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Im berühmten Disneyklassiker König der Löwen gibt es diese Szene, in der Timon und Pumbaa dem jungen Simba das Insektenessen schmackhaft machen. Da werden Würmer und Larven geschlürft, die Kruste von Käfern mit den Zähnen geknackt (Sie mögen es doch auch crunchy!) oder deren cremige Füllung angepriesen. Wie Pumbaa zu sagen pflegt: Schleimig, aber vitaminreich.
An dergleichen Bilder müssen die Nutzer in den sozialen Medien gedacht haben, als die EU Hausgrillen und die Larven des Getreideschimmelkäfers zuließ. Auf Twitter tobte der Mob, Memes wurden geteilt und in aller Ohren hieß es frei nach Klaus Schwab: „Ihr werdet Bugs essen und glücklich sein.“ Der Great Reset war wieder in aller Munde, genauso wie die sozialistische EU.
Ich für meinen Teil habe das Ganze mit einer gewissen Gleichgültigkeit verfolgt und mich gefragt, was das soll. Tatsächlich habe ich darüber nachgedacht, ob ich mich überhaupt dazu äußern soll und dann dachte ich mir: Klar! Einmal in hundert Jahren tut die EU etwas Freiheitliches, da darf ich nicht Schweigen. Freiheit? EU? Sie mögen mich für einen ausgemachten Spinner halten, aber damit kann ich leben. Hören Sie mir zu (oder lassen Sie es – denn das ist Freiheit) und es wird vielleicht ein wenig deutlicher, was ich sagen will.
Betrachtet man die Entscheidung der EU, ist eigentlich gar nichts Wildes passiert. Es wurden zwei Insektenarten als Lebensmittel zugelassen. Es wurde kein Rind- und Schweinefleisch verboten, es wurde keinem Fischer die Lizenz entzogen und niemand wurde gezwungen Tofu zu essen. Die Produktpalette wurde lediglich breiter.
Das passierte nicht zum ersten Mal. Bereits 2021 wurden Mehlwürmer und Wanderheuschrecken als Lebensmittel zugelassen und fanden sich kurze Zeit später in frittierter Form im einen oder anderen Snackregal. Wenn Sie mich fragen, nicht sonderlich appetitlich, aber unschädlich.
Und wissen Sie was? Das ist noch nicht alles. Kennen Sie Kinder Schoko-Bons? Sicher kennen Sie die und genau wie ich finden Sie doch bestimmt auch diesen glänzenden Mantel am besten, oder? Nun, der besteht aus nichts anderem als Schellack. Oder auf Deutsch: aus Läusescheiße. Sicher, kein Insekt, sondern Insektenkot, aber irgendwie macht es das nicht appetitlicher.
Sind unter Ihnen menstruierende Menschen? Nun, wer auf roten Lippenstift steht – die knallige Farbe wird durch den Farbstoff Karmin erzeugt, der ebenfalls aus Läusen gewonnen wird. Die Damenwelt schmiert sich also regelmäßig tote Insekten auf den Mund und die Herren holen sich beim Küssen ihren Teil davon ab.
Sie sehen also, dass das, was passiert ist, eigentlich gar nicht so neu ist, wie einige glauben mögen. Natürlich heißt das nicht, Sie sollen jetzt in den Garten gehen, nach Würmern wühlen und sich einen netten Snack machen. Was ich sagen will, ist einfach: Hier wird sich über etwas echauffiert, was zum einen nicht neu ist und zum anderen auch nicht gesundheitsschädlich.
Jetzt sind die beiden Argumente natürlich zu schwach, um Sie vom Larvenlutschen zu überzeugen und das will ich auch gar nicht. Mir selbst ist die Vorstellung, Insekten zu essen, durchaus zuwider. Aber wir sollten uns eben auch vor Augen halten, dass es in anderen Teilen der Welt ganz normal ist.
Vor ein paar Jahren habe ich mal einen Bericht gesehen, in dem Menschen unterschiedlicher Nationen das Essen einer jeweils anderen Nation bewerten mussten. Dort gab es einen Japaner (vielleicht war es auch ein Chinese – es ist schon lange her), der zuschaute, wie man Weißwurst isst. Während ein jeder Bayer genüsslich an seiner Weißwurst zutzelt, kam dem Herren bei der Vorstellung, dass Kälber und Schweine durch den Schredder gejagt werden, um sie hinterher in den eigenen Darm zu stopfen, darin zu brühen und aus selbigem herausgelutscht zu werden, beinahe der Mageninhalt hoch.
Welche Tiere wir essen, welche uns schmecken und wie wir sie zubereiten, ist ein rein kulturelles Thema. In China essen sie Hunde, in Vietnam angebrütete Enteneier, in Frankreich knabbert man an Froschschenkeln und in Deutschland steht man auf Klößchen, die aus dem Rückenmark von Rindern hergestellt werden. All diese Gerichte sind bekömmlich, aber je nach Kulturkreis für den jeweils anderen eklig.
Abschließend möchte ich Ihnen noch erklären, warum ich die Zulassung von Insekten im Essen als freiheitlich empfinde und sogar begrüße. Solange Sie niemand zwingt, Insekten zu essen und solange diese wie alle anderen Inhaltsstoffe Bestandteil der Zutatenliste sind, sind sie lediglich eine Ergänzung der Nahrungspalette.
Sie mögen keine Mehlwürmer? Fein, dann essen Sie halt Bolognese. Grillen sind Ihnen zuwider? Kein Problem, das Kalbsschnitzel ist nach wie vor zu haben. Solange eine Produktpalette breiter wird und ich als Verbraucher die Wahl habe, kann es mir egal sein, ob ich etwas eklig finde. Wenn ich an Schweinskopfsülze, Innereien und Fischrogen denke, ekelt es mich auch.
Ich würde aber nie auf die Idee kommen, es jemandem zu verbieten. Unter diesem Gesichtspunkt hat die EU tatsächlich etwas für die Freiheit getan und seien wir mal ehrlich: Das ist doch viel gruseliger als ein Kakerlakenburger.

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