Naturschutz – Die Geisel des Klimaschutzes

Unternehmen Zuversicht #11

Anfang der Sechzigerjahre, ich war noch ein Teenager, nahm mich meine Mutter mit nach Essen. Ich erinnere mich noch gut, wie fremd mir als Kind aus dem ländlichen Baden die rußgeschwärzten Fassaden der Häuser erschienen. Die Luft stank nach Schwefel, Flüsse trugen mehr Schaum als Wasser, der Wald war krank, der Rhein galt als „biologisch tot“.

Damals war Umweltschutz keine Ideologie, sondern schlichte Notwendigkeit. Menschen litten unmittelbar unter den Folgen von Verschmutzung. Dank technischer Innovationen, wachsendem Umweltbewusstsein und dem Einsatz vieler Ingenieure wurde daraus eine Erfolgsgeschichte. Nationalparks entstanden, Flüsse wurden sauber, die Luft klarer. In Essen können Sie heute wieder in der Ruhr baden. Ein echter Fortschritt.

Doch was einst als rationale Korrektur begann, ist in vielen Bereichen zur neuen Dogmatik geworden: Aus Werkzeug wurde Bekenntnis. Der Naturschutz hat sich zu einem hochregulierten System entwickelt, das sich zunehmend selbst legitimiert – oft unabhängig von tatsächlicher ökologischer Wirkung. Bürokratie dominiert. Zielkonflikte werden verdrängt.

Windkraft im Zielkonflikt: Klimaschutz versus Naturschutz

Ein besonders drastisches Beispiel dafür ist der forcierte Ausbau der Windkraft in Deutschland, gerade auch in Regionen, die aus naturräumlicher und energetischer Sicht denkbar ungeeignet sind. In Baden-Württemberg etwa soll 1,8 Prozent der Landesfläche für Windparks bereitgestellt werden, obwohl die mittlere Windgeschwindigkeit dort weit unter den wirtschaftlich sinnvollen Werten liegt. Die Energieausbeute im Süden beträgt teils nur ein Drittel der norddeutschen Standorte.

Lohnt sich dieser massive Eingriff in Landschaft, Lebensraum und Artenvielfalt? Ich meine: Nein.

Windkraftanlagen benötigen enorme Flächen. Sie verändern Landschaftsbilder fundamental, durchschneiden Wälder, beeinträchtigen den Wasserhaushalt und gefährden geschützte Arten. Der Bau der Fundamente versiegelt wertvolle Böden.

Der Infraschall, den Windkraftanlagen erzeugen, wird von manchen Medizinern als möglicher Belastungsfaktor gesehen. Prof. Christian-Friedrich Vahl, Herzchirurg aus Mainz, weist in der Welt am Sonntag auf mögliche Effekte auf Zellstrukturen bereits bei relativ niedrigen Schalldruckpegeln hin. Die Studienlage ist noch uneinheitlich – weitere Forschung ist notwendig.

Auch der Abrieb von Rotorblättern wird zunehmend diskutiert. Modellrechnungen gehen von möglichen Mikroplastikemissionen im Tonnenmaßstab aus. Ob und in welchem Ausmaß dies zu relevanten Umweltbelastungen führt, ist bisher nicht abschließend geklärt.

Hinzu kommen mögliche Auswirkungen auf die Tierwelt und empfindliche Ökosysteme – insbesondere durch Kollisionen mit Vögeln und Fledermäusen sowie durch Eingriffe in Waldböden, die seltene Pilz-Symbiosen stören könnten.

All das im Namen einer Technologie, die in Deutschland nur mit massivem Speicher-, Backup- und Leitungsausbau überhaupt zuverlässig betrieben werden kann – und deren Systemkosten entsprechend hoch sind.

Ein Bekannter aus Schonach musste sein Haus verkaufen, nachdem Windräder wenige Hundert Meter vom Waldrand entfernt errichtet wurden. Die Familie hielt den Infraschall nicht aus, der Traum vom naturnahen Leben wurde zur Belastung.

Das ist kein Fortschritt. Und kein verantwortungsvoller Naturschutz.

Klimaschutz und Naturschutz müssen zusammengedacht werden. Deshalb braucht es neben dem Ausbau der Windenergie auch den Mut zur ehrlichen Bewertung ihrer Nebenwirkungen – auf Basis von Wissenschaft, nicht Ideologie.

Solarenergie im Zielkonflikt: Klimaschutz versus Naturschutz

Solarenergie gilt als Symbol der Energiewende: sauber, grenzenlos verfügbar, leise. Doch der Schein trügt, jedenfalls dann, wenn man die gesamte ökologische Bilanz betrachtet. Denn auch die Sonnenenergie fordert ihren Preis. Und dieser wird oft in der Sprache der Natur bezahlt: mit versiegelten Böden, verschwundenen Lebensräumen, toxischen Rückständen und wachsendem Müll.

Photovoltaikanlagen benötigen riesige Flächen, um nennenswerte Strommengen zu erzeugen. Für 1 Gigawatt installierter Leistung braucht es je nach Technologie rund 2.000 bis 3.000 Hektar Land. Besonders problematisch ist der Boom von Freiflächenanlagen auf wertvollen Ackerböden und in ökologisch sensiblen Gebieten. Mit jeder neuen Anlage schwindet die biologische Vielfalt ein Stück mehr – im Namen des Klimaschutzes.

Photovoltaikanlage

Doch nicht nur die Module selbst brauchen Platz, auch ihre Herstellung ist aus Naturschutz-Gesichtspunkten problematisch: Der Abbau von Quarzsand für Silizium, Kupfer für Leitungen, Silber für Kontakte, Aluminium für Trägerstrukturen, seltene Erden für spezielle Zellen – all das hinterlässt Spuren. Besonders in Ländern mit niedrigen Umweltstandards entstehen dabei sogenannte Tailings: giftige Rückstände, die Böden und Grundwasser kontaminieren können. In China, wo ein Großteil des globalen Solarsiliziums produziert wird, klagen Anwohner über unfruchtbare Böden und verschmutzte Flüsse durch Siliziumtetrachlorid, ein Nebenprodukt der Herstellung.

Viele moderne Solarmodule enthalten Schwermetalle wie Blei, Cadmium oder Selen. Diese Stoffe stellen im laufenden Betrieb kein akutes Risiko dar, wohl aber beim Rückbau, bei Beschädigung oder in der Entsorgung. Aktuell fehlt es in fast allen Ländern an einer funktionierenden Recyclinginfrastruktur. Die Folge: Solarpaneele landen oft auf Deponien oder werden unter fragwürdigen Bedingungen im Ausland „verwertet“, mit entsprechenden Folgen für Mensch und Natur.

Ein weiteres Problem ist die wachsende Menge an Solarabfällen. Weltweit werden derzeit jährlich zehntausende Tonnen ausgedienter Module entsorgt, Tendenz stark steigend. Bis 2050 rechnen Experten mit bis zu 80 Millionen Tonnen PV-Abfall weltweit. Ohne konsequentes Recycling droht eine neue Abfallkrise – ausgerechnet durch eine Technologie, die als grün gilt.

Wenn wir blind immer mehr Fläche versiegeln, seltene Metalle verbauen und giftige Abfälle anhäufen, um Strom zu erzeugen, der in sonnenreichen Stunden ohnehin im Überfluss vorhanden ist, dann opfern wir den Naturschutz einem falsch verstandenen Klimaschutz.

Der verkannte Verbündete der Natur

Solarenergie und Windenergie können Teil einer nachhaltigen Energiezukunft sein, aber nur dann, wenn ihre ökologischen Nebenwirkungen ernst genommen und nicht verdrängt werden. Wirklich nachhaltige Energiepolitik braucht deshalb technologische Offenheit, Effizienz, Kreislaufwirtschaft – und die Bereitschaft, auch unbequeme Wahrheiten über „grüne“ Technologien anzuerkennen.

Patrick Moore, einer der Mitbegründer von Greenpeace, verließ die Organisation 1986. Seine Begründung: Der Umweltschutz sei zunehmend von Ideologie statt von Wissenschaft geprägt. In seinem Buch Fake Invisible Catastrophes and Threats of Doom kritisiert er, dass Angst und Übertreibung vielfach politische Entscheidungsprozesse dominieren. Statt nüchtern zu analysieren, was wirklich wirkt, werde emotionalisiert und polarisiert.

Moore plädiert für einen rationalen, evidenzbasierten Umweltschutz, ein Ansatz, den ich voll und ganz teile. Denn nur so lassen sich Natur, Mensch und Klima gleichzeitig schützen.

Warum aber stellen sich Umweltverbände wie BUND, DUH oder NABU gegen eine Technologie, die mit hoher Energiedichte arbeitet, keine CO-Emissionen verursacht, jederzeit Strom liefert und – mit Reaktoren der vierten Generation – sogar Atommüll verwerten kann? Moderne Kernkraftwerke brauchen keine riesigen Flächen, gefährden keine Lebensräume, liefern stabilen Grundlaststrom, auch dann, wenn der Wind nicht weht oder die Sonne nicht scheint. Eigentlich müssten sie das Kronjuwel einer umweltorientierten Energiepolitik sein. Wer grün denkt, sollte meiner Ansicht nach auf moderne Kernenergie setzen.

Stattdessen aber werden Windräder im Wald und Solarfelder auf fruchtbaren Ackerflächen gefeiert. Das ist ein Widerspruch. Und ein Irrweg.

Deutschland kann mehr

Wer die Natur schützen will, muss den Mut haben, neue Wege zu gehen – und neue Technologien zuzulassen. Nicht Ideologie, sondern Wirkung sollte das Leitprinzip politischen Handelns sein. Ich nenne es: Ökomodernismus statt Ökofundamentalismus.

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Moderne Kernenergie bietet hierfür ein enormes Potenzial: Sie ist zuverlässig, emissionsfrei und kommt mit minimalem Flächenverbrauch aus. Doch auch darüber hinaus braucht es zukunftsfähige Investitionen: in ein effizientes Recycling, leistungsfähige Speichersysteme und intelligente Lösungen für die Städte von morgen.

Voraussetzung für all das ist eine Forschung, die frei denken darf, ohne ideologische Scheuklappen oder Denkverbote.

Deutschland hätte alle Voraussetzungen, um hier voranzugehen: das Wissen, die Erfahrung, die Innovationskraft. Doch anstatt Chancen zu ergreifen, verlieren wir uns in einem Dickicht aus Subventionen, Technikverboten und einer Kultur der Angst.

Es ist Zeit, den Kurs zu korrigieren. Nicht morgen. Heute.

Dieser Beitrag ist ein Kapitel aus dem Buch „Unternehmen Zuversicht. 12 gute Gründe, warum die besten Jahre Deutschlands noch vor uns liegen” von Wilfried Hahn, das in der Edition Sandwirt erschienen ist und das Sie überall im Buchhandel und hier im Shop des Sandwirts kaufen können. 

„Zuversicht ist kein Gefühl, das man einfach hat. Sie ist eine Haltung, die man sich erarbeitet.” 

Wilfried Hahn

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