Grüße aus dem Elfenbeinturm

Als „Elfenbeinturm“ bezeichnet man einen isolierten Ort, an den sich Personen begeben, um in ihrer eigenen Welt zu leben. Ganz ohne die lästigen Probleme des Alltags. Voraussetzung, um an diesen Ort zu gelangen, ist also eine gewisse Abgehobenheit von der wirklichen Welt. Am besten in irgendeinem Beruf, der einen finanziell weitgehend absichert. Ein Job als Handwerker mit Familie, Hund und Eigenheim, welches abbezahlt werden muss, ist dazu nicht geeignet. 

Als Intendant eines ÖRR-Senders mit üppigem Gehalt und Dienstwagen hingegen kann man sich an einem solchen Ort praktisch 24/7 problemlos aufhalten. Von dort aus kann man schließlich auch viel besser alle anderen Menschen belehren. Aber es gibt selbstverständlich noch viel mehr Bewohner im Elfenbeinturm. Kritik hören sie nicht so gerne. Immerhin kämpfen sie ja für das Gute in der Welt! Bei dieser heiligen Mission ist Widerspruch nicht erwünscht.

Die Letzte Generation

Einen Fensterplatz im Elfenbeinturm haben die „Aktivisten“ von der – hoffentlich – „Letzen Generation“ gebucht. Wie jeder sicher noch aus dem Erdkundeunterricht weiß, rettet nur das Kleben auf Straßen das Klima. Ein Ingenieurstudium wäre viel zu anstrengend und außerdem wird das ja auch nicht so gut bezahlt, wie als alimentierter Vollzeitaktivist im besten Deutschland aller Zeiten. 

Wen interessieren schon die Leute, die im Stau stehen und zur Arbeit oder zum Arzt müssen oder vielleicht sogar selber Arzt sind. Diese verdammten Geringverdiener sollen sich entweder mit den zutiefst edlen Anliegen solidarisieren oder halt im Stau stehen und weiter brav mit ihren Steuern das System bezahlen. 

Während Corona machte auf den sozialen Netzwerken eine ziemlich dämliche Fabel über eine Ameisenkolonie die Runde: Einige Ameisen legten die Arbeit nieder, um sich ihren Verschwörungstheorien zu widmen, während fortan die restlichen Ameisen auch noch die Last der Verschwörungsameisen tragen mussten. Was damals als Metapher für die Querdenkerbewegung gedacht war, beschreibt sehr treffend die selbsternannten „Umweltaktivisten“. 

Aber nicht nur, dass diese Leute sich weigern, mit Vernunft, Realismus und Technik dem Klimawandel zu begegnen, es findet auch noch eine beispiellose Täter-Opfer-Umkehr statt. Nicht die Letzte Generation, die rechtswidrig in den Straßenverkehr eingreift, ist der Täter, sondern, Überraschung, das eigentliche Opfer. Die Täter sind, wer hätte es gedacht, die Politiker aus der bürgerlichen Mitte, die berüchtigte (wahrscheinlich rechte) Falschparkerszene oder eben die aufgebrachten Autofahrer mit ihrem vulgärem Freiheitsverständnis. 

Den Bogen haben die Aktivisten aber wohl doch so langsam überspannt, da immer noch ein Großteil der Bevölkerung die radikalen Methoden der „Letzten Generation“ ablehnt.

Der ÖRR darf alles

Neuerdings wird auch der gute alte ÖRR mit etwas Gegenwind konfrontiert. In einigen sozialen Netzwerken macht der sogenannte „ÖRRBlog” auf sich aufmerksam. Dieser führt den ÖRR und seine prominenten Vertreter täglich vor, in dem er sie schlicht zitiert. 

Einige Mitarbeiter reagieren auf diese Art der Kritik äußerst empfindlich. Besonders der Journalist Lorenz Beckhardt war gar nicht erbaut, dass er an seinen Tagesthemen-Kommentar aus dem Jahr 2019 erinnert wurde, in dem er forderte, Fleisch, das Autofahren und das Fliegen so verdammt teuer zu machen, dass Konsumjunkies wie er davon runter kommen. Er fühlt sich nun verfolgt und spricht von „AfD-Methoden“ und Antisemitismus. Dass Kritik und Widerspruch ein wichtiger Teil unserer liberalen Demokratie sind, muss sich wohl erst bis zu einigen Elfenbeinturmbewohnern herumsprechen. 

Trotzdem bröckelt die jahrelange Unantastbarkeit des ÖRR so langsam. Die Öffentlichkeit, einige Politiker und Journalisten drängen auf die längst überfälligen Reformen. Dies wurde auch in der sehenswerten NDR-Sendung von Tilo Jung offenbar. Immerhin kassiert der ÖRR jährlich knapp zehn Milliarden Euro. Wo bleibt da eigentlich die Kapitalismuskritik? 

Apropos Kritik. Diese wird von den sonst immer so eifrigen Haltungsjournalisten nur sehr zaghaft geäußert, wenn ÖRR-Kollegen mit – vorsichtig ausgedrückt – skurrilen Aussagen über Israels angeblichen Rassismus gegenüber den Palästinensern auffallen. Aber nicht nur die selbsternannten Haltungsjournalisten schweigen dazu. 

Man tut sich im Elfenbeinturm eben schwer mit Kritik gegen die eigenen Leute. Da prügelt man lieber auf Friedrich Merz ein. Der hat ja immerhin „kleine Paschas“ gesagt. Oder auf Dieter Nuhr. Der macht Witze über die armen Klimakleber. Oder natürlich auf die böse FDP. Die verhindert beharrlich das für den Planeten überlebenswichtige Tempolimit. Immerhin wird das von den „Klimaexperten“ aus den grünen Reihen des ÖRR gefordert. 

Politiker sind unsere Angestellten

Wo wir gerade bei den Grünen sind. Cem und Robert sind nach Brasilien gereist und ließen sich von den dortigen Ureinwohnern traditionell schminken. Wehe, Sie nehmen sich das jetzt als Vorbild und gehen nächstes Jahr als Winnetou zum Karneval bzw. Fasching! 

Schön war auch die Erklärung von Robert, dass er und Cem in Deutschland gaaanz wichtige Minister und damit sowas wie Häuptlinge seien. Wie groß das Mitgefühl der Ureinwohner aufgrund dieser Aussage mit den Menschen in Deutschland gewesen ist, wurde leider nicht überliefert. Allerdings sagt so eine Aussage schon wieder so unendlich viel über das Politikverständnis der Grünen in ihrem Elfenbeinturm aus. 

Nein, liebe Grünen, die Regierung ist nicht unser Häuptling. Ihr seid unsere Angestellten! Auch wenn es für Cem und Robert schwer zu glauben ist: Die Macht liegt in einer Demokratie beim Volk. Politiker erledigen nur die lästigen Aufgaben, für die die restliche Bevölkerung keine Zeit hat, da sie arbeiten und Geld verdienen muss. Dieses komische Verständnis von Politik als „Häuptling“ treibt ja auch die Klimaaktivisten bei ihren sinnfreien Aktionen an. 

Das Imperium schlägt zurück

Da sind wir wieder bei unseren Klimaaktivisten (Sie erinnern sich, Fensterplatz und so). Die Initiative „Berlin 2030 klimaneutral“ musste kürzlich beim Volksentscheid in Berlin auf sehr schmerzhafte Weise lernen, wer in einer Demokratie das Sagen hat. Obwohl die Umweltinitiative mit einem Budget von weiter über einer Million Euro in den Wahlkampf gezogen ist, Schützenhilfe von Promis aller Art und dem „neutralen” ÖRR (hauptsächlich durch den RBB) erhielt, sowie die ganze Stadt mit Plakaten zugepflastert hat, stimmten nur etwa 400.000 Bürger mit Ja und knapp ebenso viele mit Nein. Etwa 600.000, also 25 Prozent der Wahlberechtigten, hätten mit Ja stimmen müssen. 

Ein erbärmliches Ergebnis. Und das ausgerechnet im links-grünen Berlin. Man möchte sich gar nicht vorstellen, wie kläglich ein ähnlicher Entscheid in Bayern abgewatscht worden wäre. Schuld waren natürlich die üblichen Verdächtigen von der Springerpresse, der FDP und der fossilen Konzerne. In Wahrheit gab es aber kein wirkliches Bündnis gegen die Klimainitiative. Es ist von ganz alleine gescheitert. 

Vielleicht war es aber auch einfach nur eine subtile Rache der Autofahrer Berlins, deren Geduld aufgrund der Protestaktionen der „Letzten Generation“ in den letzten Monaten auf die Probe gestellt worden war. Es ist schon vorstellbar, dass Leute, die zwar grundsätzlich für den Klimaschutz sind, Zuhause blieben, weil sie diesen radikalen Klimaschutz schlicht ablehnen. 

Wie dem auch sei, viele Menschen haben an diesem Abend ihren Glauben an die Menschheit wiedergefunden, und die Umweltaktivisten wurden auf den Boden der Realität zurück geholt: Für ihre radikalen Ziele gibt es KEINE Mehrheit in der Bevölkerung. Noch nicht mal in Berlin. 

Inwieweit das die Bewohner des Elfenbeinturms stört, bleibt abzuwarten. Immerhin hat die „Letzte Generation“ kürzlich angedroht, ganz Berlin am 24.04. lahm zu legen. Aber ehrlich: „Who cares?“ 

Dass sollten wir eigentlich viel öfter zu den Spinnereien sagen, finden Sie nicht?

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