Ein Herz und eine Seele für unsere Bauern

Pflegen Sie auch Ihre Traditionen an Weihnachten und Silvester? Bockwurst zum Abendessen und „Familie Heinz Becker“ an Weihnachten? Raclette und „Dinner for One“ zu Silvester? – Ich gucke mir jedes Jahr, meistens allerdings nur nebenher, „Ein Herz und eine Seele“ zu Silvester an. Dieses Jahr war allerdings etwas anders …

Bevor unser heiß geliebter NDR die Sendung ausstrahlte, gab es einen Warnhinweis für „Ekel Alfred“: Es wurde vor Diskriminierungen aller Art gewarnt! Also schaute ich mir Ekel Alfred dieses Mal besonders genau an, um anschließend mit Freunden, Familienmitgliedern und der heißen Single-Nachbarin einen ergebnisoffenen Sitzkreis abzuhalten (ja, ich bin Pädagoge), um darüber zu debattieren, welche Randgruppe genau in der Sendung eigentlich diskriminiert wird. Neben seiner Frau und einem ausländischen Taxifahrer ist ganz klar die SPD am häufigsten Ziel von Ekel Alfreds Attacken. Also eine immer weiter schrumpfende Randgruppe, die anscheinend nur noch beim ÖRR einige Sympathisanten hat. 

Habeck in Not

Zwar stellt die SPD noch immer den Kanzler und ist mit einer kurzen Unterbrechung seit 1998 an der Regierung, doch wirkt sie zunehmend angeschlagen. Vor allem, seit sich die Wut vieler Bauern auf die Regierung entlädt. Aber nicht nur die SPD ist im Visier der Protestler. Im Zentrum der Kritik stehen immer wieder die Grünen. Gerade für diese Partei ist das ein ungeahnter Zustand. 

Wie ich hier bereits in meinem letzten Beitrag beschrieben hatte, konnte sich diese Partei in den letzten 40 Jahren immer darauf verlassen, dass ihre Ziele durchgesetzt werden, ohne dass sie an der Regierung sein muss. Dieser Nimbus scheint, besonders in der Bevölkerung, aufgebraucht zu sein. 

Das bekam kürzlich auch der grüne Wirtschaftsminister Robert Habeck zu spüren. Wütende Bauern belagerten die Fähre, mit der Habeck gerade aus dem Urlaub einschipperte. Verfolgt man nun die Kommentare der linksgrünen Politiker, Journalisten und Promis, ist Robbie H. gerade noch so mit dem Leben davon gekommen. Auch unsere Demokratie scheint aufgrund des Vorfalls bedenklich zu wackeln. Erinnerungen an den für unseren Staat so kritischen Moment werden wach, als einige gut gelaunte Querdenker die Treppe des Reichstages stürmten, um Selfies zu machen. 

Alle rechts!

Wenn man sich die Stellungnahme der schleswig-holsteinischen Polizei anhört, klingt es nicht mehr ganz so dramatisch. Ja, es gibt Anzeigen wegen Nötigung und Landfriedensbruch, allerdings wird die Szenerie als überwiegend ruhig beschrieben, bis einige Demonstranten versuchten, auf die Fähre zu gelangen. 

Dass die Polizei die Fähre geschützt hat und jetzt gegen die Leute ermittelt wird, die versucht haben, die Fähre zu stürmen, ist richtig. Dass Herr Habeck in akuter Gefahr war und dass unsere Demokratie kurz vor ihrem Ende steht, ist hingegen mehr als übertrieben. 

Selbstverständlich ist es aber ein gefundenes Fressen für grüne Politiker und ihre Fans. Seit der Demonstration der Bauern in Berlin tut man wirklich alles, um die Proteste der Landwirte als „rechts“ oder zumindest als „von rechts unterwandert“ umzudeuten, wie damals die Spaziergänger während der Coronazeit. Selbst der allseits beliebte Hofladen wird künftig boykottiert. Hat ja schon bei der Müllermilch super funktioniert. 

Immer Ärger mit dem Bürger

Apropos Müllermilch. Niemand wird abstreiten, dass die AfD und andere rechte Gruppen versuchen, die Proteste für ihre Zwecke zu nutzen. Allerdings tun das CDU/CSU und Freie Wähler auch. Jede Oppositionspartei würde das machen. Ja, auch Grüne, FDP und SPD, wenn sie in der Opposition wären. Wobei man der Union und den Freien Wählern natürlich zu Gute halten muss, dass sie traditionell auf Seiten der Landwirte stehen.

Dennoch, aus dem Versuch, die Proteste als pauschal rechts zu framen oder anderweitig zu delegitimieren, spricht einerseits Verzweiflung und andererseits blanker Neid.

Verzweiflung deshalb, weil trotz medialem Dauerbeschuss die grüne Hegemonie in den letzten Jahren in der breiten Bevölkerung nur noch Ablehnung erfährt. Neid, weil heimlich gefeierte Proteste durch die Letzte Generation von dem Großteil der Bürger abgelehnt werden.

Grüße aus dem Elfenbeinturm

Warum werden linksgrüne Proteste bzw. Ideen inzwischen vehement abgelehnt? Vielleicht liegt es daran, dass der Bürger ganz einfach seine Ruhe haben möchte und nicht ganz so dumm ist, wie Linke und Grüne immer meinen. Er handelt, vor allem bei Wahlen, aus rein rationalen Gründen: Er macht sein Kreuz bei der Partei, von der er sich wirtschaftlich am meisten verspricht. 

Hier ist auch der Grund, warum die Bauern-Proteste eine breite Unterstützung erfahren und die Letzte Generation nicht. Die Bauern kommen aus der Mitte der Gesellschaft, sie arbeiten hart und bekommen nun vom Staat, der nach der Erstellung eines verfassungswidrigen Haushalts dringend Kohle benötigt, einen Steuervorteil gestrichen. Die Vertreter der Letzten Generation hingegen stammen aus einer Kaste, die für den Normalbürger weder zu erreichen, noch zu verstehen ist. Selbst wenn Malte-Torben und Annika-Marie ihr Studium abbrechen und statt einer geregelten Arbeit nachzugehen lieber Autofahrer nerven, können sie dank Mami und Papi trotzdem noch nach Sri Lanka in den wohlverdienten Erholungsurlaub fliegen. 

Hinzu kommt, dass jedem klar ist, dass das Klima nicht mit 9-Euro-Ticket und Tempolimit gerettet wird. Denn in Wahrheit spielen Bauern und Letzte Generation nicht in einer Liga. Es ist noch nicht mal derselbe Sport. Während es bei den Bauern um Alltagssorgen und 30 Jahre verfehlte Agrarpolitik geht, hat der Protest (und vor allem seine Inszenierung) der Letzten Generation immer etwas Selbstverliebtes gepaart mit wilden Macht- und Umsturzfantasien. 

Die Ampel macht keine Fehler

Dennoch, die Bauern werden von Merz, Aiwanger und der Springer-Presse aufgehetzt. So lautet das Urteil der neidischen Linken. Dass es vielleicht an der Politik der Ampel liegen könnte, ist für diese Leute unvorstellbar. Sie tut doch nur Gutes … Außer die böse FDP natürlich. 

Aber nein, nicht nur der Agrardiesel, verfehlte Agrarpolitik und die Kfz-Steuer sind der Grund für die Proteste und ihre breite Akzeptanz in der Bevölkerung. Anstatt darauf zu verzichten, im Senegal die Energiewende zu subventionieren, in Peru Radwege zu bauen oder China Geld für was auch immer zu spenden, spart man lieber beim Bürger bzw. Bauer. Hinzu kommt, dass die Grünen und besonders Habeck, Baerbock und Co. für den momentanen Zeitgeist verantwortlich gemacht werden. Ein Zeitgeist, der nicht nur das Gendern, sondern auch intellektuell fragwürdige Warnhinweise vor eigentlich linken (!!!) Sendungen wie „Ein Herz und eine Seele“ hervorbringt. Zum Glück gab es bei der Produktion der Sendung noch keine Grünen, „Ekel Alfred“ würde sonst noch im Nachhinein wegen Hass und Hetze angeklagt werden und mindestens seinen Twitteraccount verlieren.

Wer jetzt aber meint, dass es bei linken und grünen Protesten stets friedlich und zivilisiert zugegangen ist, der sollte sich auf keinen Fall alte Reportagen aus Brokdorf, dem Wendland oder der Startbahn West ansehen. Die Bilder könnten Sie zutiefst verunsichern. Auch sollten Sie lieber nicht nachlesen, was man damals so alles über Helmut Kohl geschrieben und gesagt hat. Das war aber sicher etwas ganz anderes, oder?

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