Die große Erzählung

Die westlichen Medien haben laut Umfragen ihr Vertrauen bei der Mehrheit der Bevölkerung verspielt. Laut Statista vertrauen in Deutschland der Presse noch 39 Prozent und dem TV nur noch 27 Prozent. Laut Gallup vertrauen in den USA den Zeitungs-News noch 18 Prozent, den TV-News nur noch 14 Prozent. 

Das verlorene Vertrauen wird kaum durch dieselben Medien zurückgewonnen werden, die es zerstört haben. Der Vertrauensverlust entstand vor allem dadurch, dass zu vielen wichtigen Themen sehr tendenziös berichtet wurde und dass die Menschen im Lauf der Zeit erkennen konnten, dass vieles in Wahrheit falsch, einseitig oder unzureichend dargestellt wurde.

Was dadurch immer klarer wurde, ist, dass die Leitmedien und heute auch die Digitalkonzerne (Facebook, Youtube, Google-Suche etc.; verbessert seit der Übernahme durch Elon Musk: X/Twitter) vor allem anderen eine Aufgabe haben: die jeweils beschlossene Realität zu erzeugen. Dies geschieht durch Erschaffung von Erzählungen, die die Sicht der Bevölkerung auf das jeweilige Weltgeschehen formen sollen. Doch wenn weniger als die Hälfte der Menschen diesen Erzählungen Glauben schenkt, dann wird die Gestaltung der Realitätswahrnehmung immer schwieriger. 

Der Aufbau einer von der Gesellschaft überwiegend geglaubten Realität ist jedoch die Voraussetzung für die Machthaber (der Begriff „Machthaber“ wird hier stellvertretend für diejenigen verwendet, die über die tatsächliche Macht verfügen, ob das nun Politiker, Bankiers, Konzernbosse, Familiendynastien oder andere sein mögen), ihre Pläne erfolgreich und mit wenig Widerstand umsetzen zu können. Wobei die Pläne nicht alle die gleichen sein müssen, da es auch in diesen Kreisen unterschiedliche Vorstellungen gibt und geben wird. Doch ohne die Möglichkeit, die jeweils gewünschte Sicht auf die Geschehnisse erzeugen zu können, verlieren sie in jedem Fall ihren unbedingt benötigten Gestaltungsspielraum. Die Gefahr von Revolten steigt rapide an, sobald größere Teile der Gesellschaft misstrauisch werden oder gar die dahinter liegenden Pläne und Motive klarer erkennen.

Das Problem der Machthaber besteht darin, dass ohne das weitgehende Funktionieren dieser jahrzehntelang erprobten und verfeinerten Propagandawerkzeuge die „echte“ Realität immer mehr ins Bewusstsein der Menschen rückt. Wobei diese „echte“ Realität für den Bürger nur im persönlich erfahrbaren Umfeld existiert: bei der Heizungsabrechnung, Netto vom Brutto, im Supermarkt, in den Schulen, beim Tanken, bei medizinischen Nebenwirkungen usw. Doch schon bei der Interpretation der Ursachen dieser Entwicklungen ist man auf Vermutungen, eigene Erfahrung und Einschätzung und natürlich die Perspektiven der Medien abhängig. „Alles, was wir von der Welt wissen, das erfahren wir durch die Medien“, schrieb vor Jahren schon der Systemtheoretiker Niklas Luhmann. Doch was, wenn der Glaube an eben diese Medien am Boden ist?

Neue Strategien

Welche Strategien und Taktiken könnten die Machthaber planen und entfalten, um aus diesem – für sie neuen – Dilemma siegreich zu entkommen? Das ist die Frage, die vieles in den nächsten Jahren bestimmen wird. Denn ihre Macht beschränkt sich längst nicht auf die koordinierte Realitätserzeugung durch die Medien, sie sind auch in der Lage, große Ereignisse selbst zu initiieren: Kriege, Attentate, Hungersnöte, Lockdowns ganzer Länder, medizinische Eingriffe bei Milliarden von Menschen etc. Bisher waren diese brutalen Maßnahmen immer gedeckt durch die Überzeugung der Bevölkerungsmehrheit, dass alles nur zu ihrem Besten wäre (oder zumindest zum Besten des „Wertewestens“). Nun aber – auf Grund der schwindenden Fähigkeit, die Weltsicht der Mehrheiten zu steuern – droht eine Situation, in welcher radikalen Maßnahmen die breite Zustimmung fehlen könnte. Was bedeutet das?

Eine der weltweit einflussreichsten Organisationen, das World Economic Forum (die „Davos-Clique“) unter Leitung des Kissinger-Zöglings Klaus Schwab, hat ihre Jahrestagung 2021 in Dubai unter dem Motto „The Great Narrative“ abgehalten (leider ist auf der Website zum Programm fast nichts mehr zu finden). Dennoch ist dies ist ein eindeutiger Hinweis darauf, worum es in nächster Zeit gehen wird. Die Große Erzählung bedeutet zweierlei: 

Erstens, dass es eine neue allgemeinverbindliche Erzählung geben soll, die für die gesamte Welt Gültigkeit hat. Welche das ist, können wir heute schon erahnen: es ist die Hypothese, dass wir Menschen dem Planeten und dem Klima unbeschreiblichen Schaden zufügen, dass wir alle von Grund auf Klima- und Umweltsünder sind. Mit einem Wort: der Mensch – jeder einzelne – ist sündig und böse. Alle Maßnahmen, die den Zweck haben, diesen Schaden zu verringern, sind dementsprechend absolut gerechtfertigt. Selbst, wenn es darum geht, die absolute Anzahl der Bewohner unseres Planeten zu reduzieren.

Einen Sonderfall stellt das Thema Gesundheitsschutz dar, der vollumfänglich von der WHO geregelt werden soll, da der Einzelne dazu angeblich nicht in der Lage ist. Dieses Narrativ wird verwendet, um mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: die Einführung digitaler Bürger-IDs, die Möglichkeit, wiederholt Substanzen in die Menschen injizieren zu können sowie die Kopplung dieser digitalen Identität mit Reisefreiheit, digitalem Geld und weiteren persönlichen Daten. 

Das Great Narrative beruft sich dabei auf absolute Gewissheiten, da weder Klimawandel noch Virengefahr bestritten werden können (wobei deren Ursachen sehr vielfältig sein können und auch sind). Diese Argumentation der absoluten Gewissheit gleicht der von kirchlichen Dogmen, denn auch sie beziehen sich auf ein Höchstes, das nicht hinterfragbar ist: das unmittelbare Wort Gottes, festgehalten in Bibel, Koran oder Tora. 

Heute ist es die unhinterfragbare Wissenschaft, die den Machthabern dazu dient, absolute Gewissheiten in die Weltvorstellung der Menschen zu implantieren. Denn obwohl das Prinzip der Wissenschaft über hunderte von Jahren darin bestand, Hypothesen aufzustellen, um diese dann zu diskutieren, zu widerlegen oder zu erweitern, ist dies bei den großen Themen heute nicht mehr möglich. Auch der Laie kann erkennen, dass dem Ausgrenzen und beruflichen Vernichten von Wissenschaftlern mit abweichenden Erkenntnissen etwas fundamental anderes zugrunde liegt als das Interesse an Wissensgewinn.

Die Verteidigung der Großen Erzählung

Die Große Erzählung (The Great Narrative) bedeutet zweitens, dass jede nur denkbare Methode gerechtfertigt ist, die „Reinheit“ dieser Erzählung zu verteidigen. Das heißt nichts anderes, als dass abweichende Sichtweisen mit allen Mitteln verhindert, zensiert und verfolgt werden müssen, nicht nur bei Wissenschaftlern. 

Tatsächlich haben die Machthaber gar keine andere Wahl, denn bei der Erzeugung der gewünschten Realitätswahrnehmung kann und darf es keine alternative Perspektive geben. Denn wäre dies so und stünden abweichende Sichtweisen im Raum, so würden die Menschen darüber diskutieren und könnten sich entscheiden, was und wem sie eher glauben werden. Es ist leicht zu erkennen, dass dies fatal wäre, wenn es doch nur eine Wahrheit geben darf. 

Um es vollkommen klarzumachen: In dem Moment, an dem die Menschen in größerer Anzahl erkennen, dass es mehrere Möglichkeiten gibt, auf das Weltgeschehen zu blicken, verliert die Große Erzählung ihre Macht zur alleinigen Welterklärung. Und damit verlieren die Machthaber eines ihrer wichtigsten Steuerungsinstrumente. Es geht also im Kern darum, die Wahrnehmung der Realität zu kontrollieren und die absolute Deutungshoheit darüber zu behalten. 

So war bei der letzten Pandemie-Simulation der Gates Stiftung (z.B. hier) im Oktober 2022 die Bekämpfung von „Desinformation“ einer der wichtigsten Punkte: „Countries should prioritize efforts to increase trust in government and public health; improve public health communication efforts; increase the resiliency of populations to misleading information; and reduce the spread of harmful misinformation.”

Ebenso verabschiedeten Bundesregierung und EU mehrere Gesetze zur Bekämpfung von „Desinformation“ sowie „Hass“ – Begriffe, die sich einer klaren Definition vollständig entziehen und damit Zensur und Missbrauch alle Türen öffnen. Nicht einmal EU-Abgeordnete sind sicher: Vier polnische Europaparlamentarier, die 2018(!) ein Video ihrer Partei geteilt hatten, in dem die Probleme aggressiver Einwanderer gezeigt werden, verloren nun (November 2023) ihre Immunität, um strafrechtlich wegen „Verbreitung von Hass“ verfolgt werden zu können. Im Video waren nur Originalszenen zu sehen.

Was ist die „echte” Realität?

Viele Menschen würden der Aussage zustimmen, dass es nur eine Realität geben kann. Wer anderes behauptet erscheint als Spinner, Verschwörungstheoretiker, Schwurbler. Wie Hannah Arendt schon ausführte, „über Tatsachenwahrheiten kann nicht diskutiert werden“. 

Deshalb sind Bilder und Videos so wichtig: wir glauben, was wir sehen. Särge von angeblichen Covid-Toten in Italien (die aus Lampedusa stammten, nach einer Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer), Menschen an Beatmungsgeräten, tote aufgereihte Ukrainer, Lastwagen, die Särge von Covid-Toten abtransportieren (da in Italien die Menschen normalerweise beerdigt werden und plötzlich alle Toten verbrannt werden mussten ohne dass es dazu die notwendigen Krematorien gab): Bilder, die sich eingebrannt haben. Und so entsteht Realität. 

Wer würde über solche Fakten diskutieren wollen? Auch wenn sich im Nachhinein herausstellte, dass der Hintergrund zu dem Bild oder Video ein ganz anderer war, diese Korrektur erreicht nur einen kleinen Bruchteil derer, die vom unmittelbaren Schrecken geschockt waren. Die Mehrheit hat keinen Zweifel an den so geschaffenen „Tatsachenwahrheiten“. Was auch die unüberbrückbaren Gräben in so vielen Diskussionen erklärt. Denn wer Tatsachenwahrheiten in Frage stellt ist – wie gesagt – ein Spinner, Verschwörungstheoretiker, Schwurbler. Ein Mensch, mit dem man nicht diskutieren kann. Es ist leicht zu erkennen, dass das Erschaffen solcher „Fakten“ die Hauptaufgabe bei der Gestaltung der Realitätswahrnehmung darstellt.

Genau an diesem Hebel setzen die Machthaber an, um die Masse in die gewünschte Richtung zu bewegen. Denn niemand ist in der Lage, sich vor Ort über alle Kriegsschauplätze persönlich ein Bild zu machen. Die Ursachen ungewöhnlicher Wetterereignisse selbst zu ergründen. Die Hintergründe von Impfzulassungen im Detail zu analysieren. Oder – und das wäre möglicherweise das Wichtigste – die Beschaffenheit des Weltfinanzsystems in Gänze zu erforschen. 

Diese grundsätzliche und unaufhebbare Unmöglichkeit führt dazu, dass wir Vermittler brauchen, die uns das Weltgeschehen näherbringen und erklären. Womit wir wieder bei den Medien (und Politikern) wären, dem Ausgangspunkt dieser Betrachtung. Und der Frage, welche Strategien zu erwarten sind, wenn die Menschen in Scharen das Vertrauen in ebendiese Realitätserzeuger verloren haben. 

An dieser Stelle beginnt naturgemäß der Bereich der Spekulation. Was vollkommen in Ordnung ist, denn Entwicklungen vorauszudenken ist eine evolutionäre Eigenschaft, die uns schon sehr viel Übles erspart hat. 

Was künftig zu erwarten ist

Naheliegend sind zwei Strategien. Erstens die Übernahme, Beeinflussung oder Vernichtung sogenannter alternativer oder unabhängiger Medien. Die aktuelle EU Gesetzgebung schafft hierfür die Grundlage. Denn diese Medien sind es, die den Menschen weitergehende Erklärungen zu den Geschehnissen anbieten. Gäbe es diese Alternativen nicht, so wären die Bürger ziemlich verloren, denn den „offiziellen“ Quellen schenken sie keinen Glauben mehr und andere lassen sich dann nicht mehr finden. 

Da wir Menschen aber ein starkes Bedürfnis nach Wahrheits- und Sinnfindung, nach Welterklärung haben (warum sonst sollten wir überhaupt Nachrichten konsumieren?), wird diese Situation zu großen inneren Spannungen führen, bei einigen zu Verzweiflung, Depression oder gar Radikalisierung. In diesen Fällen stehen staatliche Institutionen bereit, um „Hilfe“ zu leisten und die Einzelnen besser zu justieren.

Die zweite denkbare Strategie, um mit dem Vertrauensverlust umzugehen, bezieht sich ausschließlich auf die materielle Welt. Wer genießt ein sehr hohes Vertrauen? Derjenige, der einem Menschen seine Hilfe anbietet, ihn vor großer Gefahr errettet. Wer sollte größeres Vertrauen genießen als ein veritabler Lebensretter? Wer hat uns vor dem „absolut tödlichen“ C-Virus errettet? Wer kümmert sich mit dem Aufbau von Wärmestuben darum, dass niemand in diesem Winter erfrieren muss? Wer gibt finanzielle Hilfen aus, damit Geringverdiener ihre Stromrechnungen bezahlen können? Und wer reduziert die Energiekosten für die Industrie, damit sie nicht komplett abwandert? Genau, es ist unser treusorgender Staat, der unsere Grundbedürfnisse sichert, sich um die Ärmsten kümmert und die Unternehmen rettet, die unsere Produktivität sichern. 

Natürlich wird die Große Erzählung alles tun um zu verhindern, dass Menschen auf die Idee kommen, eben dieser Staat habe diese Notlagen ursächlich herbeigeführt oder zumindest zugelassen. Siehe Ziel zwei des Great Narrative: die Reinhaltung der Erzählung.

Doch genügen diese Maßnahmen nicht, um die Große Transformation (Klaus Schwab, Vorsitzender des WEF), die Zeitenwende (Bundeskanzler Scholz) zu bewerkstelligen. Weshalb es künftig noch viel größere Rettungstaten geben wird. Die Situationen, die es dazu braucht, werden mit größter Wahrscheinlichkeit kommen. Gemeinsam mit der Festlegung des oder der Schuldigen. Denn die Erschaffung eines Feindbildes gehört grundsätzlich und gnadenlos dazu. Diese Realität wird uns dann einheitlich und widerspruchsfrei von den dann noch existierenden Medien vermittelt werden. The Great Narrative eben.

„Das ideale Subjekt totalitärer Herrschaft ist nicht der überzeugte Nazi oder der überzeugte Kommunist, sondern Menschen, für die die Unterscheidung zwischen Fakt und Fiktion (d.h., die Realität der Erfahrung) und die Unterscheidung zwischen wahr und falsch (d.h. die Maßstäbe des Denkens) nicht mehr existiert.”

Hannah Arendt , Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft

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1 Kommentar. Leave new

  • Michael Kühnapfel
    14. November 2023 11:05

    Welcher Erzählung sich letztlich behaupten kann, hängt auch davon ab, was die Bevölkerung bereit ist zu glauben. Und in wie weit sie das, was sie glauben will, verteidigt.
    Ein kleines Mittel gegen die große Erzählung ist https://genderfrei.org

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