Wo ist gesundes Leben möglich? 

Freie Fakten #11

Städte wachsen. Zugleich gibt es einen nicht unerheblichen Anteil von Menschen, der sich insbesondere nach oder im Zuge einer Familiengründung danach sehnt, ländlicher zu leben. Eine entscheidende Frage dabei: Wie wirkt sich ein städtisches Umfeld auf die Gesundheit von Menschen aus? 

Pionierstudie 

Die Pionierstudie der letzten Jahrzehnte zu Gesundheit und Natur war eine explorative Studie des Jahres 1984. Untersucht wurden 46 Krankenhauspatienten im Alter zwischen 20 und 69 Jahren, bei denen eine Cholezystektomie (Gallenblasen-Operation) durchgeführt wurde, die ohne schwere Komplikationen verlief. 23 Patienten hatten aus dem Fenster einen Blick auf Bäume und Natur, die anderen 23 Patienten auf eine Backsteinmauer. Die Räume waren ansonsten praktisch identisch in Bezug auf Größe oder Ausstattung. 

Die Patienten mit Naturblick hatten im Durchschnitt einen kürzeren Krankenhausaufenthalt – im Durchschnitt 7,96 Tage anstatt 8,7 Tage. Darüber hinaus wurden sie von den Pflegefachkräften als in besserer Stimmung beschrieben. Sie verwendeten auch weniger starke Schmerzmittel. 

Allein durch einen anderen Blick aus dem Fenster. 

Shinrin-yoku – Waldbaden

Im Japanischen heißt Shinrin-yoku so viel wie Waldbaden. Das Waldbaden hat sich in den 1980iger-Jahren als eine präventive Gesundheitsmaßnahme und als therapeutisches Konzept entwickelt. Beim Waldbaden verbringen Menschen gezielt Zeit im Wald und richten ihre Aufmerksamkeit auf die Atmosphäre und Sinneseindrücke, die ihnen die Natur bietet. 

Shinrin-yoku ist kein esoterischer Trend, sondern ein evidenzbasierter Ansatz zur Verbesserung der Gesundheit. 

Es gibt mehrere Studien, die das Waldbaden untersuchen. In der Forschung zeigt sich, dass Waldbaden die Gehirnaktivität, das endokrine System (Hormonsystem) und das Immunsystem positiv beeinflusst. Kortisolwerte im Blut reduzieren sich, ebenso der Puls und Blutdruck. Es kommt zu einer erhöhten Aktivität im Parasympathikus-Nerv. 

Ein Grund dafür ist, dass Menschen sich entspannen, wenn sie in der Natur sind. Dazu tragen nicht nur typisch natürliche Gerüche bei, sondern auch beispielsweise Geräusche. Eine Studie des Jahres 2022 untersuchte 295 gesunde Studienteilnehmer. Diese wurden sechs Minuten lang eine der folgenden vier Kontexten ausgesetzt: monotone Verkehrsgeräusche, diverse Verkehrsgeräusche, monotoner Vogelgesang, diverser Vogelgesang. Die Lautstärke war bei jeder Intervention dieselbe. Vogelgesang reduzierte Angst- und Paranoiagefühle deutlich, depressive Gefühle geringfügig. Verkehrslärm erhöhte depressive Stimmung in moderatem Ausmaß. Nach 6 Minuten. Die Vielfalt der Geräusche war nicht signifikant. 

Eine weitere Rolle spielen vielleicht auch Pflanzenbestandteile in der Luft. Das Einatmen dieser Pflanzenbestandteile könnte möglicherweise die Immunaktivität erhöhen. 

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Fazit

Das Verbringen von Zeit in der Natur ist mit zahlreichen gesundheitlichen Vorteilen assoziiert. Grundsätzlich ist der Mensch biologisch an ein naturnahes Leben adaptiert. Das Großstadtleben hat offenbar den gegenteiligen Effekt. Das bedeutet nicht, dass Landleben gesundheitlich unbedenklich sein muss – Pestizide, Asbest und andere Herausforderungen gibt es auch dort. 

Aber grundsätzlich kann Natur sehr gut tun, physisch wie psychisch. Sie ist auch ohne Idealisierung faktisch seit Jahrtausenden unsere eigentliche geistige und geographische Heimat. 

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