Dezentralisierung und Kultur

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Die Zentralisierung der Macht in immer größeren Einheiten sollte bekämpft werden. Und man sollte die Idee eines Europas oder einer Welt der 1.000 Liechtensteins befördern. Deutschland sollte aus der EU austreten, Österreich sollte aus der EU austreten, so ähnlich wie Großbritannien das gemacht hat. Man sollte Kärnten selbstständig sein lassen, mehr Rechte den Provinzen geben als dem Zentralstaat. Man sollte die staatliche Gewalt immer stärker auf örtliche Größe reduzieren, statt darauf zu bauen, dass man immer größere politische Einheiten kreieren muss.

Deutschland zum Beispiel war im 19. Jahrhundert in über 30 Staaten zersplittert. Goethe hat in seinen Briefen an Eckermann betont, dass gerade diese Zersplitterung Deutschlands dazu geführt hat, dass Deutschland das Land war, in dem es eine blühende Kultur gegeben hat. Jedes der verschiedenen Fürstentümer wollte das beste Theater haben, die beste Universität haben, die besten Gelehrten anziehen. Und Goethe vergleicht das – diese Äußerungen sind ungefähr so um 1830 gemacht worden – mit Frankreich, das ein zentralisierter Staat gewesen ist. Er sagt: Guckt euch an die blühende kulturelle Landschaft in Deutschland, wo jedes kleine Ländchen den besten Chor, die beste Bibliothek und so was haben will und vergleicht das mit Frankreich, wo alles in Paris zentralisiert ist, und das flache Land ist dunkel. Nichts, nichts funktioniert da, und die haben nichts vorzuweisen.

Dasselbe trifft im Grunde auch auf Italien zu. Die Einigung in diesen Ländern ist ja durch Krieg erfolgt. Deutschland ist geeinigt worden, nicht weil man sich freiwillig geeinigt hat, sondern ein Krieg ist durchgeführt worden. Es ist dadurch erst ein Einheitsstaat gewesen. Auch Italien ist erst 1860 vereinigt worden. Das bestand vorher auch aus verschiedenen Stadtstaaten. Italien war zu dem Zeitpunkt ein blühenderes Land, kulturell gesehen, als das heute der Fall ist. 

Also, kleine Einheiten befördern die kulturelle Vielfalt und die kulturelle Konkurrenz und bringen auch wissenschaftlich mehr hervor als große Zentralstaaten, wo ein paar Personen, die die politischen Führer sind, glauben, dass sie wissen, welche Forschung gefördert werden soll und welche Forschung nicht gefördert werden soll.

Vor kurzem habe ich in einer deutschen Zeitschrift gelesen, dass es in Deutschland zehn Lehrstühle für Kernphysik gibt und über 170 Lehrstühle für Gender Studies. Das würde in einem Deutschland des 19. Jahrhunderts mit 39 Kleinstaaten niemals passieren. Dass irgendjemand ein solches verrücktes Experiment anrichten würde, dass man Disziplinen wie Kernphysik kaum noch finanziert, dafür aber eine Unzahl von Lehrstühlen hat, die sich mit Gender Studies beschäftigen. 

Goethe ist mein Zeuge dafür, dass Deutschland und Österreich und ganz Europa besser dran wären, würde man sich an diesen Ratschlag halten: Keine Zentralisierung, sondern Dezentralisierung brauchen wir.

Dieser Text ist ein Ausschnitt aus einem knapp einstündigen Interview, das der Sender ServusTV Ende 2023 mit Hans-Hermann Hoppe in Bodrum führte. Wir servieren im Sandwirt in den nächsten Wochen insgesamt sieben Ausschnitte aus diesem Video per Text, Audio und Video.

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