Linke Sprachkunst

Wo auch immer es auf der Welt heiß ist, der Deutsche erfährt davon. Grund ist eine neue Kampagne: Hitze. Die Viren sind gezähmt, nur soll es der Sonne an den Kragen gehen.

Lauterbach hat einen Hitzeschutzplan verabschiedet und will die Zahl der Hitzetoten halbieren. Jedem mit mehr als fünf Hirnzellen ist klar, dass Lauterbach sich genauso wenig um Hitzetote sorgt wie ich mich um Frauenfußball. Stattdessen sollte man das Thema Klimawandel als Lehrstück betrachten, wie Linke es geschafft haben, die Kontrolle über jede wichtige Institution zu gewinnen.

Gerne werden Linke von nichtlinker Seite als dumm oder inkompetent bezeichnet. So etwas zu tweeten garantiert immer ein paar Likes. Obwohl es zweifellos stimmt, dass viele Völkerrechtler und Kinderbuchautoren nicht mit Einsteins Intelligenz gesegnet ist, ist es grob falsch und gefährlich, das auf die wahren Strippenzieher und die linke Bewegung auszuweiten. Ich werde jetzt zeigen, wieso Linke das Spiel der Macht sehr viel besser verstehen als jede andere bedeutende politische Bewegung.

Eine der wichtigsten Institutionen ist die der Sprache. Als ich Orwells „1984” vor vielen Jahren das erste Mal gelesen habe, war ich noch links. Für mich war klar: „Er warnt vor den Gefahren von rechts!“ – Als ich es einige Jahre später erneut gelesen habe, war ich eher rechts und dachte mir: „Wie konnte ich so dumm sein? Natürlich warnt er vor den linken Zecken!“

Beides ist falsch, aber dass ich so dachte, ist ein weiterer Beweis für Orwells Genie. Seine zentrale Botschaft aus „1984” ist auf die riesige Macht der Sprache hinzuweisen. Wer die diskutierten Begriffe, die Bedeutung von Wörtern und damit den Rahmen kontrolliert, in dem über Themen nachgedacht wird, bestimmt die ganze Debatte. Die Kontrolle der Sprache ist der einzige Weg, die Gedanken von Menschen zu kontrollieren.

Beim großen Thema Klima haben Linke aus ihren Fehlern gelernt. In den 70ern war es „Global Warming“, also die Erhitzung der Erde durch Treibhausgase. Das war ein Fehler. Der gleiche Fehler, den Merkel gemacht hat, als sie ein Ende der Maßnahmen bei einer Inzidenz von 50 versprochen hat. Der gleiche Fehler, den Buschmann gemacht hat, als er ein Ende der Maßnahmen am 31.3.2022 versprochen hat: Eindeutige, nachweisbare und vor allem falsifizierbare Angaben machen.

Das Wort „Klimawandel“ löst dieses Problem, denn das Klima wandelt sich immer. Es hat sich gewandelt, als es noch keine Menschen gab und würde sich auch weiterhin wandeln, wenn morgen alle Menschen tot umfallen würden. Klimaschutz ist also der Kampf gegen etwas, das es immer geben wird.

Seht ihr, wie genial das ist?

Genau wie der Versuch, ein Virus auszuradieren, ist der Kampf gegen den Klimawandel ein Quell unendlicher politischer Macht. Während man über Erderwärmung eine Debatte führen kann, weil Temperatur messbar ist, kann man über Klimawandel keine Debatte führen. Das ist, als würde man über die Erdrotation diskutieren. Kann man schon tun, aber die Erde wird sich so oder so weiterdrehen.

Rechte Bewegungen denken selten über die Sprache nach, die sie verwenden, und passen sich dem Rahmen an, der ihr vorgegeben wird. Linke wählen die Terminologie, die sie verwenden, sorgfältig aus und zwingen ihre Gegner, den politischen Kampf in einem ungünstigen narrativen Terrain auszufechten. „Der Klimawandel” ist ein Meisterwerk rhetorischer Kunst, das es den Linken ermöglicht, etwas, das im strengen Sinne unbestreitbar wahr ist, mit unendlicher politischer Energie aufzuladen. Indem sie sich den Begriff zu eigen machte und proaktiv seine öffentliche Verwendung definierte, gelang es der Linken, ein politisches Monopol auf einen Teil der Realität zu errichten.

Denkt ihr noch immer, Linke seien dumm?

Natürlich scheren sie sich einen Dreck um die Umwelt. Es gibt keine größeren Umweltzerstörer als Krieg und Planwirtschaft. Dinge, für die die Linken nur zu gerne trommeln. Die Umwelt ist ihnen genauso egal wie Frauen oder ethnische Minderheiten. Doch auch diese Gruppen haben Linke im Rahmen des Sexismus und Rassismus zu Maskottchen degradiert. Gleichzeitig lassen sie Vergewaltiger ins Land und verarmen Minderheiten mit Mindestlohn, Steuern und teurer Energie.

Der naive Konservative nennt das „Heuchelei“, aber nur, weil er die Erzählungen der Linken für bare Münze nimmt. Linken Eliten geht es nicht um die Umwelt, Frauen oder Minderheiten, sondern um die Kontrolle der Bevölkerung durch eine unendliche Zahl von Vorschriften, die der Kampf gegen Klimawandel, Sexismus und Rassismus rechtfertigt. Diese Hexenjagden haben Milliarden Euro an Steuermitteln für den „Kampf gegen Rechts” mobilisiert. Sie haben zu neuen Abteilungen, vergrößerten Ministerien, NGOs und anderen Trauzeugen-Treffs geführt.

All diese Heerscharen von Günstlingen halten zusammen. Wer Trauzeuge ist und monatlich 15.000 Euro absahnt, ist nur zu gerne bereit zu behaupten, es gäbe eine Klimakrise, weil es im Death Valley heiß ist.

Deshalb ergibt es keinen Sinn, auf die vielen Tonnen CO2 hinzuweisen, die durch die mittlerweile stillgelegten AKW eingespart worden wären. Darum geht es den Linken nicht. Ging es nie. Atomkraftwerke stehen oben beschriebenen Zielen im Weg und wurden deswegen aus dem Weg geräumt.

Leider kontrollieren Linke den Konsensus erschaffenden Medienapparat, aber Rechte und Libertäre bekleckern sich auch nicht gerade mit Ruhm. Deren Strategie scheint daraus zu bestehen, den Linken vorzurechnen, wie viel Tonnen CO2 durch AKW eingespart worden wären. Wir spielen das Spiel, das die Linken entworfen und perfektioniert haben. Und wundern uns dann, dass jeder Lebensbereich über die letzten Jahrzehnte nach links gerückt ist.

Was dagegen tun? Es gibt wohl keine einfachen Lösungen, aber es gibt Ansätze:

  1. Sich der linken Strategie bewusst sein. Ich habe ihren Kern hier angerissen. Wer nicht weiß, dass er in einem Kampf ist, wird ihn immer verlieren. Linke als dumm zu bezeichnen, mag emotional befriedigend sein, ist aber falsch. Sie haben das Spiel der Macht, das Macchiavellli in seinem Meisterwerk „Der Fürst“ beschreibt, zur Perfektion getrieben. Als Lohn kontrollieren sie jede nationale und internationale Institution. Ob Migration-, Steuer-, Familien- oder Innenpolitik: Alles ist linker geworden. Wenn die Architekten dieses Erfolgs dumm sind, was hat das Wort „dumm“ dann noch für eine Bedeutung?
  2. Nicht mitspielen. Leichter gesagt als getan. Doch auch hier kann man von den Meistern lernen: Den Regime-Medien. Es wirkt wie eine andere Epoche, aber es gab mal eine Zeit, in der der IS die Nachrichten dominiert hat. Wann immer die Tagesschau über ihn geredet hat, hat sie gesagt: „Der so genannte Islamische Staat“. Mit diesem kleinen Adjektiv hat sie ihn delegitimiert. Ähnliches machen sie zum Beispiel mit dem Wort „umstritten“. Es gäbe schlechtere Strategien als fortan nur noch vom „so genannten Klimawandel“ zu reden. Oder das Narrativ ans Tageslicht zu holen: „Es gibt diese Theorie, dass CO2 das Wetter heiß macht.“ Damit schlägt man die Linken mit ihren eigenen Waffen, denn man nimmt ein komplexes Thema und dreht es ins Lächerliche. 
  3. Eigene Narrative aufbauen. Immer nur gegen Heizungsgesetz, gegen Sanktionen, gegen Hitzeschutzplan und gegen CO2-Steuern zu sein, ist nicht sehr attraktiv. Das Thema bietet eine natürliche Alternative für jeden Nicht-Linken: Echter Umweltschutz. Man kann für eine Botschaft stehen, dass es wichtig ist, seine Umgebung sauber zu halten statt sie zu verdrecken und Ordnung zu halten. Wer seine eigene kleine Welt sauber und ordentlich hält und diese Botschaft verbreitet, tut nicht nur mehr für die Umwelt als alle linken Klimaschutzprogramme zusammen. Er bietet auch eine Alternative zum zivilisationszerstörenden Narrativ der Linken.

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5 Kommentare. Leave new

  • Ich kenne noch einen 4. Punkt. Ich weiß, der wird nicht gerne gehört, ist aber der Wichtigste:

    Die AFD nicht tabuisieren. Das politische Programm der AFD ins Lampenlicht rücken. Die liberalen Strömungen und Forderungen innerhalb der Partei benennen. Die Linke hat den Liberalen und Konservativen vor allem eines voraus: Sie hat den “Mut”, zu sich selbst zu stehen. Klar, das hängt natürlich auch von der medialen Rückendeckung ab, deswegen die Anführungsstriche. Ihre Gegner dagegen distanzieren sich von sich selbst, weil sie auf das linke Narrativ von den angeblichen Nazis hereinfallen oder es dulden. Das ist das vorgegebene Spielfeld, welches der Autor in seinem Artikel beschreibt. Ich erweitere den 4. Punkt um einen Unterpunkt: Rückgewinnung der medialen Oberhoheit. Aber auch dazu muß man – liberale und konservative Kreise und Geldgeber – zusammenarbeiten. Um die AFD kommt man nicht herum.

    Ich glaube allerdings, daß die Leute – Blogs, Einzelpersonen, CDU-Basis-Mitglieder, Geschäftsleute usw. – aus Selbstschutz diesen Schritt noch nicht gehen wollen. Man wartet, bis die “Zeit reif dazu ist”. Das bedeutet automatisch eine weitere Verschlechterung unserer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Situation, bis es keinen anderen Ausweg mehr gibt, als die AFD nicht mehr auszuschließen. Erst dann haben wir eine Chance, zu politischem Wettbewerb und zu einer Art von Normalität zurückzukehren.

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  • Jonathan Salomon
    4. August 2023 13:09

    Na endlich sieht das mal einer. Ich bin schon lange am Verzweifeln, ob all der Heerscharen an scheinbar intelligenten Menschen, die glauben, man könne und müsse rational gegen die Kommunisten argumentieren. Nichts falscher als das. Das zeigt die mittlerweile lange Erfahrung seit C-Beginn. Es ist wie bei einem Hund: die Linke wirft quasi ein Stöckchen und die nicht-linken Scheinintellektuellen apportieren brav. Und über nichts mehr dürften sich Linke freuen, daß die große Masse glaubt, sie seien dumm. Es gibt wohl kaum eine bessere Tarnung für die Verfolgung ihres Ziels. Danke und bitte die Arbeit in dieser Richtung intensivieren! Ich hab leider keine Reichweite, aber ich versuche mich immer wieder bei Twitterern mit großer Gefolgschaft mit replies dran zu hängen. In der Hoffnung, daß der eine oder andere Follower mich nicht für einen Spinner hält und etwas ins Nachdenken gerät.

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  • Danke für diesen Artikel. Das sind sehr wichtige Überlegungen.
    Der Kontrafunk verfolgt übrigens ins Sachen Corona bereits den Ansatz 2. Dort ist dann bspw. häufig von der “sogenannten Impfung” oder der “RNA-Behandlung” die Rede.
    Ich schließe Ansatz 2 und möchte etwas zu dessen Weiterentwicklung beitragen:
    Den Klimawandel gibt es ja. Der “sogenannte Klimawandel” trifft es also nicht ganz. Die präzise Beschreibung wäre vielmehr:
    “der angeblich menschengemachte Klimawandel” (Aber nicht: “der angebliche menschengemachte Klimawandel”. Das “e” oder nicht “e” am “angeblich” macht den Unterschied. Dekliniert bezieht sich das “angebliche” auf “Klimawandel” = der angebliche Klimawandel”. Als Adverb ohne Deklinationsendung bezieht die “angeblich” auf “menschengemacht” = “der Klimawandel, der angeblich von Menschen gemacht wurde”.)
    ebenso:
    “der menschengemacht genannte Klimawandel” und “der umstrittenerweise menschengemachte Klimawandel”
    Macht ein bisschen Mühe, aber, wie der Autor schon sagt: Es lohnt sich.

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  • Die beschriebene Taktik hat Gunnar Kaiser gelegentlich angewandt, z.B als er in einem seiner Videos vom “umstrittenen Virologen Drosten” sprach.

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