Die große Energiekrise kommt erst noch

Die Strom- und Gaspreise sind im Februar deutlich gesunken. Allerdings liegen sie noch doppelt so hoch wie 2021 und viermal so hoch wie im internationalen Wettbewerb. Ursachen sind der milde Winter, die bis April weiterlaufenden Kernkraftwerke sowie die wieder hinzugeschalteten Kohlekraftwerke. Aber nach wie vor haben wir die höchsten Strompreise der Welt nach Burkina Faso.

Die große Energiekrise steht uns aber erst noch bevor. Wenn die Kernkraftwerke  im April vom Netz gehen und im nächsten Frühjahr die Ersatzkraftwerke auf Kohlebasis vom Netz gehen, wird es ein böses Erwachen geben. Der vom Bundeskanzler angekündigte Bau von täglich fünf Windkraftwerken wird das Problem nicht lösen.

Kein ausreichender Wasserstoff

Denn Windkraftwerke liefern nur ein Viertel des Jahres volle Leistung. An 140 Tagen liefern sie nahezu keinen Strom. Die Bundesregierung glaubt, mit 40 neuen Gaskraftwerken diese Lücke auszugleichen. Diese Kraftwerke sollen bis 2030 auf Wasserstoff umgebaut werden. 

Ausreichenden Wasserstoff wird es aber nicht geben. Es fehlen Elektrolyseure für Wasserstoff, Leitungen für Wasserstoff, Speicher für Wasserstoff und selbst Wasserstoffkraftwerke müssen noch entwickelt werden. Am Ende ist Wasserstoffstrom viermal so teuer wie Erdgasstrom. 

Was Kanzler Scholz nicht sagt: Wir steuern in eine langanhaltende Stromkrise. Sie wird Deutschland viele, viele Arbeitsplätze kosten.

Symptome des Scheiterns

In ihrem in der letzten Woche verabschiedeten Bericht „Versorgungssicherheit Strom” kommt die Bundesnetzagentur schon nicht umhin, darauf hinzuweisen, dass die Stromversorgung in den nächsten Jahren nur gesichert ist, wenn steigende Importe aus Frankreich, Tschechien und Polen stattfinden und wenn „Lastmanagementpotentiale zur Lastreduktion in Knappheitssituationen” erfolgen. Die vernebelnde Sprache bedeutet auf Deutsch, dass die Versorgungssicherheit nur gewährleistet werden kann, wenn industrielle und private Verbraucher jederzeit abgeschaltet werden können. Das ist eine beeindruckende neue Definition von Versorgungssicherheit.

Das liegt auf der Linie der von der Bundesnetzagentur vorgeschlagenen Drosselung von E-Auto-Ladestationen und Wärmepumpenanschlüssen. Wie berichtet wurde, sollte in Mangelsituationen lediglich eine Reichweite von 50 km durch die Ladestation ermöglicht werden. Die Energiewende zeigt die Symptome des Scheiterns bereits bei 900 000 E-Autos und 1 Million Wärmepumpen, also bei 2 Prozent Zielerfüllung.

Wenn wir nicht auf einen Industriestrompreis von 4 ct/kwh kommen, wie ihn Kanzler Scholz im Wahlkampf versprochen hat, wird die stromintensive Industrie in Deutschland keine Zukunft haben.

Viel zu spät

Mit diesen düsteren Aussichten befasse ich mich ausführlich in meinem neuen Buch „Die große Energiekrise“, das gerade im Langen Müller Verlag erschienen ist und aus dem ich hier zitiere:  

Ich bin fest davon überzeugt, dass wir auch noch im Jahre 2045 den größten Teil unserer Energieversorgung durch Erdgas und Erdölprodukte abdecken werden. Das gilt allemal, wenn im Stromsektor, der für die Arbeitsplätze und Wertschöpfung entscheidend ist, weiter die Weichen falsch gestellt werden. Ein Land, das ökonomisch hart zurückfällt, wird sich viele Blütenträume, wie etwa von teurer Wasserstoffwirtschaft, nicht mehr leisten können. 

Ein Land auf dem Niveau eines Schwellenlandes – und auf das steuern wir zu –, wird keinen Beitrag zur Weiterentwicklung der Energietechnologie erbringen können. Am Ende wird es sich auch Energieimporte immer weniger leisten können. Dann, viel zu spät, wird es notgedrungen die heimischen Quellen wie eigenes Schiefergas und heimische Braunkohle anzapfen müssen. 

Bittere Erfahrung

Ich beschreibe in diesem Buch auch, wie sich durch die harte Krisenerfahrung das gesellschaftliche Bewusstsein wieder verändern wird:

Eine Gesellschaft, die nie Energieknappheiten kannte und die mit infantilen politischen Aussagen wie des Speicherns vom Strom im Netz oder der Speicherung von Strom durch Tiefkühlhähnchen oder der Kosten der Energiewende in Form von Eiskugeln für dumm verkauft wurde, muss erst die bittere Erfahrung machen, dass die Energiewende gescheitert ist. Erst dann ist sie bereit, neue Risiken und Chancen zu ergreifen. 

Mit der Energiewende platzen andere politisch korrekte Mantras. Das E-Auto hat in einer Welt von 300 € pro Kilowatt keine Zukunft. Es geht schnell, Technologien, Unternehmen und Arbeitsplätze zu zerstören. Es wird lange dauern, bis in Deutschland wieder Verbrennungsmotoren entwickelt werden, um die uns die Welt beneidet. Es werden Jahre vergehen, bis für diese Entwicklung CO2-armer synthetischer Kraftstoff politische Mehrheiten findet. (…)

Von Fallstricken befreien

Aber es gibt Alternativen und eine Zukunftsperspektive:

Es wird 10 bis 20 Jahre dauern, bis wir uns aus den Trümmern dieser Politik hervorgearbeitet haben. Aber weltweit neue Wege in Forschung und Entwicklung würden zumindest der nächsten Generation helfen, eine 10-Mrd.-Menschheit mit zuverlässigen und preiswerten Energien zu versorgen und nicht wie die jetzige Generation in die selbstgestellte Falle einer langen Energiekrise zu stolpern. 

Aber um sich von all den Fallstricken zu befreien, braucht es eine Zeitenwende der Energiepolitik, eine Abkehr vom grünen Monster des Green Deal, der uns in diese missliche Lage gebracht hat. Der Krieg gegen den Kohlenstoff muss beendet werden. So wie es sogar der Weltklimarat gefordert hat: Ja zur Kernenergie, Ja zu fossilen Quellen mit CO2-Abscheidung und Ja zu Erneuerbaren Energien.

Erst wenn uns irgendwann wieder eine Energie zur Verfügung steht, die preiswert und umweltfreundlich ist und die Versorgungssicherheit verspricht – erst dann werden wir die Große Energiekrise überwinden können!

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2 Kommentare. Leave new

  • Thomas Lechmann
    28. Februar 2023 5:37

    Mal ehrlich, wer soll in diesem Land die Windkraftwerke bauen? Wer soll die Kabel verlegen um die Windräder ans Netz zu bringen? Wie soll man die Speicherung des Stroms schaffen wenn die Dinger mal laufen? Man tut parallel alles dafür die Materialien die erforderlich sind zu verteuern, der Abbau von Kies, Sand Schotter wird erschwert, die Fabrikation von Zement wird als eine der größten Umweltsünden offengelegt. Der Stahl bzw. das Erz kam größtenteils aus Russland. Dazu kommt unser Hauptproblem, die fehlende Manpower im Handwerk. Der sog. Klimakanzler und seine Ampel-Kohorten schwafeln daher von unglaublichen Stückzahlen, hat sich einer mal damit beschäftigt was es für ein Aufwand ist das Windrad vor Ort zu bringen, was es für ein Aufwand ist die erforderlichen Trafostationen und Umspannwerke auf Stand zu bringen? Mit Work Life Balance und Straßenkleben passiert das nicht und unsere Infrastruktur wurde über Jahrzehnte runtergewirtschaftet. Im besten Deutschland aller Zeiten gibts hier Straßenzüge die noch von Wasser- und Stromleitungen aus dem dritten Reich versorgt werden. Das Erschreckende ist, wenn man Leute der neuen woken Gesellschaft darauf anspricht, kriegt man als Antwort, geh halt weg von hier wenn es dir hier nicht passt. Ich hab die letzten 45 Jahre mein Leben in diese Land investiert, warum soll ich weg? Wenn diese Leute mal soviel reinstecken, dann dürfen sie das zu mir sagen.

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  • Was soll “Das E-Auto hat in einer Welt von 300 € pro Kilowatt keine Zukunft.” bedeuten? Welche Leistung ist hier gemeint?

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