Demokratie: Die Auswahl der Schlimmsten

Eine der am breitesten akzeptierten Standpunkte unter politischen Ökonomen ist folgender: Jedes Monopol ist schlecht für Konsumenten. – Ein Monopol im klassischen Sinne ist ein exklusives Privileg, das einem einzigen Produzenten eines Gutes oder einer Dienstleistung gewährt wurde, es gibt also keinen freien Marktzugang für andere in diesen bestimmten Produktionsbereich. Anders ausgedrückt: Lediglich eine einzige Agentur darf ein bestimmtes Produkt herstellen. 

Jedes Monopol dieser Art ist schlecht für Konsumenten, weil der Monopolist vor potenziell neuen Marktteilnehmern in diesem Produktionsbereich beschützt wird und deswegen der Preis des vom Monopolisten hergestellten Produkts höher sein wird, während dessen Qualität abnehmen wird.

Absolut ungut!

Diese elementare Wahrheit wird häufig als Argument pro Demokratie herangezogen, im Gegensatz zur Monarchie oder fürstlichen Regierung im klassischen Sinne. Denn in einer Demokratie besteht freier Zugang zum Regierungsapparat – jeder kann Premierminister oder Präsident werden – während sich in einer Monarchie der Zugang zur Macht auf den König und seine Erben beschränkt.

Allerdings ist dieses Argument zugunsten der Demokratie verhängnisvoll mangelhaft. Freier Zugang ist keineswegs immer gut! Freier Zugang und freier Wettbewerb in der Produktion von Gütern ist gut, nicht aber freier Zugang und freier Wettbewerb in der Produktion von Ungütern. 

Beispielsweise ist freier Zugang zum Folter- und Tötungsgewerbe von Unschuldigen oder freier Wettbewerb bei Geldfälscherei und Betrug nicht gut. Sogar schlimmer als schlecht. Welche Art von „Gewerbe” ist also das Regieren? – Antwort: Der Staat ist kein gewöhnlicher Produzent von Gütern, die freiwillig von Konsumenten gekauft werden. Vielmehr ist das Regieren ein „Gewerbe” des Diebstahls und der Zwangsenteignung, nämlich mittels Besteuerung und Geldfälschung, sowie der Hehlerei, nämlich mittels Umverteilung der Beute. Daraus folgt, dass freier Zugang zur Regierung nicht etwas Gutes verbessert, sondern etwas Schlechtes verschlimmert, ja, das Böse befördert.

Das Ausmaß der Bedrohung

Solange die Menschheit ist, wie sie ist, wird es in jeder Gesellschaft Menschen geben, die auf das Eigentum anderer neidisch sind. Einige sind neidischer als andere, aber Individuen lernen normalerweise, nicht aufgrund dieser Empfindung zu handeln, sondern schämen sich vielmehr deswegen. 

Im Allgemeinen gibt es nur einige wenige, die unfähig sind, ihr Begehren für das Eigentum anderer erfolgreich zu unterdrücken – und diese werden als Kriminelle von ihren Mitbürgern verfolgt und mit Haftstrafen bedroht. Unter einer fürstlichen Regierung kann lediglich eine einzige Person – der Fürst – legal auf das Eigentum seiner Mitbürger zugreifen und genau deswegen ist er eine potenzielle Gefahr und schlecht.

Der Fürst ist aber bei der Besteuerung und Umverteilung eingeschränkt, da alle Mitglieder einer Gesellschaft gelernt haben, dass der Einzug und die Umverteilung des Eigentums anderer Bürger schändlich und unmoralisch ist. Deswegen beobachten die Bürger jede Handlung des Fürsten mit Argusaugen. 

Im krassen Gegensatz dazu ist es jedem gestattet, sein Begehren auf das Eigentum anderer frei zum Ausdruck zu bringen, sobald freier Zugang zum Staat herrscht. Was vormals als unmoralisch unterdrückt wurde, wird nun als legitimer Anspruch betrachtet. Jeder kann im Namen der Demokratie öffentlich das Eigentum des anderen begehren und wenn er den Zugang zur Regierung findet, kann er dieses Verlangen sogar in die Tat umsetzen. Darum ist in einer Demokratie jeder eine potenzielle Bedrohung für die anderen.

Konsequenterweise wird unter demokratischen Bedingungen das populäre, aber unmoralische und asoziale Begehren nach dem Eigentum anderer Leute systematisch gestärkt. Jeder Anspruch ist legitim, sobald er öffentlich und gedeckt von der „Meinungsfreiheit” vorgebracht wurde. Wirklich alles kann formuliert, eingefordert und eingezogen werden. Nicht einmal das scheinbar sicherste Eigentumsrecht bleibt von der Umverteilungssucht verschont. 

Schlimmer noch: Gerade jene Mitglieder der Gesellschaft, die am wenigsten oder gar keine Hemmungen besitzen, das Eigentum anderer zu beanspruchen, also ausgerechnet jene amoralischen Demagogen, die am talentiertesten darin sind, Mehrheiten für ihre hemmungslosen, bisweilen unvereinbaren populären Forderungen auf sich zu vereinigen, gelangen vorzugsweise in die Regierung und bis an die Spitze des Staates. Eine schlechte Situation wird dadurch noch schlimmer.

Unter Garantie

Historisch gesehen war die Auswahl eines Fürsten durch den Zufall seiner adeligen Geburt bestimmt. Seine einzige persönliche Qualifikation war typischerweise seine Erziehung zum zukünftigen Fürsten und Bewahrer der Dynastie bzw. seines Status und seiner Besitztümer. Dies garantierte keinesfalls, dass der Fürst nicht schlecht und gefährlich sein würde. Ich möchte aber daran erinnern, dass jeder Fürst, der in seiner obersten Pflicht, nämlich dem Erhalt der Dynastie, versagte – zum Beispiel seine Land ruinierte, Unruhen, Aufstände und Konflikte verursachte – in unmittelbarer Gefahr schwebte, von der eigenen Familie gestürzt oder gar gemeuchelt zu werden. Andererseits schließt der Zufall der noblen Geburt, sowie die fürstliche Erziehung nicht aus, dass der Fürst sich als harmloser Dilettant entpuppt oder sich sogar zu einem guten Menschen im moralischen Sinne entwickelt.

Im Gegensatz dazu verunmöglicht das demokratische Wählen von Staatenlenkern, dass eine gute oder harmlose Person an die Spitze gelangt. Premierminister und Präsidenten werden aufgrund ihrer erwiesenen Effizienz als moralisch hemmungslose Demagogen ausgewählt. Deswegen garantiert die Demokratie, dass es ausschließlich schlechte und gefährliche Menschen bis nach ganz oben schaffen. Freier politischer Wettbewerb und freie Wahlen führen also dazu, dass vermehrt schlechte und gefährliche Individuen an die Macht kommen. Und da sie nur vorübergehend an der Macht und austauschbar sind, werden sie auch kaum je gestürzt.

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6 Kommentare. Leave new

  • Ich bin beeindruckt.
    Dazu fällt mir ein;
    man wird Terry Pratchett kaum als politischen Autoren bezeichnen, der er offensichtlich aber ist, denn er hat dies Problem in seinen Büchern immer wieder behandelt -und Lord Vetinari als Tyrannen über sein Ankh-Morpork eingesetzt.

    Dessen ‘Tyrannis’ beschreibt er unwiderstehlich auf der ersten Seite des ‘Club der unsichtbaren Gelehrten’ in einer Fußnote, die folgenden Nachsatz hat:
    ” *** Ein dritter Vorschlag, demzufolge die Stadt von einer Auswahl respektabler Gemeindemitglieder regiert werden sollte, die versprechen müssten, sich nicht auf hohe Ross zu setzen oder das öffentliche Vertrauen bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu hintergehen, wurde sofort zum Gegenstand von Witzen in allen Varietés der Stadt”

    Vielen Dank und herzliche Grüße.
    Leider aus dieser -und nicht von der Scheibenwelt 😉

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  • Michael Horstmann
    10. Februar 2023 10:37

    Eine dankenswerte kluge Antiposition zu Ernst Bloch, der meinte, dass erst der Kapitalismus den Krieg aller gegen alle (Hobbes) ermöglichte! Übrigens riet Machiavelli dringend dazu, das Eigentum der Untertanen zu respektieren.

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  • Zwar sind diese Leute in einer Demokratie nur vorübergehend an der Macht (wobei “vorübergehend” sehr lange sein kann – denken Sie an Merkel oder Kohl), aber meist lange genug, um immensen Schaden anzurichten. Dies insbesondere, wenn sie den Amtseid zwar leisten, ihn aber mit jeder einzelnen Handlung konterkarieren.

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    • Mit Verlaub, das ist doch nicht etwa gottgegeben, das ist doch eine politische Entscheidung!
      In den VSA z. B. darf ein ein(e) Präsident(in) max. zwei Amtsperioden im Amt bleiben! Eine Dritte ist ausgeschlossen. Aus gutem Grund!
      Wann wird das endlich in der BRD eingeführt?

      Aber: die, die es beschließen könnten, haben gar kein Interesse daran, dass das so beschlossen wird. 🤬

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      • … und falls es mal zu einer guten Regierung kommen sollte darf die nicht weitermachen?
        Nein, ich denke, das Konstrukt ist überholt.

        Antworten
  • Dietrich Pauls
    16. Februar 2023 18:43

    “Deswegen garantiert die Demokratie, dass es ausschließlich schlechte und gefährliche Menschen bis nach ganz oben schaffen.”
    Waren Willy Brandt und Helmut Schmidt wirklich schlecht und gefährlich? Die Demokratie läßt hier wohl auch Ausnahmen zu!?

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