Elefanten im Berliner Porzellanladen

Botswana hat sich gegen deutsche Belehrung und moralische Deutungshoheit gewehrt. Der Staatschef von Botswana, Mokgweetsi Masisi wehrt sich schlagfertig gegen deutsche Politiker, die ihm erklären, wie das Leben in seinem Land zu funktionieren hat. Er hat den Vorschlag gemacht, Deutschland 20.000 Elefanten zu schenken, weil Umweltministerin Lemke (Grüne), sich für die Verschärfung des EU-Rechts einsetzt, um die Einfuhr von Jagdtrophäen zu reduzieren oder gar zu verbieten. Das empfinden die Botswaner als „einseitiges, widerrechtliches und neokolonialistisches Verhalten“.

Das Angebot kam, weil „die Deutschen so mit den Tieren zusammenleben sollten, wie man es es uns vorzuschreiben versucht.” Durch das Verbot der Einfuhr von Jagd-Trophäen würden zum Schaden Botswanas Armut und Wilderei gefördert. Wegen Überpopulation – Botswana hat die größte Elefantenpopulation in ganz Afrika – wurde das 2014 verhängte Jagdverbot fünf Jahre später wieder abgeschafft. Die Regierung konnte nicht weiter hinnehmen, dass durch die Tiere weiterhin Dörfer und Ernten vernichtet wurden. Tausende von Elefanten hat Botswana bereits an Angola und Mosambik verschenkt. 

Deutsche Politiker wären gut beraten, wenn sie sich in Angelegenheiten anderer Staaten heraushalten, zumal wenn sie noch nie das Land besucht haben. Vielleicht verstehen afrikanische Staaten auch mehr vom Wildtierschutz als Politiker am Schreibtisch in Berlin. 

Elefanten fressen um die 100 Kilo am Tag und zerstören damit auch ihren eigenen Lebensraum. Bis zu 300 Lizenzen für den Abschuss von Elefanten vergibt das Land jährlich nimmt damit etwa 3 Millionen Dollar ein, wovon 50 Gemeinden profitieren.

Da das Land in Deutschland offenbar weithin unbekannt ist, möchte ich Botswana in wenigen Worten vorstellen:

Im nachhaltigen Sinne positiv fallen unter den 55 afrikanischen Nationen eher wenige auf. Doch es gibt einige Länder, die man – mit Einschränkungen – die Musterstaaten nennen könnte. Es sind Staaten, die alle ihren eigenen Weg gefunden haben, um mit den Problemen Armut und politischer wie wirtschaftlicher Instabilität umzugehen. Das Musterland Botswana ist das wohl beste Beispiel. Die sogenannte „Schweiz Afrikas“ ist nicht auf Entwicklungshilfe angewiesen. Niemand dort will das Land in Richtung Europa verlassen.

Botswana ist die älteste Demokratie des Kontinents. Das Land von der Größe Frankreichs spielt eine Vorreiterrolle bei gutem Regierungsmanagement. Mit guter Regierungsführung und dem Diamantenabbau hat sich Botswana von einer armen, von der Viehzucht lebenden Gesellschaft in einen prosperierenden Staat verwandelt. Botswana zeigt durch kluge Verträge, dass Afrika sich nicht mit der Rolle als Rohstofflieferant begnügen muss. 

Die enormen Einkommen aus dem Diamantenabbau fördern die langfristige ökonomische und soziale Entwicklung. Das ist in Afrika bei zahlreichen anderen rohstoffreichen Ländern nicht der Fall. 15 Prozent der Diamanten gehören heute dem Staat, der diese Steine auf eigene Rechnung verkauft. Vor zehn Jahren begnügte man sich noch mit Steuern und Lizenzeinnahmen. Seit 2013 lässt De Beers, der größte Diamantenkonzern der Welt, sein gesamtes Angebot an Rohdiamanten aus aller Welt in Gaborone – statt bisher in London – sortieren und handeln. Gut ausgebildete Fachkräfte und gute Infrastrukturen sind vorhanden. Bereits heute gibt es dort 16 Schleif- und Polierstätten. Wie im benachbarten Namibia ist De Beers in Botswana der größte Steuerzahler.

Durch gute Bildungschancen konnte die Geburtenrate nach unten gedrückt werden: Sie sank in den letzten Jahren auf 2,7 Kinder pro Frau. Gleichzeitig konnte die Sterblichkeitsrate bei Kindern reduziert werden. Es gibt eine weitgehend funktionierende Infrastruktur, die allerdings in einigen Regionen noch verbessert werden muss. 

Seit Jahrzehnten hat Botswana ein positives Wirtschaftswachstum. Es wies für das Jahr 2023 ein Pro-Kopf-Einkommen von 7.758.37 Dollar auf, und es hat keine Schulden. Einige Ratingagenturen stufen das Land in puncto Bonität auf vergleichbarem Niveau mit Italien und Ungarn ein.

Die Staatsführung investiert die hohen Einnahmen aus den Diamantenvorkommen in die Infrastruktur, besonders in die Sektoren Gesundheit und Telekommunikation, und lässt die Gelder nicht, wie andernorts in Afrika, in den Taschen der Machthaber verschwinden. 

Es gibt ein soziales Sicherheitsnetz. Arbeitslose erhalten Grundnahrungsmittel. Ein soziales Entwicklungsprogramm bietet beispielsweise kurzfristige Beschäftigung für Arbeitslose an. Außerdem gibt es ein Rentensystem. Die Rohstoffeinnahmen fließen in einen Staatsfonds – ähnlich dem Fonds in Norwegen. Dieses Geld soll zukünftigen Generationen erhalten bleiben, angespart für eine Zeit, wenn die Diamantenquellen einmal versiegt sein werden. Es besteht Konsens, den Fonds im Wesentlichen unangetastet zu lassen.

Es gibt ein wirtschaftsfreundliches Investitionsklima, zudem ist die Korruption so gering wie in kaum einem anderen afrikanischen Land. Die Institutionen sind stabil – und das ist entscheidend. Die Bürokratie für Importe und Exporte wurde deutlich abgebaut, das Land bemüht sich auch um neue Infrastruktur in der verarbeitenden Industrie und im Dienstleistungssektor. 

Das Land ist Maßstab für wirtschaftliche Entwicklung, Wohlstand sowie politische und soziale Stabilität in Afrika. Das heißt auch vorbildliche Fiskalpolitik, Bildung und Gesundheitsversorgung. Der Staat finanziert zahlreiche Auslandsstipendien, in erster Linie nach Südafrika. Mit acht Prozent des BIP gehören die Bildungsausgaben zu den höchsten der Welt.

In Botswana wird mit dem Segen der Diamantenfunde verantwortungsvoll umgegangen. Als 1967 die ersten Diamanten in der Heimatregion des damaligen Präsidenten Seretse Khama entdeckt wurden, erklärte er sie sofort zu Allgemeinbesitz. Das kann man sich in anderen afrikanischen Staaten nicht vorstellen. Mit guter Regierungsführung und dem Diamantenabbau hat sich Botswana von einer armen, von der Viehzucht lebenden Gesellschaft in eine afrikanische Erfolgsgeschichte verwandelt. 

Seit einigen Jahren ist die Regierung dabei, die Wirtschaft zu diversifizieren. Neben dem Bergbau-Sektor wird das Wachstum mittlerweile auch von den Bereichen Logistik sowie Kommunikations- und Finanzdienstleistungen gestützt. Unternehmerische Tätigkeit wird finanziell gefördert. 

Seit längerem konzentriert sich Botswana auf den Hochpreis-Tourismus. Weltbekannt ist das Okawango-Delta, wo der gleichnamige Fluss, aus dem angolanischen Hochland kommend, spektakulär im Wüstensand versickert. Mit mehr als 20.000 Quadratkilometern ist dort inmitten der Kalahari-Wüste eines der größten und tierreichsten Feuchtgebiete der Welt entstanden.

Noch nie – einmalig nicht nur in Afrika – haben politische Gegner oder Impfgegner im Gefängnis gesessen. Die Botswaner sind stolz auf ihr Land, weil sie Zukunftschancen in der Heimat haben. Auf Booten in Richtung Lampedusa wird man sie nicht finden.

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2 Kommentare. Leave new

  • Es tut gut zusehen, daß die Afrikaner anfangen sich zu wehren.

    Hier der Präsident von Guyana zu den CO2-Vorwürfen eines BBC Reporters
    https://youtu.be/RDv42L8-soA

    Antworten
  • Isaac Blendehexer
    7. April 2024 2:10

    Ich lese ständig von ganz tollen staatlichen Förderungen und sonstigem Interventionismus – in Botswana anscheinend was Feines, bei uns aber Böse (so der Tenor fast aller anderen Artikel hier). Wie passt das zusammen?

    Antworten

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