Na Servus! – Das war der Mai 24

Diesen Text gibt es auch als Video mit Wolfgang Herles im Televisor des Sandwirts: Hier.

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Der Mai ist ein Feiermonat. Er fängt mit der Walpurgisnacht an, in der die Hexen um ein Feuer tanzen. Dann stellen die einen mit reichlich Maibock im Blut den Maibaum auf, während die anderen völlig alkoholfrei und dennoch besoffen „Das Kalifat ist die Lösung!” plärren. So richtig aus dem Häuschen bringt die traditionsfesten deutschen Staatslenker das aber nicht, das schaffen nur ein Dutzend besoffener Kashmir-Youngster, die auf Sylt zu einer harmlosen italienischen Popmelodei „Deutschland den Deutschen!” usw. brüllen.

Verstörend ist beides, die enthemmten niederen Instinkte und die reflexhafte Hysterie. 

Am 8. Mai wiederum feiern die Deutschen den Tag der Befreiung von den Nazis, also den echten. Der famose Bundespräsident Richard von Weizsäcker hatte dazu schon 1985, zum 40. Geburtstag der Stunde null, eine unvergessliche Rede geschwungen. Davon kann der Bundespräsident Frank Walter Steinmeier nur träumen. Von seiner Rede auf der Party zum 75. Geburtstag des Grundgesetzes am 23. Mai bleibt schon jetzt keine einzige Silbe mehr hängen. Nur dass er vom Grundgesetz keine blasse Ahnung hat, das wird uns noch lange in Erinnerung bleiben. 

Das Grundgesetz nämlich schützt die Bürger vor dem Staat, nicht umgekehrt. Steinmeier und die rot-grüne Rettet-die-Demokratie-Riege feiern nicht das Grundgesetz, sondern im Grunde sich selbst und ihre verquere Moral. Deshalb verachten sie den mündigen Bürger, der dem Staat trotzt und ihm misstraut. Kein Wort davon, dass in den 75 Jahren so einiges ins Rutschen gekommen ist: Der Staat wird zur Zumutung, schnürt seinen Bürgern die Luft ab, entmündigt sie und enteignet sie schleichend. 

So war die infantile Party zwischen Kanzleramt und Bundestag in Wahrheit eine geistige Parade: „Im Gleichschritt Marsch!” lautete die heimliche Festparole. Deutschland rettet also wieder einmal mit Inbrunst die Demokratie vor sich selbst, in dem sie sie am liebsten einschränkt.

Dabei läuft doch alles ganz entspannt: Die AfD fackelt ihren Laden selbst ab. Im schönen Monat Mai gehen die deutschen Alternativen mit einem Spitzenkandidaten in die Europawahl, den sie erst gegen besseres Wissen aufgestellt und dann aus dem Verkehr gezogen hat. Die rechten Freunde im Europäischen Parlament wollen mit dieser AfD trotzdem nicht mehr gesehen werden, weil der „gärige Haufen”, wie ihn sein Ehrenvorsitzender Gauland einmal bezeichnet hat, zu viel Faulgase produziert. So wird das höchstens noch in Thüringen etwas, wenn überhaupt. Die deutschen Alternativen sind auf dem Holzweg, also auf einem deutschen Sonderweg. Wenn sie glauben, sie könnten anders als die erfolgreicheren Georgia Meloni in Italien und Marine Le Pen in Frankreich mit dem Kopf durch die Brandmauer rennen.

Und noch ein Gedenktag im Mai: Seit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen am 12. Mai 1965 gilt die Existenz Israels als deutsche Staatsräson. Keine Feier ohne diese Leier. Aber jetzt hat der deutsche Regierungssprecher angekündigt, man würde selbstverständlich den israelischen Premierminister Netanjahu in Deutschland verhaften, sollte der vom Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs beantragte Haftbefehl gegen den wahrlich katastrophalen aber doch demokratisch gewählten Ministerpräsidenten in Kraft treten.

Wo bleiben eigentlich die Haftbefehle gegen die Tyrannen und Menschenfeinde dieser Welt? Will der Chefankläger warten, bis sie alle mit dem Hubschrauber abgestürzt sind, wie gerade der für mehrere Massaker verantwortliche Staatspräsident des Iran, Ibrahim Raisi? Für mich ist das der Skandal des Monats im an Skandalen so überaus reichen Mai. 

Na Servus!

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