Das war 2023

Ein höchst subjektiver Jahresrückblick

Die 20er Jahre stehen ja nicht gerade im Ruf, ein goldenes Zeitalter zu sein. Bisher zumindest. Dennoch gibt es hier und da noch gute Nachrichten. Eine wurde in den letzten Wochen bekannt: Die Betreiber der total unpolitischen Floskelwolke kündigten das Ende des Projekts an. Schade. Nicht. Angeblich haben die beiden Initiatoren zu viel um die Ohren. Immerhin arbeitet einer der beiden beim WDR. Oder ihnen fiel dieses Jahr die Wahl für die Floskel des Jahres zu schwer: Energiewende, Sondervermögen, Doppelwumms und Verkehrswende dürften, zumindest in einer normalen Welt, ziemlich weit vorne gewesen sein. 

Ein Herz für Terroristen

So viel zu den erfreulichen Meldungen. Ein Thema, das nach wie vor die Gemüter bewegt, ist der brutale Angriff der Terrororganisation Hamas auf Israel. Oder genauer, auf die israelische Zivilbevölkerung. Dieses Verbrechen hat auch in Deutschland die Emotionen hochkochen lassen. Vor allem am linken und rechten Rand (don’t call it „Hufeisen“) kam es in den vergangenen Wochen immer wieder zu Solidaritätsbekundungen für die Palästinenser. An der Berliner Freien Universität haben kürzlich Berufsstudenten einen Hörsaal besetzt, um fröhlich gegen Juden und Israel zu hetzen. Die Unileitung verhielt sich eher deeskalierend und ließ den Saal erst am späten Nachmittag räumen. 

So geht „klare Kante“ und „wehret den Anfängen!”  

Zusätzlich aber hat das Massaker vom 7. Oktober die Probleme in der Integration offengelegt. Einige hatten es schon nach den Berichten über Massenschlägereien in den Freibädern im Sommer oder den sich häufenden Vergewaltigungen (vgl. Kriminalitätsstatistik) geahnt. Aber, es ist nicht nur ein Problem in Deutschland. In so ziemlich jedem westlichen Land werden auf Pro-Palästinenser-Demos antisemitische Parolen gebrüllt. Zum Glück steht die Kavallerie schon in den Startlöchern: Die gut zwei Dutzend Antisemitismusbeauftragten in Deutschland werden das Kind schon schaukeln. Oder?

Tschüss, liebe Grüne!

Ach, was waren das noch für Zeiten, als man 2007 oder 2008 über den Bau der Großmoschee in Köln hitzige Debatten geführt hat. Damals postulierten vor allem die Grünen, dass dieses Projekt eine enorm wichtige Integrationsmaßnahme sei. In der Realität halten dort Anno 2023 nicht-binäre Taliban-Typen Reden, um ihr total modernes Weltbild den Gläubigen näher zu bringen. 

Ha, so geht Integration!

Komischerweise sehen das nun immer mehr Menschen kritisch. Hatten die Grünen über Jahre, zwar nicht unbedingt in den Umfragen, aber stets in den Debatten, die Deutungshoheit, bröckelt langsam dieser Nimbus. Gerade bei der Integration konnten sich die Grünen in den letzten Jahren immer darauf verlassen, ihre Agenda, besonders mit medialer Unterstützung, durchdrücken zu können. Das scheint nun langsam aber sicher zu Ende zu gehen. 

Denn nicht nur der Bundeskanzler, auch der grüne Wirtschaftsminister Robert Habeck redet inzwischen offen über Abschiebungen. Auch wurden postwendend einige islamische Organisationen verboten, mit denen man sich noch vor nicht allzu langer Zeit über Integration ausgetauscht hat.

Ja, es mag nur billiger Populismus sein, trotzdem scheint es so, als drehte sich langsam der Wind. Denken Sie nur an die gescheiterte Kampagne gegen Hubert Aiwanger. Auch hier holten sich die linken Parteien, besonders die Grünen, eine blutige Nase. Oder schauen Sie nur nach Hessen oder Bayern. Hier scheint das Ende des Genderns langsam aber sicher eingeläutet zu werden. Vielleicht fällt 2024 auch noch die letzte Bastion grüner Hegemonie: Die currywurstlose Kantine. 

Es bleibt spannend! 

Der blaue Aufstieg

Mit dem grünen Absturz geht der blaue Aufstieg im Jahre 2023 einher. In den Umfragen hat sich die Partei längst auf Platz zwei hinter der CDU etabliert. Es scheint, als seien alle Kipppunkte überschritten. Auch das immer wieder beschworene Narrativ, dass man sich selber zum Nazi macht, wenn man Nazis wählt, scheint nicht mehr zu ziehen. Man hat, vor allem von links, dieses Wort einmal zu oft benutzt. Aber ja, Linke machen keine Fehler und wenn, dann ist es rechte Hetze, sie darauf hinzuweisen. 

Inwieweit die AfD tatsächlich eine Alternative darstellt, wird die erste Regierungsbeteiligung in naher oder ferner Zukunft zeigen. Die Äußerungen vieler Parteispitzen zum Thema Russland, Israel oder der Türkei rufen berechtigte Skepsis hervor. 

Besonders der letzte Punkt hat die Diskussionen um diese Partei verschärft, als ein gewisser Influencer namens Ali Utlu in die AfD eintreten wollte. Anscheinend kuschelt man in dieser angeblich islamkritischen Partei doch lieber mit Islamisten wie Erdogan, anstatt einen schwulen, säkulären und vor allem liberalen Türken in den eigenen Reihen zu akzeptieren. Es bleibt dabei, nur links-woken Weltverbesserern und rechtsradikalen Flachzangen sind Dinge wie Herkunft, Hautfarbe oder Sexualität wichtig.

Laut den regierenden Parteien ist entweder „the devil himself“ Friedrich Merz, die FDP oder die fehlende Kommunikation der großen und reichhaltigen Erfolge unserer Ampel-Regierung schuld an den Umfragewerten der AfD. 

Man darf also gespannt sein, wie lange der blaue Höhenflug noch anhält. 

Der blaue Himmel

2023 markiert auch das Ende von Twitter. Es wurde in X umbenannt. Durch die Übernahme von Elon Musk wurde es für Linke auf X zunehmend ungemütlich. Sie mussten dauernd den Widerspruch subversiver Nicht-Linker über sich ergehen lassen. Das geht gar nicht. Zum Glück ist auch hier die Rettung nicht fern: Bluesky. 

Der sogenannte blaue Himmel ist viel mehr als nur eine „gesittete“ Alternative. Es ist quasi ein gesellschaftliches Experiment. Weil ich ein neugieriger Mensch bin, habe ich natürlich die Chance wahrgenommen und habe mich ebenfalls im Himmel angemeldet. Was soll ich sagen? Langweile pur und hauptsächlich Typen, die sich gegenseitig auf Grund ihrer moralischen Überlegenheit auf die Schulter klopfen. Wenn das der Himmel ist, kann die Hölle gar nicht so schlimm sein. 

Ja, die Diskussionen auf Twitter waren mir in vielen Punkten zu aggressiv und wurden meistens nur auf persönlicher Ebene geführt. Aber, das habe ich im blauen Himmel in den vergangenen Wochen auch schon häufiger erlebt. Besonders von ÖRR-Angestellten. Dennoch habe ich den Eindruck, dass sich viele über meine Kommentare heimlich freuen: Endlich mal wieder jemand, der widerspricht und an dem man sich reiben kann. 

Dabei vermisse ich eigentlich nur die alljährliche Diskussion übers Böllerverbot an Silvester. – Natürlich nicht am 1. Mai. Das ist ja auch etwas ganz anderes.

Das Ende einer Legende

Als ich noch auf Twitter unterwegs war, haben sich vornehmlich linke Promis unter Tränen und Applaus aus der eigenen Bubble von der Plattform verabschiedet (um zwei Wochen später heimlich wieder zu kommen). Als Grund wurde meist der zunehmende „Hass“ auf der Plattform genannt. Auf den Applaus aus dieser Bubble konnte Thomas Gottschalk nicht zählen, als er im Schlusswort seiner letzten „Wetten, dass …“-Sendung die zunehmenden woken Redeverbote monierte. Nein, es gibt keine top down Regierungszensur wie in der DDR. Dafür, und da hat Tommy schon recht, eine laute bottom-up Verbotskultur, die im Namen der guten Sache alles canceln möchte, was nicht ins eigene krude Weltbild passt. 

So geht nämlich Demokratie im Jahre 2023!

Letzte Gedanken

Die Zeit rast. Keine neue, aber dafür eine stets aktuelle Erkenntnis. Deshalb kann ich jedem nur empfehlen, so viel und so weit zu reisen wie etwa Luisa Neubauer, Mario Sixtus oder die Typen von der Letzen Generation. 

Bevor ich es vergesse: Wollen Sie sich gemeinsam mit mir im blauen Himmel langweilen? Schreiben Sie mir eine E-Mail (rohanviking666@gmail.com) und ich verlose unter allen Einsendungen einen Einladungs-Code. Ich würde mich sehr freuen, bekannte Gesichter wieder zu sehen!

Und wenn Sie noch ein wenig Zeit und Ruhe während der Feiertage haben, dann empfehle ich Ihnen wärmstens mein persönliches Album des Jahres: Immortal’s Requiem von Phantom Spell. 

Einen guten Rutsch ins neue Jahr wünsche ich Ihnen!

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