 

Davon will der Infizierte natürlich nichts wissen. Er sieht keine Verbindung zwischen seiner Eselei und der Migration.

Zweitens Bürgerrechte: Krieg war schon immer eine Legitimation für Einschränkungen der Bürgerrechte. Je mehr das eigene Land in einen Krieg verstrickt ist, desto stärker werden die Zügel angezogen. Und nie wieder locker gelassen.

Als Folge von 9/11 wurde beispielsweise der Patriot Act verabschiedet. Ein Gesetz, das wegen großer Bedenken jahrelang nicht eingeführt werden konnte, wurde im Hauruckverfahren durch den Kongress gepeitscht und von George „Sie hassen unsere Freiheit“ Bush unterschrieben.

Ihm haben wir Nettigkeiten zu verdanken wie dass die NSA unsere gesamte Kommunikation überwacht oder dass wir am Flughafen von verschwitzten Schlipsträgern befummelt werden. Keinen stört es mehr. Man hat sich daran gewöhnt. Nichts wird rückgängig gemacht.

Der Großteil der Anklage gegen Julian Assange beruht auf dem Espionage Act. Einem Gesetz von 1917, mit dem der damalige Präsident Woodrow Wilson Kritiker des US-Eintritts in den 1. Weltkrieg verfolgt hat. 106 Jahre später gibt es das Gesetz noch immer.

Zu weit weg? Die Schaumweinsteuer in Deutschland wurde 1902 zur Finanzierung der kaiserlichen Flotte eingeführt und wir zahlen sie immer noch. 121 Jahre.

Die Heilung

Leider gibt es dagegen keine Super-Spritze, die so toll ist, dass man die Verträge geheim halten und den Hersteller von Haftung ausschließen muss.

Aber man kann etwas anderes tun: Bücher lesen und sich mit der Geschichte befassen. Ich rede nicht von Zwei-Minuten-Clips auf Instagram, sondern von echtem Hintergrundwissen.

Daniele Ganser ist ein hervorragender Start für jeden, dessen Englisch nicht so gut ist. Seine Bücher und Videos lesen und schaue ich selbst und habe viel von ihm gelernt.

Wessen Englisch gut ist, dem empfehle ich Scott Horton. Ein Lexikon von Mensch. Er hat mehrere Bücher über diverse Kriege und die Lügen, mit denen sie begannen, geschrieben. Er ist auf X Twitter. Sein Buch „Enough Already“ hat mir all das, was ich oben über die Hintergründe von 9/11 geschrieben habe, beigebracht. Er hat auch eine YouTube-Playlist, in der er die wichtigsten Kapitel des „Kriegs gegen den Terror“ in Videos von je drei bis zehn Minuten Länge beschreibt. Komplett kostenlos.

Wie auch immer Sie sich informieren, Hauptsache Sie informieren sich! Das Thema ist viel zu wichtig, um es zu ignorieren. Wen die vielen Toten in anderen Ländern nicht interessieren, der denke wenigstens an seine eigenen Bürgerrechte und sein Geld, denn eins verspreche ich Ihnen: Beides wird schneller verschwinden, als Sie gucken können, wenn nicht genügend Menschen vom 9/11-Syndrom geheilt werden.

Anschläge verhindert man, indem man sich die Ursache anschaut und sich in die Lage des Gegenübers versetzt. Anhört, was er zu sagen hat. Und nochmal: Erklären und verstehen heißt nicht entschuldigen oder rechtfertigen!

Terrorismus wird für Menschen erst dann zu einer seriösen Alternative, wenn sie nichts mehr zu verlieren haben. Wenn man ihnen alles nimmt.

Die Lektionen aus 9/11 wurden teuer erkauft. Nicht nur mit Geld, sondern vor allem mit menschlichen Leben. Wir täten gut daran, uns an diese Lektionen zu erinnern. Jetzt!

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