Na Servus – Das war der August 23

Diesen Text gibt es auch als Video mit Wolfgang Herles im Televisor des Sandwirts: Hier.

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Was bleibt eigentlich übrig von diesem schönen Monat August? Meistens bleibt ja etwas hängen, was tatsächlich passiert, was wirklich geschehen ist. Aber in diesem Monat scheint es anders herum zu sein. Wir erinnern uns eher an Dinge, die nicht passiert sind. Wie kommt das? 

Nun, die Bundesregierung kehrt an den Kabinettstisch zurück und man hat den Eindruck, die Ministerinnen und Minister haben ihren Urlaub hinter dem Mond verbracht. Sie haben gar nicht mitbekommen, dass die deutsche Wirtschaft schrumpft und dass das Vertrauen der Bürger in die Demokratie schwindet. Sie ist ganz begeistert und voller Selbstzufriedenheit über das Geleistete und will nun genau da weitermachen. Also 70 Fragen an das Heizungsgesetz und keine einzige Antwort, keine Impulse für die deutsche Wirtschaft – so machen die weiter, als sei nichts geschehen. 

Der eine, der Kanzler, schweigt vielsagend, der andere, Habeck, bockt und Lindner, gelegentlich, blockt ein klein wenig. Am Kabinettstisch sehen wir die feministische Außenministerin Annalena Baerbock. Die sollte da gar nicht sitzen. Sie wollte ja im fernen Australien und in Neuseeland dem Triumph der deutschen Fußballfrauen zujubeln. Aus diesem Triumph ist nichts geworden. Warum? Ja, mir scheint das doch ziemlich symbolisch zu sein, der Niedergang des deutschen Fußballs. Das ist symptomatisch für den Zustand dieses Landes.

Ein Land, in dem sich Leistung nicht mehr lohnt, in diesem Land wird nun fast schon systematisch die Leistung selbst verfemt. Das kann man am Deutschen Fußballbund sehr gut sehen, denn dort soll für die Kinder und für die Jugendlichen nicht mehr das Wettbewerbsprinzip gelten, sondern es soll alles Spiel und Tandaradei sein, da soll nicht mehr gewonnen werden und die Verlierer sollen nicht mehr gedemütigt werden. Es ist eh ganz schlecht, in einem Land, in dem es keine Sieger mehr gibt, muss auch keiner mehr beleidigt sein. Es sind dann zwar alle Verlierer, aber wenigstens gibt es keinen Sieger mehr. Da ist der große, mächtige deutsche Sportverband, der Fußballverband, auf dem Weg zu einer woken NGO. Nun, auf diesem Weg ist ja inzwischen das ganze Land. 

Aber die Außenministerin, um auf sie zurückzukommen, ist ja gar nicht bis Australien und Neuseeland gekommen. Sie ist vorher hängen geblieben in Abu Dhabi. Ihr Flugzeug kam nicht mehr weiter, es musste zweimal umdrehen, es musste Flugbenzin ablassen, 160.000 Liter Kerosin, einfach in die Luft gepulvert, ein fast leerer Airbus A340 mit ganz wenig Leuten sollte diese weite Reise unternehmen. 

Das war doch ein ziemlich schlechter Eindruck, den die Ministerin da, wo sie gar nichts dafür konnte, hinterlassen hat. Das war ein ganz schlechter ökologischer Fußabdruck. Sie wusste, dass es Ärger gibt, aber dafür hat sie etwas anderes gewonnen: Sie wurde zum Cover Girl des Monats! Schauen Sie mal, in derselben Zeitung, hier zufällig in der FAZ, und auch noch am selben Tag: gleich zwei Fotos von ihr! 

So war es in den Medien – diese nicht stattgefundene Reise war der Höhepunkt des Monats. Nicht nur für Frau Baerbock. 

Aber schauen Sie bitte genau hin. Die beiden Fotos unterscheiden sich ganz deutlich, geben zwei ganz verschiedene Eindrücke wieder. Wie kann das sein? Nun, hier haben wir das eine Foto, da schaut Frau Baerbock aus wie ein Filmschauspielerin im Trenchcoat. Sehr schick, Trenchcoat in der Wüste. Das könnte auch in Schwarzweiß sein, dieses Foto, man kann sich ein Standfoto aus einem Film vorstellen, vielleicht eine Wiederverfilmung aus der schwarzen Serie – Hollywood – Fahr zur Hölle, Liebling! – Frau ohne Gewissen, eine Verfilmung von Billy Wilder – da könnte Frau Baerbock mitgemacht haben! 

Aber dann gibt es eben auch dieses andere Foto. Wenn man sich das anschaut, da spricht ihr Gesicht eine ganz andere Sprache: „Ich bin hier im falschen Film”, sagt uns dieses Foto, „was mache ich eigentlich hier?” – Ja, was macht sie eigentlich hier? Sie wartet darauf, dass die Landeklappen funktionieren. 

So ist das. Sehr symbolisch für ganz Deutschland. 

Sie soll sich aber bitte nicht einbilden, als sei das ein besonderer Fall gewesen. Ich kann mich an ganz andere Dinge in früheren Zeiten erinnern. Da war es noch viel schlimmer. Schauen Sie mal, dieses Foto habe ich gefunden in einem meiner Schuhkartons.

Der Herr ist der Bundespräsident Richard von Weizsäcker und der zerzauste, ungewaschene Kerl daneben. Das bin ich. Ich war damals, im Jahr 1988, als Reporter, als Studioleiter vom ZDF mit auf dieser wahnsinnigen Reise. Ich schaue so zerfleddert aus, weil da auch wirklich viel los war und weil man keinen großen Komfort hatte auf dieser Reise. 16 Tage nach Afrika. Und was ist da nicht alles passiert!

Es begann in Mali mit einer Lebensmittelvergiftung. Die halbe Delegation war außer Gefecht, auch der Bundespräsident und seine Frau mussten ins Bett, und der mitreisende Entwicklungshilfeminister Johnny Klein übernahm die Leitung der Delegation für einige Zeit. Zweite Station: Nigeria. Da starb ein Kollege am Herzinfarkt. Schweres Klima. Ein Staatssekretär ging durch eine geschlossene Glastür mit entsprechenden Effekten in seinem Gesicht. Dritte Station: Simbabwe. Ein Verkehrsunfall bei einer Kolonnenfahrt, mit Verletzten. Und schließlich Somalia, die vierte Station. Nach dem Abflug in Mogadischu meldete sich der Pilot und sagte, er könne das Fahrwerk nicht mehr einfahren. 

Ja, was nun? Wir flogen gewissermaßen im Tiefflug mit ausgeklappten Rädern quer über das Rote Meer und mussten in Dschidda, Saudi Arabien, landen. Es war nicht ganz sicher. Vielleicht sollte es sogar eine Notlandung werden. Keiner wusste, ob die Räder halten beim Aufsetzen. 

Und so mussten wir, der Bundespräsident genauso wie die kleinen Reporter auf den billigen Plätzen, üben, was für so eine Notlandung notwendig ist. Wir mussten uns so hinter die vorderen Lehnen kauern. 

Es ging ja alles gut. Aber der Unterschied zu heute ist doch wohl: Obwohl damals wirklich was los war, hat die deutsche Öffentlichkeit das fast nicht zur Kenntnis genommen. Das war überhaupt kein großes Thema. So waren die Medien damals. 

Stellen Sie sich vor, das wäre heute passiert: Annalena Baerbock mit einer Magenverstimmung! Mit einem Verkehrsunfall! Und dann noch mit dem Stopp des Flugverkehrs mit der anfälligen Regierungsmaschine! Was für ein Theater hätten die Medien da angezettelt! Was für ein Aufschrei hätte das gegeben! 

Aber nein, es war ja nur ein bisschen Kerosin in der Luft und eine ratlose grün-feministische Außenministerin.

Na Servus!

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