Lasst die Banken pleite gehen

Wohl jeder hat es mitbekommen: In den USA sind einige Banken unter die Räder gekommen, und auch bei unseren Schweizer Nachbarn musste die Credit Suisse gerettet werden.

Ich weiß nicht, ob es uns auch erwischt, aber eines weiß ich: Falls auch deutsche Banken ins Straucheln geraten, wird uns wieder verschiedenste Propaganda um die Ohren gehauen werden.

Leider habe ich die letzten Jahre miterlebt, wie eigentlich kluge Menschen auf die hanebüchensten Behauptungen reingefallen sind. Daher möchte ich hier meinen Teil dazu beisteuern und die gefährlichsten Lügen entlarven, mit denen unsere weisen Herrscher ihre Macht werden ausbauen wollen.

Diese Themen sind besonders interessant, weil sie nicht auf Banken beschränkt sind. Überall schlägt uns staatliche Propaganda „Lösungen“ vor, die wie zufällig immer zu neuen Steuern, mehr Staatsausgaben und weniger Freiheit führen.

Gewinn und Verlust

Gewinn hat in vielen Kreisen leider keinen guten Ruf. Nichts ist leichter als die bösen Profite zu verteufeln. Die Österreichische Schule, der ich mich zugehörig fühle, sieht das anders. Gewinn ist erstmal nur die Differenz zwischen Umsatz und Kosten. Er ist wichtig, weil er Ressourcen besser allokiert, also sinnvoller bereitstellt, als es ein Politiker je können wird. Gewinn zeigt dem Unternehmer, dass er seine Kunden zufrieden stellt, sparsam mit Ressourcen umgeht und gut kalkuliert hat.

So richtig geht das aber nicht mit Gewinn allein. Genauso wichtig, aber gerne vergessen, ist sein Stiefbruder, der Verlust. Er zeigt dem Unternehmer, dass er seine Kunden nicht zufrieden stellt, nicht sparsam mit Ressourcen umgeht und schlecht kalkuliert hat.

Rettungen durch den Staat verzerren diesen Mechanismus nicht nur, sie sind auch ein fatales Signal an alle anderen Marktteilnehmer: Gewinne könnt ihr behalten, aber bei Verlusten springen wir ein. Das führt dazu, dass andere Banken mehr Risiken eingehen als sonst. Außerdem werden meistens nur die größten Banken gerettet: „too big to fail“ nennt sich dieser Schund. Bankenrettungen führen nicht nur zu wütenden Bürgern, die zurecht über die Boni schimpfen, die sie finanzieren müssen, sondern auch zu einer Atmosphäre, in der die Bank belohnt wird, die am meisten Risiko eingeht und am schnellsten wächst, weil sie sich so der nächsten Rettung sicher sein kann.

Ein freiheitlicher Ansatz würde lauten: Ihr dürft eure Gewinne behalten, aber eure Verluste auch.

Die Einlagen der Sparer

Nichts wird schneller gezückt als diese Karte. Die Aktionäre sollen doch pleite gehen, aber doch nicht die armen Sparer. Dann wird aus irgendeiner Ecke eine bedauernswerte Oma gekramt und suggeriert, ohne Bankenrettung werde sie ihre Ersparnisse verlieren und die Welt werde untergehen.

Hier wird ein Propaganda-Trick bemüht, der auch 2020 bei der Rettung von TUI angewendet wurde und bei jeder anderen staatlichen „Rettung“ angewendet wird: Man suggeriert, ohne Rettung würden diese Firmen vom Erdboden verschluckt werden. Ein Loch geht auf, die Firma samt Inventar, Mitarbeitern und Kontostand verschwindet darin und ward nie wieder gesehen.

Das ist Unsinn. Hätten wir 2020 TUI, Lufthansa und die anderen Tourismusfirmen pleite gehen lassen, wären Firmengebäude und Flugzeuge in einem ganz normalen Insolvenzverfahren an einen Käufer verkauft worden, der besser gewirtschaft hat und vorsichtiger war. Natürlich hätten die Aktionäre wohl Verluste eingefahren, aber wie gesagt: Verluste sind wichtig. Das ist ihr Pech, nicht unseres. Dieser Käufer hätte das Geschäft dann weiterführen können.

Wem ist die Resolute Bank in Ohio, USA ein Begriff? Niemandem? Tja, das liegt daran, dass es sie nicht mehr gibt. Sie ist 2019 pleite gegangen und wurde nicht gerettet. Die Erde hat sich weiter gedreht. Kein Loch ist aufgegangen und hat sie verschluckt.

Stattdessen ist passiert, was in den USA seit 2000 pro Jahr durchschnittlich 19 Mal passiert ist: Die Einlagensicherung springt ein für alle Guthaben bis 250.000 US-Dollar und die Bank wird in einem Insolvenzverfahren an eine andere Bank verkauft. Die Aktionäre verlieren einen Teil ihres Gelds und die Leute mit mehr als 250.000 Dollar verlieren im Schnitt 10–20 Prozent ihres Guthabens. Was hat uns das zu interessieren? Wer investiert, soll und muss sich auf Verluste einstellen. Und wieso sollten Durchschnittsbürger jemanden alimentieren, der mehr als 250.000 Dollar auf dem Konto hat?

Regulierungen

Ich habe die Tweets und Artikel schon vor Augen: Die Lemminge werden lamentieren, Deregulierung habe zu dieser Katastrophe geführt. Die Bankenlobby habe unsere tollen Regulierungen aufgeweicht. Wir müssten noch schärfer regulieren.

Das kann nur jemand sagen, der noch nie einen Einblick in eine Bank hatte. Mir hat in der zehnten Klasse, als ich ein berufsorientiertes Praktikum bei der Sparkasse gemacht habe, ein Mitarbeiter gesagt: „Selbst wenn wir furzen, müssen wir das dokumentieren.”

Es gibt nichts, was nicht reguliert ist. Es ist reguliert, wie viele Formulare sie wann an wen verschicken müssen. Wem sie wie viel Geld zu welchem Zins verleihen dürfen. Wie groß die Schrift auf der Werbung sein darf. Wie viel Prozent ihrer Kredite in welchen Anleihen stecken muss. Wie viele Jahre Berufserfahrung man haben muss, um eine Bank zu gründen. Wie viele Mitarbeiter in welchem Bereich der Kreditvergabe arbeiten müssen.

Es gibt nichts, was nicht reguliert ist. Es ist fast totale Planwirtschaft.

Man kann den Schimpftiraden gegen imaginäre Deregulierung und dem Ruf nach mehr Regulierung mit einer einfachen Bitte entgegnen: „Nenne mir bitte eine Regulierung, die die Bankenpleite verhindert hätte.“

Dann ist immer Ruhe, weil niemand das kann.

Diesem Mythos, Regulierungen seien die Lösung in der Not, wohnt der Irrglaube inne, es gäbe gottgleiche Menschen, die in Regulierungsbehörden arbeiten, einen IQ von 300 haben, alles wissen und alles sehen. Wie Sauron.

Genau wie bei Corona: Politiker und Bürokraten sind mehr als Menschen. Sie sind Götter. Wären da nicht diese Schwurbler und Bankenlobbyisten, sie würden uns ewiges Leben beschweren, Wohlstand schaffen und uns vor Inzidenzen und Bankenpleiten retten.

Unser Glück ist, dass die letzte Bankenkrise nicht lange her ist. Daher ist es nicht schwer, diesen Mythos als den Voodoozauber zu entlarven, der er ist.

Die oberste Regulierungsbehörde der USA ist die Federal Reserve. Sie steht über allen anderen. Am 28. März 2007 hat der FED-Vorsitzende Ben Bernanke ausgesagt:

„Die Auswirkungen der Probleme an den Subprime-Märkten auf die Gesamtwirtschaft und die Finanzmärkte dürften sich in Grenzen halten“

Fast genau 18 Monate später, am 15. September 2008, ist Lehman Brothers pleite gegangen und es folgte eine Wirtschaftskrise. Grund: Subprime-Märkte (zahlungsschwache Schuldner).

Wenn also der Vorsitzende der obersten Regulierungsbehörde so grob daneben liegt, könnte es dann nicht vielleicht sein, dass es nicht möglich ist, etwas zu regulieren?

Eine vielleicht noch interessantere Statistik. Am besagten Tag im Herbst 2008 gab es auf Lokalebene, Bundesstaats-Ebene und auf Bundesebene zusammen genau 115 Regulierungsbehörden für Banken.

Auch wenn es hier bald wieder so weit ist, werden die Rufe nach neuen Regulierungsbehörden mit neuen Befugnissen laut werden. Will mir irgendwer wirklich weismachen, dass all das nicht passiert wäre, wenn es nicht 115, sondern 117 oder 120 Behörden gegeben hätte?

Tanzt nicht nach Pfeifen!

Ich gebe zu, meine Argumentation klingt nicht halb so sexy wie:

  • Es braucht neue Regulierungen.
  • Die Bankenlobby hat dereguliert.
  • Ohne Bankenrettung stürzt die Wirtschaft ab.
  • Wir müssen Oma retten (der Dauerbrenner)

Andererseits ist es so leicht wie nie, die Menschen davon zu überzeugen, dass es andere Möglichkeiten gibt, eine Gesellschaft zu gestalten als mit Diktat und Trillerpfeife. Sie haben seit 2020 nämlich gesehen, was für Teufel am Werk sind.

Ich lehne mich mal aus dem Fenster und behaupte, dass die Köpfe hinter 2G nicht nur bei Corona lügen.

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Der Zufall

2 Kommentare. Leave new

  • Ich bin laie, aber habe erlebt wie bei Lehmann einer bekannten eine Erbschaft verloren ging, weil ihr der Dresdner Bank Vertreter Lehmann Papiere empfahl. Das hatte viel mit vertrauen zu tun, das Geld ist jetzt weg. Da greift keine Einlagesicherung. Deshalb müssen wir heute ständig irgendwelche Formulare ausfüllen.

    Das Problem der Aufsicht ist, dass völlig irrationale Produkte zugelassen werden. Weshalb sind denn diese Banken in die Schieflage geraten?
    Sie haben vermutlich Geld, das sie gar nicht haben “investiert” und diese “Investition” wurde plötzlich wertlos.
    Solange es für diese zügelose Geldvermehrung keine Kontrolle gibt, die solche schieflagen verhindern, machen sie keinen Sinn.

    Aber zu sagen, dann lasst sie einfach pleite gehen, erscheint mir zu kurz gedacht. Wie sich bei Lehmann schon gezeigt hat, das Geld ist evtl. weit verbreitet und steckt daher in u.u. relevanten Systemen.
    Das Grundproblem sind Derivatprodukte die grosse Summen und gefahren verstecken. Eine Regulierung dafür wäre schon lange überfällig. Aber solange einzelne zusammenbrüche “gerettet” werden, solange kann man weiter machen. Denn die kurse steigen ja nach wie vor jenseits von allen anderen wirtschaftlichen kennzahlen.
    Deshalb werden diese Banken gerettet. Weil ihre Papiere toxisch sind. Die anderen mit normalen Kreditgeschäft lässt man gerne pleite gehen. Dann können die hedgefonts sich an den betroffenen Firmen bedienen. Wie im Artikel angedeutet.

    Die grosse Frage ist aber , wie viel wertloses Geld in dem System tatsächlich steckt und wann das bemerkt wird.

    Antworten
  • Guter Artikel. 🙂

    Aber – wenn auch gründlich erklärend – etwas langatmig.

    Ich möchte es prägnant formulieren: (Schlechte) Unternehmen pleite gehen zu lassen (und marktwirtschaftlich durch etwas besseres zu ersetzen) ist die kapitalistische Lösung.
    “Bankenrettung” die Sozialistische.

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