Ist Fleischverzehr wirklich ungesund? 

Freie Fakten #07

Sie haben es sicher schon häufig aus den öffentlich-rechtlichen Medien gehört: Fleisch sei ungesund. Die Liste an Erkrankungen, die Fleischverzehr zugeschrieben wird, ist lang – darunter Diabetes, Herzerkrankungen und Krebserkrankungen aller Art. Bei einer genaueren Analyse der angeführten Studien zeigt sich allerdings, dass die Datenlage nur wenig bis gar nicht aussagekräftig ist. 

Das Grundproblem: Korrelation und Kausalität

Ein maßgebliches Problem ist, dass die meisten Studien, welche die Auswirkung von Fleischverzehr auf die Gesundheit eruieren, stark confounded sind. Confounding oder Konfundierung bedeutet, dass es bestimmte Variablen gibt, die nicht gemessen werden, aber eigentlich den Zusammenhang zwischen zwei gemessenen Variablen ausmachen. Ein sehr simples Beispiel: 

  • Person A isst mehr Kalorien, mehr Salz, mehr Frittiertes und mehr Fleisch.
  • Person B isst weniger Kalorien, weniger Salz, weniger Frittiertes und weniger Fleisch 
  • Person B ist gesünder als Person A. 

In dieser Konstellation ist es unmöglich, festzustellen, weshalb Person B gesünder ist als Person A, wenn wir nur den Fleischverzehr messen. Denn es könnte auch sein, dass Person B gesünder ist, weil sie weniger Frittiertes ist. Oder sie ist genetisch anders veranlagt. Oder sie konsumiert mehr oder weniger Alkohol. Es gibt hunderte und tausende Faktoren, die in diesem Beispiel nicht kontrolliert werden. 

Selbstverständlich können wir jetzt versuchen, allerhand Lebensstilfaktoren abzufragen und in die statistische Berechnung zu integrieren. Das ist an sich auch ein guter Ansatz. Aber das Grundproblem bleibt bestehen. Das ist unter anderem auch als sogenannter Healthy-Adherer-Effekt bekannt: Manche Menschen, haben insgesamt einen besseren und gesünderen Lebensstil – über etliche Lebensbereiche hinweg. 

Das ist nicht alles. Aus der Forschung wissen wir auch, dass Fragebögen zu Lebensmittelverzehr sehr ungenau sind. Und diese Ungenauigkeit ist bei verschiedenen Personen unterschiedlich groß. Zum Beispiel berichten übergewichtige Menschen eine deutlich geringere Kalorienzufuhr, als sie tatsächlich verzehren – das zeigen Vergleiche von subjektiven Berichten und objektiven Biomarkererhebungen. Das gilt auch für normalgewichtige Menschen, bei übergewichtigen Personen ist die Diskrepanz jedoch größer. Zum Teil ist das durch den sogenannten Response-Bias bedingt: Menschen und insbesondere Frauen tendieren dazu, dasjenige zu berichten, was sie für sozial erwünscht halten. 

Auch eine Kontrolle vieler Variablen wird niemals vollständig für den Healthy-Adherer-Effekt kontrollieren. Und auch nicht für die genetische Veranlagung. Hier hängt die Ernährungswissenschaft dem Forschungsstand anderer wissenschaftlicher Disziplinen tatsächlich teilweise um mehrere Jahrzehnte nach, wo zwar auch oft epidemiologisch (also mit Korrelationen) gearbeitet wird, aber beispielsweise zumindest genetisch ähnliche Geschwister miteinander verglichen werden. 

Der Evidenzgrad der Studien, die zum Ergebnis gelangen, dass Fleischverzehr das Herz- und Krebserkrankungsrisiko erhöht, ist sehr gering. Und teilweise widersprechen diese Befunden beispielsweise Studien aus Ostasien, die beim selben (limitierten) Studiendesign gegensätzliche Zusammenhänge feststellen. 

Eine (ihrerseits stark konfundierte) Anekdote dazu: In Hongkong wird weltweit am meisten Fleisch gegessen, laut der Universität Hongkongs im Durchschnitt täglich 664 Gramm. Die Lebenserwartung dort ist eine der höchsten weltweit – und der IQ ist auch einer der höchsten weltweit. 

Die Studienlage

Gute Studien sind sehr selten. Und viele schlechte Studien machen auch keine einzelne, große Studie – was viele Laien fälschlich glauben, wenn sie hören, Meta-Analysen sei der höchste Grad an Evidenz. Eine Meta-Analyse – also eine Analyse verschiedener Studien – ist immer nur so gut wie die Studien, die untersucht werden. Eine sehr gut konzipierte Studie ist aussagekräftiger als 100 qualitativ minderwertige Studien. Diese Tatsache lässt sich an etlichen Beispielen der Wissenschaftsgeschichte durchdeklinieren. 

Einige wenige gute Studien gibt es. Aber eben nur wenige. Und die zeigen oft das Gegenteil von dem, was weiträumig behauptet wird. Ein Beispiel dafür ist eine institutionell vollständig kontrollierte Studie mit mehreren tausend Teilnehmern. Die Lebensmittelzufuhr der Menschen wurde durchgängig von Wissenschaftlern durchkonzipiert. Männer und Frauen, verschiedene Altersgruppen. Das Ergebnis: Das Ersetzen von tierischem Fett senkt die Sterblichkeit nicht und erhöht möglicherweise sogar das Herzinfarktrisiko. 

Dementsprechend sind Empfehlungen, den Verzehr beispielsweise tierischer Fette einzuschränken, evidenzwidrig. Das ist auch das Ergebnis einer Meta-Analyse des Jahres 2013, die explizit qualitativ hochwertige Studien analysierte.

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Woher kommen die Ernährungsempfehlungen?

Die Ernährungsempfehlung, den Verzehr gesättigter Fettsäuren insbesondere in Form tierischer Fette einzuschränken, wurde in den 70iger-Jahren etabliert. Diese Empfehlung entsprach bereits damals nicht dem tatsächlichen Forschungsstand. Das ist das Ergebnis einer weiteren Studie, die die damaligen hochwertigen Studien analysierte. 

Ernährungsempfehlungen sind keine logischen Ableitungen aus bestehender Evidenz. Es handelt sich letztlich um eine Form von akademischer, politischer und auch weltanschaulicher Übereinkunft. Auch Interessenkonflikte können eine Rolle spielen. 

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